Hauptausschuss

Freiburger Rathaus lehnt neues Frauentaxi ab

Joachim Röderer

Wie kann die Sicherheit von Frauen nachts in Freiburg verbessert werden? Viele Seiten fordern die Wiedereinführung eines Frauentaxis – OB Salomon schließt dies jedoch aus.

Nach den Gewaltverbrechen gegen Maria L. in Freiburg und Carolin G. in Endingen gibt es Debatten um die Sicherheit von Frauen. Darum ging es auch in der Sitzung des Hauptausschusses am Montag. Oberbürgermeister Dieter Salomon schloss aus, dass das 2003 eingestellte Frauentaxi wieder eingeführt wird. Eine entsprechende Forderung ist zuletzt von mehreren Seiten erhoben worden. Ob es eine Lösung mit speziellen Sammeltaxis geben könnte, die von Straßenbahn-Endhaltestellen verkehren, darüber wird aktuell im Rathaus nachgedacht.


Hans Lehmann, Vorsitzender des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, hat in einem Schreiben an den Oberbürgermeister von den Ängsten vieler Frauen berichtet, verbunden mit einer Aufforderung: Viele Frauen trauten sich nachts nicht mehr alleine nach Hause und bitten den Bürgerverein, dass das Frauentaxi wieder eingeführt wird. SPD-Fraktionschefin Renate Buchen griff das Thema in der Sitzung des Hauptausschusses am Montag auf.

Frauentaxi sei zu wenig genutzt worden

Von der Stadtspitze kam eine klare Absage: "Das Frauentaxi hat viel Geld gekostet und wurde zu wenig genutzt", meinte OB Dieter Salomon bei einem Blick zurück. Zudem würde die Freiburger Verkehrs-AG heute am Wochenende quasi rund um die Uhr fahren. In einem Brief an eine Bürgerin, die ebenfalls ein solches Angebot gefordert hatte, argumentierte die Stadtverwaltung, dass man ein Frauentaxi wegen der Präzedenzwirkung nicht einführen wolle – weil man sonst in nahezu allen Stadtteilen und eventuell für weitere Nutzergruppen ein solches Angebot schaffen müsste. Bürgervereinsvorsitzender Lehmann fand in dem Antwortschreiben an die Bürgerin zwar, wie er schreibt, viele Bemühungszusagen, aber keine konkrete Botschaft oder Hilfszusagen.

Irene Vogel (Unabhängige Listen) verwies auf einen Fernsehbericht über die Situation in Freiburg und auf die Aussagen von Frauen in dem Beitrag: "Wir haben die Debatte um das Sicherheitsgefühl schon", sagte sie. Sie verwies auf das Modell des Frauentaxis in Stuttgart und riet, sich dieses anzuschauen. Das Stuttgarter Frauentaxi wird von den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) betrieben und wird von 3000 Kundinnen pro Jahr genutzt. Zum Vergleich: Das Freiburger Frauentaxi haben laut einem damaligen BZ-Bericht 800 Frauen genutzt – pro Monat.

Alternative: Modell des Sammeltaxis

Irene Vogel jedenfalls riet der Stadtverwaltung, das Sicherheitsthema ernst zu nehmen: "Wir müssen dafür sorgen, dass es besser wird", meinte sie. Pia Federer (Grüne) stimmte zu: "Mindestens ein Mörder läuft frei rum, niemand weiß, was noch geschehen kann." Die Stadträtin brachte das Modell des Anrufsammeltaxis ins Spiel, das weiterentwickelt und dann speziell von Frauen genutzt werden könnte. Die Sammeltaxis verkehren derzeit von Endhaltestellen der Straßenbahnen in Umlandgemeinden. Im Rathaus will man diesen Vorschlag prüfen, hieß es am Dienstag.

OB Salomon hatte sich in der Ratssitzung über die Lage in Freiburg und über die bundesweiten Berichte nach den Mordfällen geäußert. Statistisch sei zwar die Zahl der Morde in den vergangenen zehn Jahren in Freiburg rückläufig: "Aber einem Unsicherheitsgefühl kann man mit Statistiken nicht begegnen", so Salomon.

Salomon fordert mehr Polizei

Freiburg sei eine normale Großstadt und "kein süddeutsches Bullerbü", meinte er als Reaktion auf überregionale Medienberichte. Der OB wiederholte seine Forderung nach einem Aufstocken der Polizei, damit diese durch mehr Präsenz das subjektive Sicherheitsgefühl verbessern könne. Salomon sagte, er glaube auch, dass es schon seit längerer Zeit eine Verunsicherung in der Stadt gegeben habe: "Dir Morde kommen jetzt noch oben drauf", sagte er. Man müsse nun versuchen, Ruhe hineinzubringen und die Polizei ihre Arbeit machen lassen.

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