Freiburger Straßenschule: Benefizkonzert im Crash

David Weigend

Morgen gibt es im Crash ein Benefizkonzert für die Freiburger Straßenschule. Was in dieser Einrichtung gemacht wird und warum Crash-Head Mario Held sie für unterstützenswert hält, haben wir uns von ihm und der Straßenschulchefin Karin Schäfer erklären lassen.



Karin Schäfer: Darum gibt es die Straßenschule

„Im Jahr 2009 wurden in Baden-Württemberg 1265 wohnungslose Menschen gezählt, die jünger sind als 25. Das waren 22 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Stadt Freiburg zählt mehr als 200, was auch auf das Vorhandensein von Großeinrichtungen zurückzuführen ist. Ich finde, diese Zahl ist besorgniserregnend.

Wir wenden uns an die jungen Menschen unter den Wohnungslosen (unter 27 Jahren) und haben unter anderem ein Wohnprojekt mit sieben Plätzen gegründet, in dem junge Wohnungslose mit ihren Hunden über einen begrenzten Zeitraum wohnen können. Das gibt es selten in Deutschland. Ausschlusskriterien für die Aufnahme gibt es bei uns nur wenige. Es gibt speziell in Freiburg das große Problem, Anschluss-Wohnraum zu finden.

Es geht mir darum, dass die Menschen wahrnehmen, wie notwendig es ist, mehr für die jungen Menschen zu tun, die sich in sehr schwierigen Lebensverhältnissen befinden und ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben. Besonders wichtig sind wirksame, präventive Maßnahmen.

Wir suchen den Kontakt zu den Wohnungslosen und versuchen, den Kontakt zu festigen, Vertrauen aufzubauen und Beratung anzubieten. Jemand, der auf der Straße lebt, hat sich abgewendet von den gesellschaftlichen Systemen; in Familie, Schule, Gesundheitswesen und Wohnungslosenhilfe gibt es wenig Vertrauen. Von Ratschlägen will man erst einmal nichts mehr hören.

Unsere Mitarbeiter gehen vier bis fünf Mal pro Woche auf die Straße und sprechen mit den Leuten. Sie haben oft Schulden, Gesundheitsprobleme und dergleichen. Es dauert eine ganze Weile, bis ein junger Obdachloser ein Beratungsangebot annehmen will. In der Anlaufstelle kann er telefonieren, duschen, kochen, sich kreativ betätigen oder Kontakte knüpfen. Er kann auch Beratung und Unterstützung der Mitarbeiter bekommen.

Wenn er dann Vertrauen gewinnt und merkt, es gibt einen Schritt von der Straße, der sich lohnt, steht ihm die Möglichkeit offen, in unser Wohnprojekt zu ziehen. Das Ziel besteht darin, dass er in dieser Zeit eine Perspektive entwickelt, eine Wohnung sucht und sich die Vorraussetzungen schafft, seine Miete in Zukunft zu bezahlen.

Die Straßenschule wird finanziert durch einen Förderverein, auch die Stadt Freiburg (Amt für Wohnraumversorgung) engagiert sich. Dennoch sind wir sehr auf die Unterstützung von Spendern angewiesen. Da das Crash für junge Leute in Freiburg eine wichtige kulturelle Anlaufstelle darstellt, finde ich’s klasse, dass gerade dort ein Benefizkonzert für uns stattfindet.“



Mario Held: Darum unterstützen wir die Straßenschule

„Die Idee von der Straßenschule fand ich immer gut. Es ist wichtig, sich dafür einzusetzen, den Menschen ein Angebot zu machen, von der Straße wegzukommen. Wir vom Crash kriegen das ja mit, gerade im Sommer sind viele Menschen, die auf der Straße leben, bei uns vorm Laden. Im Februar setzte ich mich mit Frau Schäfer zusammen und wir begannen mit der Planung für den Benefizabend.

Jugendkultur ist mir im Crash immer ein Anliegen. Einige Gäste von uns sind ja auch Punks von der Straße. Es gilt bei uns die alte Regel: Sie kommen bei uns auch so rein. Ich glaube, auch das Crash ist ein Heimathafen für Leute, die sich unserer Leistungsgesellschaft nicht immer anpassen wollen.

Die drei Bands an diesem Abend verlangen keine Gage. Wenn viele Leute kommen, und davon gehe ich aus, bekommen sie natürlich trotzdem was. Die gesamte Crash-Crew steht voll hinter der Straßenschule.“

Was: Benefizkonzert für die Freiburger Straßenschule mit obengenannten Bands
Wann: Morgen, Samstag, 8. Mai 2010, 21 Uhr
Wo: Crash, Schnewlinstr. 7
Eintritt: 6 €