"Milchmädchenrechnung"

Freiburger Taxiunternehmer ärgern sich über Fahrpreiserhöhung

Christian Engel

Die Taxitarife werden erhöht. Vom 1. Januar an gelten neue Preise. Etliche Taxifahrer regen sich darüber auf, weil ihre Meinung nicht gefragt war. Anderen machen sich Sorgen um ihre Einkünfte.

Hintergrund: Taxifahrer werfen der Freiburger Stadtverwaltung vor, den Gemeinderat über die neuen Taxitarife, die ab Januar gelten, falsch informiert zu haben. Stadtverwaltung und RP wehren sich gegen die Vorwürfe. Mehr dazu

Christian Engel hat sich mit Taxifahrer Frank Witte über die neuen Tarife und Ideen für ein besseres Image der Branche unterhalten, während im Hintergrund Chet Baker trompetet.

BZ: Hören Sie immer Jazz im Taxi?
Witte: Häufig. Cooler Jazz geht fast immer. Wenn ich junges Partyvolk von A nach B bringe, spiele ich aber eher die Hiphop-Playlist ab. Da wäre Jazz ein Stimmungskiller.

BZ: Ihr persönlicher Stimmungskiller sind die neuen Taxitarife.
Witte: Ja, ich halte die Tariferhöhung für den falschen Weg. Es ist doch eine Milchmädchenrechnung zu glauben, dass eine Preiserhöhung automatisch den Umsatz erhöht. Betriebswirtschaftliche Zusammenhänge sind etwas komplexer. Die hohen Preise schrecken eher ab und führen dazu, dass die Leute Alternativen zum Taxi wählen. Hauptsächlich Alte und Kranke, die auf das Taxi angewiesen sind, trifft die Preiserhöhung.

BZ: Konnten Sie mit den bisherigen Tarifen gut leben?
Witte: Ich kann mich nicht beklagen, meine Existenz ist gesichert. Aber nach der letzten Tariferhöhung vor zwei Jahren ist der Umsatz eher gesunken. Ich gehe davon aus, dass es diesmal nicht anders sein wird. Und ewig kann es nicht bergab gehen. Vor allem weil die Taxibranche mit etlichen Problemen zu kämpfen hat, die einem das Leben nicht leichter machen.



BZ: Welche denn?
Witte: Ein gravierendes Problem ist, dass die Freiburger Innenstadt für Nachtschwärmer nicht mehr viel zu bieten hat. Viele Clubs haben dichtgemacht und Fahrgäste von außerhalb sagen mir häufig, dass man zum Partymachen eigentlich nicht mehr nach Freiburg zu kommen braucht. Gegen 21 Uhr werden in vielen Kneipen schon die Stühle hochgestellt. Jene, die unterwegs sind, fahren eher mit dem Rad oder mit der Straßenbahn heim, seit die am Wochenende die ganze Nacht fährt. Früher standen nachts oft Partygänger an der Straße und haben uns abgewinkt. Das gibt es kaum mehr. Auch Dumpingpreise mancher Betriebe – gerade bei Sonderfahrten zum Flughafen – machen uns das Leben schwer.

BZ: Im Gegensatz dazu boomt der Tourismus, immer mehr Gäste kommen in die Stadt, müssen etwa zum Hotel oder zu einem Meeting gefahren werden.
Witte: In der Regel sorgen Touristen nicht für den großen Umsatz. Ins Gewicht fällt das nur bei Großveranstaltungen wie Messen, von denen es in Freiburg nicht viele gibt.

BZ: Sie haben vor zwei Jahren einen Brief an die Stadtverwaltung geschickt: Sie baten darin um mehr Kontrolle von Taxifahrern, die nachts illegal in der Fußgängerzone Fahrgäste aufnehmen. Was meinten Sie damit?
Witte: Einige Fahrer handeln bewusst regelwidrig, indem sie sich in der Fußgängerzone Fahrgästen anbieten. Die Fahrer, die an offiziellen Standplätzen am Innenstadtrand warten, gehen dann leer aus. Den Leuten, die einsteigen, ist dieses unfaire Verhalten natürlich nicht bewusst.

BZ: Hat sich seit Ihrem Schreiben etwas geändert?
Witte: Leider nicht. Die fairen Fahrer sind die Dummen und können zusehen, wie ihre Kollegen die Fußgängerzone abgrasen.

BZ: Die Stadtverwaltung antwortete auf ihren Brief. Sie schrieb: "Der Nachweis eines bewussten Fehlverhaltens ist oft schwierig."
Witte: Natürlich haben die Fahrer Ausreden parat, zum Beispiel dass sie angerufen wurden. Aber vor vielen Jahren wurde schon einmal knallhart kontrolliert und in kürzester Zeit war das Problem behoben.

BZ: Welche Probleme sehen Sie noch?
Witte: Je höher die Taxipreise sind, desto mehr versuchen die Kunden, den Preis herunterzuhandeln. Fahrten innerhalb des Stadtgebietes sind aber an die Tarifpflicht gebunden. Ich befürchte, dass die Preiserhöhung dem Verstoß gegen die Tarifpflicht, also Fahrten ohne Uhr, weiter Vorschub leistet. Sicher ist das nicht im Interesse der Unternehmer. Auch gibt es zahlreiche Kollegen, die Fahrgäste am Standplatz abweisen, weil ihnen die Fahrziele nicht weit genug sind. Mit kurzen Fahrten verdient man nicht so viel.

BZ:... dabei sind Taxifahrer dazu verpflichtet, Personen zu befördern.
Witte: Gemäß der Beförderungspflicht im gesamten Stadtgebiet. Statt die Preise zu erhöhen, sollte man also eher die fairen Taxis unterstützen, beispielsweise durch Kampagnen in den Kneipen und Clubs, die darauf hinweisen, dass Fahrgäste lieber ein paar Schritte zum nächsten Standplatz laufen sollen und nicht zu denen, die sie in der Fußgängerzone illegal abgrasen. Hier sollte der Taxiverband aktiv werden. Wenn immer nur die Preise angehoben werden, ist weder den Taxis noch dem Image der Branche geholfen.
Zur Person

Frank Witte, 55, ist in Freiburg geboren und hat an der Berufsakademie Ravensburg Fremdenverkehrswirtschaft studiert. In Markdorf am Bodensee arbeitete er mehrere Jahre in einer Werbeagentur. 2014 hat er sich mit einem Taxiunternehmen in Freiburg selbstständig gemacht.