Freiburger Studenten werden Vize-Weltmeister im Debattieren

Bernhard Walker

Eloquent und in vorzüglichem Englisch haben sie sich den zweiten Platz bei der WM im Debattieren gesichert: Die Freiburger Studenten Johannes Samlenski und Jannis Limperg mussten sich nur einem Duo aus Porto geschlagen geben.



Es gibt Fragen, über die man gern lange nachdenken würde, weil sie ganz und gar nicht einfach zu beantworten sind. Dazu zählt gewiss die Frage, ob der Niedergang der USA als einziger Supermacht gut oder schlecht ist.


Was die Schwäche Amerikas in ökonomischer, politischer und militärischer Hinsicht für die Welt bedeutet, ob die Welt durch den Aufstieg Chinas, Indiens oder Brasiliens demokratischer, sicherer und gerechter wird, das ist an diesem Donnerstag aber nichts, worüber sich Johannes Samlenski und Jannis Limperg lange Gedanken machen dürfen.

Die beiden jungen Freiburger stehen im Finale der internationalen Weltmeisterschaften im studentischen Debattieren. Dort müssen sich die beiden mit Teams aus Tokio, Porto und Bukarest in der Kunst messen, ganz rasch Für und Wider eines Themas zu erfassen und darüber vor Zuhörern im Stil der Debatten des britischen Parlaments zu streiten.

Wie beim Fußball

Mehr als 800 Redner aus 82 Nationen haben in den vergangenen Tagen an der Weltmeisterschaft teilgenommen, die erstmals in Deutschland stattfand. Wie beim Fußball wurden Achtel-, Viertel- und Halbfinale ausgetragen. Was die Chancen des Freiburger Duos anbelangt, hatte Samlenski vor Beginn des Turniers gesagt: "Im Finale stehen wir sicherlich nicht." Das tun sie dann doch.

Und so sitzen die beiden nun im Ballsaal eines Berliner Hotels und diskutieren mit den Konkurrenten aus Japan, Portugal und Rumänien über just die Frage, ob der Niedergang der USA als einziger Weltmacht zu begrüßen sei. Das Thema hatten sie nur Minuten vor Beginn der Debatte gestellt bekommen. Den Teams aus Tokio und Bukarest kommt die Rolle zu, den Wandel im Staatensystem zu unterstützen, während der 27 Jahre alte Samlenski, der 19 Jahre alte Limperg und die beiden Studenten aus Porto die Opposition sind – also dafür eintreten, dass die amerikanische Suprematie ihr Gutes hat.

Eloquenz aus Freiburg

Jeder Redner bekommt sieben Minuten Zeit, seinen Standpunkt darzulegen, wobei es ihm frei steht, Zwischenfragen der gegnerischen Seite zuzulassen oder abzulehnen. Wie schwer es ist, aus dem Stegreif auf Englisch über ein anspruchsvolles Thema zu sprechen und die Jury zu überzeugen, zeigt sich gleich am Anfang des Finales. Kuwa Inokuchi und Toshinari Ishikawa sprechen Englisch mit so starkem Akzent, dass sie zuweilen kaum zu verstehen sind. Und Ishikawa ist auch so aufgeregt, dass der arme Kerl zwischenzeitlich das Luftholen vergisst und manchen Satz nur mit Mühe zu Ende bringt.

Samlenski und Limperg, Studenten der Volkswirtschaft und der Informatik, schlagen sich dagegen beeindruckend. Eloquent und in vorzüglichem Englisch legen sie ihre Argumentation dar: Washington mag gerade zu Zeiten der Präsidentschaft von George W. Bush große Fehler gemacht haben (Irak-Krieg). Allerdings seien die USA als demokratischer Staat eine unverzichtbare Führungsmacht, während eine Staatenordnung mit vielen konkurrierenden Machtzentren keineswegs für mehr Stabilität und weltweiten Wohlstand bürge. So geht die Debatte lebhaft dahin.

An den Freiburgern wie auch an Tiago Laranjeiro und Ary da Cunha, den Studenten aus Porto, hätte Bundestagspräsident Norbert Lammert wohl seine helle Freude gehabt. Der CDU-Politiker schreibt im Grußwort zur Weltmeisterschaft, wie wertvoll für Politik und Demokratie ein Diskurs sei, der "kurzweilig, intelligent, überzeugend, hoffentlich auch humorvoll und gelegentlich zu Herzen gehend" sei. Auf diese Weise haben Samlenski und Limperg geschafft, was sie selbst nicht erwartet hatten: den Einzug ins Finale. Und dort mussten sich die Vizeweltmeister nur den Mitstreitern aus Portugal geschlagen geben.

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[Bild: dpa]