Fernsehsendung

Freiburger Start-up "Jicki" ist bei "Höhle der Löwen" in der Schweiz zu sehen

Laura Wolfert

Würdest Du in dieses Produkt eine viertel Million Euro investieren? Das Freiburger Start-up "Jicki" war bei der der Fernsendung "Die Höhle der Löwen" in der Schweiz – und haben mit uns über ihr Produkt, die Sprachdusche, gesprochen.

Mit der Sprachdusche lernt man nicht unter der Dusche. Doch der Lerneffekt soll ähnlich angenehm sein: sich mit Vokabeln berieseln lassen, Wörter aufsaugen – und am besten direkt nachsprechen können. Das Freiburger Start-up "Jicki" hat mit dieser Idee bei "Die Höhle der Löwen" in der Schweiz teilgenommen. Die Sendung wurde am Dienstagabend ausgestrahlt.


In der Fernsehsendung stellt man sein Idee fünf Erfolgsunternehmerinnen und -unternehmern vor, die in das Produkt investieren sollen. In Deutschland läuft die Sendung auf dem Fernsehsender "Vox" – unter anderem mit Frank Thelen, Carsten Maschmeyer und Judith Williams. In der Schweiz wird die Folge mit den Freiburgern über den Sender TV24 ausgestrahlt. "Wer die Folge online streamen will, muss das über den Server regeln. Am besten ist es, die Folge einfach nachträglich anschauen", sagt Jicki-Mitglied Christoph Munz. Mit seinen Kollegen Stefan Graf, Helge Straube, Thomas Darscheid und Christian Maier-Straube arbeitet er mittlerweile Vollzeit für das Start-up. Der selbsternannter "Marketing-Dude" hat mit uns über die Sendung und die Idee hinter der Sprachdusche gesprochen.



Euer Produkt heißt "Sprachdusche" – ein Programm, mit dem man ganz einfach Sprachen lernen soll. Die Idee kam unter der Dusche, richtig?

Christoph: (lacht) Nein. Die Idee hatte mein Kollege Helge an der Uni – der Alanus Hochschule in Köln. Er hat während des Studiums (Schwerpunkt BWL) eine Möglichkeit gesucht, sich den Lernstoff besser einzuprägen. Eine, die besser ist, als das Auswendiglernen von Karteikarten. Also hat er alles, was er für die Klausuren wissen musste, eingesprochen und sich immer wieder angehört. Das kam natürlich auch bei seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen sehr gut an. Nach dem Studium hat er seine Idee weitergedacht und Jicki gegründet. Er hat damals das Wort "Entspannung" in den Google-Translator eingegeben. In einer westafrikanischen Sprache kam dann das Wort "jicki" raus – und das hat gefallen.

"Wir bedienen mit der ’Sprachdusche’ nur den auditiven Kanal."

Sprachen lernen wie unter der Dusche – kannst Du den Lernprozess genauer erklären?

Der Name "Sprachdusche" erklärt sich von selbst: Man lässt sich von der Sprache berieseln. Die Kurse sind nach Lektionen aufgebaut. Zu Beginn hört man Vokabeln in der Fremdsprache und dann mit deutscher Übersetzung. Darauf folgt eine kurze Geschichte – als ob man in einem französischen Café den Leuten bei ihrer Unterhaltung lauschen würde. So kann man die Wörter, die man davor gelernt hat, in den Kontext setzen. Im Anschluss soll man die Sätze und Vokabeln selbst nachsprechen.

Der Lernprozess funktioniert ähnlich wie bei einem Auslandssemester: man hört ganz viel, bekommt ein gutes Sprachgefühl, merkt sich die Vokabeln und wendet sie selbst an.

Eine Dusche dauert zwischen 15 und 20 Minuten. Man kann sich bei uns kostenlos registrieren. Für jede Sprache gibt es zwei Lektionen, die man so lange hoch und runter hören kann, wie man möchte. Eine Art Schnupperkurs, bevor man sich für die bezahlte Abo-Variante entscheidet.

Ich wäre mir als "Löwin" nicht sicher, ob ich in euch investieren sollte. Schließlich gibt es Radio, Fernsehen und Bücher, mit denen ich die Sprache lernen kann. Abgesehen davon, gibt es bereits viele Onlinesprachkurse…

Lesen wäre ein ganz anderer Ansatz. Da lernt man eher die Schriftsprache. Selbst das versuchen wir zu unterstützen, indem wir ein Begleitbuch zu unserem Sprachkurs haben. So kann man das Gehörte mitlesen. Beim Fernsehen schaut man meist mit Untertitel und ist darauf viel zu konzentriert, oder vom Film selbst abgelenkt.

Wir bedienen mit der "Sprachdusche" nur den auditiven Kanal. Die Vokabeln sind zusätzlich von klassischer Barock unterlegt. Forschungen haben bewiesen, dass man mit dieser Musiktakt am besten lernen kann. Hören kann man immer und überall – im Gegensatz zu Fernsehen und Lesen.

Welche Sprachen habt ihr selbst schon mit Jicki gelernt?

Ich bin die letzten Jahre immer nach Frankreich in den Urlaub gefahren und habe zwei bis drei Monate vorher angefangen, mir eine Sprachdusche anzuhören. Zugegeben, nur ein bis zwei Mal die Woche. Ich konnte schon ein wenig Französisch aus der Schulzeit – habe mich dank Jicki aber eher getraut im Café etwas zu bestellen, oder mich mit Leuten unterhalten.

"Wir sind ein Freiburger Start-up, kein Berliner Start-up."

Die wichtigste Frage in der "Höhle der Löwen" lautet immer, wie viel das Unternehmen wert ist. Was für ein Angebot haben euch die "Löwen" gemacht?

Wir wollten 270.000 Schweizer Franken – das sind umgerechnet 250.000 Euro – für zehn Prozent unseres Unternehmens. Das ist relativ viel. Aber uns gibt es schließlich schon seit zwei Jahren, mit App und der Plattform. Wir haben schon 25.000 registrierte Nutzer, von denen etwa 4.500 ein Abo abgeschlossen haben.

Alle fünf Löwen wollten gemeinsam 270.000 CHF in uns investieren – allerdings für 25 Prozent. Wir waren uns nicht ganz einig. Aber wir haben es tatsächlich abgelehnt. Wir wollten nicht direkt fünf Leute mehr in unserem Team haben und auch nicht so viel Anteil an unserem Unternehmen abdrücken. Wir sind ein Freiburger Start-up, kein Berliner Start-up.

Inwiefern unterscheidet sich ein Freiburger von einem Berliner Start-up?

Wir sind alle in Freiburg geboren – außer ich. Wobei ich mittlerweile selbst hier wohne und nicht mehr wegziehen möchte. Freiburger Start-ups bauen ihr Geschäft, nach meinem Gefühl, einfach ein wenig nachhaltiger auf. Die blasen nicht einfache eine fette Firma auf und verkaufen sie nach fünf Jahren für ein paar Millionen. Abgesehen davon finanziert man das Projekt meist eher aus eigener Tasche – ohne Zuschuss von irgendwem.

Wir selbst haben Jicki nach und nach aufgebaut. In der Anfangsphase haben drei von uns noch komplett kostenlos gearbeitet und hatten nebenher noch andere kleine Jobs. Seit Anfang Juni sind wir aber alle Vollzeit da und können uns schon ein eigenes Gehalt auszahlen – so dass es für Miete und Essen reicht. So wollen wir weitermachen.
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