Freiburger Start-Ups: ekoneo unterstützt gemeinnützige Organisationen

Anna Germek

Zwei Freiburger gehen für einige Jahre nach Berlin und kommen mit dem Startup ekoneo zurück in den Breisgau. Die Online-Plattform richtet sich an Nonprofit-Organisationen und will das Gemeinwohl fördern.

Das Produkt

Die Online-Plattform ekoneo bietet gemeinnützigen Nonprofit-Organisationen Preisnachlässe auf von ihnen benötigte Waren und Dienstleistungen an, wofür sie sonst meist den normalen Marktpreis zahlen. "Das Ziel ist: Man verhilft gemeinnützigen Organisationen dazu, im Einkauf Kosten zu sparen und mehr freie Mittel zur Verfügung zu haben", sagt Mitgründer Benedikt Boll. Denn da diese Organisationen nicht gewinnorientiert sind, fließt das eingesparte Geld in den gemeinnützigen Zweck.

Für Nonprofits ist das Angebot kostenlos und frei zugänglich, nachdem sie ihre Gemeinnützigkeit nachgewiesen haben. Zusätzlich finden sie wertvolle Informationen, die für ihre Arbeit hilfreich sind. Ekoneo richtet sich an – bevorzugt nachhaltig wirtschaftende – Unternehmen, die relevante Angebote günstiger an Nonprofits verkaufen würden. Dadurch gewinnen diese wiederum neue Kunden – eine Win-Win-Win-Situation: Nonprofits, die Unternehmen und letztlich auch das Gemeinwohl profitieren davon. Etwa 40 Firmen sind bereits beteiligt.

Beide Gründer – neben Benedikt Boll gehört Mario Kümmel zum Team, – haben schon Erfahrungen in gemeinnützigen Organisationen gesammelt. Ihre Erfahrung: Oft fehlen Geld und Zeit, um über einen günstigeren Einkauf zu verhandeln. Große Organisationen machen das schon erfolgreich. Doch viele Mittlere und Kleinere haben diese Möglichkeiten gar nicht. "Wir haben uns gefragt, warum es das Angebot so nicht gibt: Dass einer für alle verhandelt", sagt Benedikt.

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"Wir verhandeln mit Unternehmen bessere Preise für gemeinnützige Organisationen, damit diese mehr Mittel haben, um ihre gemeinnützigen Zwecke besser umzusetzen, wovon letztlich die ganze Gesellschaft profitieren kann", sagt Benedikt Boll.

Kurzfilm über ekoneo



Die Gründer

Der Freiburger Benedikt Boll ist 33 Jahre alt, hat nach seinem Abitur am Goethe-Gymnasium Kulturwissenschaft, Sozialwissenschaften und Bildungswissenschaften studiert und eine Ausbildung als Mediator und Coach gemacht. "Als ich mit meinem Studium fertig war, kam uns die Idee zu ekoneo."

Das zweite Gründungsmitglied Mario Kümmel ist ebenfalls Freiburger. Der 34-Jährige hat "Sprachen, Wirtschaft und Kulturraumstudien" in Passau studiert und danach den Master in Non-Profit-Management in Berlin gemacht: "Ich hab die Chance meiner Masterarbeit genutzt, um zu diesem Thema zu schreiben und zu forschen." Benedikt hat außerdem Marktforschung betrieben. "Nach gut zweieinhalb Jahren sind wir immer noch dabei, weil nie der Punkt kam, an dem wir gemerkt hätten: Das Projekt funktioniert nicht", sagt Benedikt.

Die Finanzierung

Nonprofits sollen das Angebot immer kostenfrei nutzen können. Außerdem spendet ekoneo 100 Prozent der Gewinne an gemeinnützige Organisationen, nach Deckung laufender Kosten. "Daher ist die Finanzierung ein spannendes wie schwieriges Thema", sagt Benedikt.

Über Crowdfunding konnten schon 5.000 Euro gesammelt werden. Beim Yooweedoo-Ideenwettbewerb gewann ekoneo ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro. Von der direkten Finanzierung bleiben nur noch die Partnerunternehmen als Unterstützer. Von ihnen erhalten sie eine umsatzabhängige Provision. Viele Unternehmen erachten das Vorhaben der Gründer aber als unterstützenswert und sind bereit, einen pauschalen Betrag zu zahlen, um dies zu fördern.

"Wir wären auch gern eine gemeinnützige Organisation geworden. Paradoxerweise stellt das Unterstützen von gemeinnützigen Organisationen selbst keinen gemeinnützigen Zweck dar", sagt Mario. Das Finanzamt Freiburg hätte klar abgelehnt. "Da wir trotzdem nicht gewinnorientiert arbeiten, kommen wir für bestimmte Förderprogramme für Gemeinnützige nicht infrage. Gleichzeitig sind wir aber für gewinnorientierte Investoren nicht interessant, weil man mit uns keine Rendite machen kann."

Was sagt die Familie zur Start-Up-Gründung?

Das Umfeld der beiden Gründer beobachtet ihr Vorhaben gespannt: "Sie wachsen mit uns und drücken uns natürlich die Daumen", sagt Benedikt Boll. Mario Kümmel sagt: "Viele haben mitgeholfen und waren von Anfang an eine große Unterstützung. Trotzdem erachten sie es als ein Wagnis, dass wir ekoneo seit bald drei Jahren ohne irgendwelche Einnahmen aufbauen und man natürlich nicht weiß, wohin die Reise geht."

Was spricht für eine Start-Up-Gründung in Freiburg?

Benedikt verbindet die Gründung in Freiburg stark mit dem Grünhof: "Er bietet eine gute Basis mit einem guten Netzwerk in der grünen Community und Ansprechpartnern." Momentan halten sie aber noch eher in Berlin die Stellung, da es dort ein extrem fruchtbares Umfeld gibt – gerade im sozialen Start-Up Bereich. So konnten sie viele Kontakte schließen.

"Witzig ist aber zu sehen: Viele Kontakte, die wir hier in Berlin geschlossen haben, haben auch den Kontakt zum Grünhof", sagt Benedikt. Nach Freiburg wollen sie trotzdem zurück, weil sie ihren Lebensmittelpunkt in den nächsten Jahren dort sehen.

Was ratet ihr anderen Gründern?

Man soll schnell nach draußen gehen und mit Leuten über die Idee sprechen. "Man darf sich nicht verkünsteln, sondern machen", sagt Mario. Wichtig sei den beiden auch gewesen, sich nicht zu verschulden. Ansonsten: Ausprobieren und kooperieren. Man muss offen für Ideen und Mitstreiter sein.

Facebook: ekoneo

Website: ekoneo.de/home