Sicherheitsgefühl

Freiburger Unternehmer entwickelt Heimweg-App mit Stimmaktivierung

Anja Bochtler

Alleine auf dem Heimweg fühlen sich besonders Frauen oft unwohl. Heimwegbegleitungs-Apps können das Sicherheitsgefühl erhöhen. Die App "Mybodyguards" haben Freiburger entwickelt.

Sie hatten zwar Handys – doch diese haben den beiden im Herbst in Freiburg und Endingen ermordeten Frauen nichts genutzt. Denn wer bedroht wird, kann nicht in aller Ruhe die Polizei anrufen. Clemens Wichmann (46) ist Softwareentwickler und Betreiber einer Onlinewerbeplattform. Er hat eine App entwickelt, die mit Spracherkennung funktioniert: Wenn jemand in Gefahr ein vorher festgelegtes Signalwort ausspricht, wird daraufhin eine Vertrauensperson über E-Mail und einen Anruf verständigt, verspricht er.


Das Hauptgeschäft von Clemens Wichmann ist Werbung. Er ist gelernter Bürokaufmann und beschäftigt sich schon lange nebenher mit Computern. Seit neun Jahren bietet er Werbekunden ein Onlineportal an, vor einem Jahr hat er sich mit der Aktiengesellschaft "Marketersmile" selbständig gemacht. Falls alles gut weiter laufe, wolle er irgendwann an die Börse gehen, sagt er. Im vergangenen halben Jahr hat er sich nun hauptsächlich auf ein anderes Projekt konzentriert, zusammen mit vier Freiberuflern, die er ab und zu beschäftigt. Zusammen haben sie die "Sicherheitsapp" Mybodyguards entwickelt, die für iOS und Android bei Itunes und im Google Play Store heruntergeladen werden kann. Laut Clemens Wichmann waren der Auslöser die vorübergehende Häufung von Gewaltverbrechen im vergangenen Herbst und das aus seiner Sicht erheblich verstärktes Unsicherheitsgefühl. Er sei selbst ein "Ur-Freiburger", sagt er – darum habe er überlegt, welchen Beitrag er leisten könne, um die Situation zu verbessern.

Ein Signalwort kann den Notruf zur Begleitperson auslösen

Das Besondere an seiner App sei, dass sie auch und gerade in brenzligen Momenten nutzbar sei. Weil die bedrohte Person nur ein einziges zuvor festgelegtes Wort sagen müsse, damit eine Vertrauensperson eine E-Mail mit Angabe des Längen- und Breitengrads des jeweiligen Orts sowie einen Anruf erhalte. Die Vertrauensperson entscheide dann, ob es ihr nötig erscheint, die Polizei zu verständigen. Das Ganze setzt aber voraus, dass eine Vertrauensperson informiert und in Bereitschaft ist.

Clemens Wichmann hofft, dass Sicherheitsfirmen mit einsteigen. Dann könnten deren Mitarbeiter als Vertrauenspersonen zur Verfügung stehen, wenn sie von Kunden gebucht werden. Er könnte sich auch eine Zusammenarbeit mit der Hotline "Heimwegtelefon" vorstellen, bei der Ehrenamtliche nachts beunruhigte Menschen auf deren Heimweg telefonisch begleiten. Seine App koste für Nutzer einmalig 2,20 Euro, sagt Clemens Wichmann.

Bisher habe er bereits rund 70.000 Euro investiert. Um diese Summe und die laufenden Kosten zu finanzieren, will er die App mit Werbung ausstatten. Wenn die Begleitung durch eine Vertrauensperson abgeschlossen und alles in Ordnung ist, soll zum Abschluss eine Werbung eingeblendet werden.

Wie sinnvoll ist das neue Angebot? Es sind bereits einige andere Apps auf dem Markt, laut Clemens Wichmann aber keine mit Spracherkennung. Die Polizei antwortet auf die Nachfrage der BZ, dass man keine Stellung zu kommerziellen Produkten nehme, die nicht von der Polizei selbst geprüft wurden.

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