Tanz

Freiburger Studentin Jasmin Bauersfeld fährt zur Pomdance-Weltmeisterschaft

Claudia Förster

Jasmin Bauersfeld tritt mit dem Para-Nationalteam bei der Weltmeisterschaft in Cheerleading in Orlando an. Die Freiburger Studentin ist eine der besten Pomdance-Tänzerinnen Deutschlands.

Elegant wirbelt Jasmin Bauersfeld die Arme in die Höhe und lässt die Fransen ihrer silbernen Poms durch die Luft flattern. In Sekundenschnelle verschmilzt sie mit den anderen Tänzerinnen zu einer neuen Formation, kombiniert dabei Elemente aus Ballett, Hip-Hop, Jazzdance und Akrobatik. "Pomdance" heißt diese vom Cheerleading abstammende Sportart, in der die Freiburger Studentin eine der besten Tänzerinnen Deutschlands ist. Am 26. April wird sie mit der deutschen inklusiven Para-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Cheerleading antreten, die in Orlando in den USA stattfindet.


Mit 15 Jahren stieß die damalige Balletttänzerin bei einem Austauschjahr in den USA auf die Sportart und wurde sofort ins Schulteam aufgenommen. "Pomdance baut auf Ballett und Jazzdance auf. Mit meiner Vorerfahrung lernte ich den Tanzstil schnell", sagt die angehende Lehrerin. In Deutschland ließ sie sich durch Videos inspirieren, trainierte für sich selbst weiter. Als Austauschstudentin in Birmingham wurde sie dann mit ihrem Team britische Vizemeisterin.

18-köpfiges Nationalteam

"Eigentlich wollte ich danach aufhören", sagt die 24-Jährige. Doch dann habe sie den Aufruf auf Facebook entdeckt: Der deutsche Verband für Cheerleading und Cheerdance suchte Athleten für das Nationalteam. "Es ist mein Lebenstraum, einmal an der Weltmeisterschaft teilzunehmen", sagt Jasmin Bauersfeld. Deshalb bewarb sie sich – und ist jetzt Teil des 18-köpfigen deutschen Nationalteams.

Der Clou: Die Mannschaft ist eine der wenigen, die mit einem sogenannten Para-Team antritt. Mindestens ein Viertel der Tänzerinnen muss dabei eine Beeinträchtigung attestiert haben, im deutschen Para-Team sind es sogar ein Drittel. Dazu zählen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beispielsweise kognitive Beeinträchtigungen, körperliche Behinderungen oder auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes.

"Um welche Beeinträchtigungen es bei uns geht oder wer betroffen ist, weiß ich in den meisten Fällen aber nicht. Das ist auch nicht wichtig", sagt Jasmin Bauersfeld, "denn wir leben Inklusion, ohne ständig darüber zu sprechen." Nur die Trainer wüssten Bescheid, um die Tänzerinnen entsprechend ihrer Möglichkeiten und Grenzen zu beanspruchen.

Das Training wird per Video bewertet

In der Para-Kategorie, die bei der Cheerleading-Weltmeisterschaft voriges Jahr eingeführt wurde, wird bewertet, wie die Fähigkeiten der Tänzerinnen mit Beeinträchtigung in die Gesamtchoreografie integriert werden. Seit Oktober trifft sich das deutsche Nationalteam einmal im Monat mit den Trainerinnen und perfektioniert diese Choreografie. Den Rest der Zeit feilt Jasmin Bauersfeld in Freiburg an ihrer Technik und lässt ihre Einzelleistung von den Trainerinnen per Video bewerten. "Wir alle arbeiten hart, denn unser Ziel ist es, bei der Weltmeisterschaft sehr gut abzuschneiden", sagt die 24-Jährige. "Mittlerweile bin ich sehr aufgeregt und freue mich schon darauf, mich von den berühmtesten Cheerleading-Teams der Welt inspirieren zu lassen."

Gleichzeitig sei ihr das Projekt eine Herzensangelegenheit: "In der Uni lernt man kaum etwas über Inklusion. Deshalb ist es jetzt umso schöner, ein Teil davon zu sein." Immerhin sollten gerade Lehrer und Lehrerinnen achtsam mit jeder Art von Beeinträchtigung umgehen, so die Lehramtsstudentin. Irgendwann möchte sie selbst Pomdance-Trainerin sein – vielleicht sogar bei einem Parateam.