Freiburger Public-Viewer buhen Sarko aus

Nadja Röll

Frankreich hat gestern einen neuen Präsidenten gewählt, den konservativen Innenminister Nicolas Sarkozy. Mit 53 Prozent der Stimmen setzte er sich gegen die Sozialistin Ségolène Royal (47 Prozent) durch. In Freiburg, beim Public-Viewing des SWR, hätte man wohl anders gewählt. Hier gingen die Daumen runter, die Gesichter verdunkelten sich und es wurden Buh-Rufe laut. Nadja Röll war dabei.



Punkt 20 Uhr erlosch das Stimmengewirr aus deutschen und französischen Sprachfetzen. Hunderte starrten gebannt auf den Bildschirm, wollten die Geschehnisse im Nachbarland per Live-Übertragung mitverfolgen.


Das Wahlergebnis war für die meisten Anwesenden keine große Überraschung, aber es löste doch bei vielen einen kleinen Schrecken aus. Jubeltänze und Gesänge waren in Freiburg nur über die Bildschirme zu sehen, auf denen Sarko-Anhänger in Paris den Sieg ihres Wunschpräsidenten feierten. Die Freiburger klatschten verhalten bei dem Ausspruch „Vive la République“ und hielten sich ansonsten zurück.



Die Franzosen aus der Region hatten anders abgestimmt, wie die Vorsitzende des Centre Culturel Francais in Freiburg, Martine Chantrel, mitteilte. Von über 4300 Wahlberechtigten zwischen Kehl und dem Bodensee waren nur 1200 in Freiburg zur Urne gegangen. 599 hatten für Sarkozy, 621 für Royal gestimmt.

Bis zur Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen war die Wahlveranstaltung ein gelungenes Fest. Die Fachschaft Politik hat die Gäste mit Quiche versorgt, die Big-Band des Deutsch-Französischen Gymnasiums erspielte heitere Stimmung.

BZ-Redakteur Stefan Hupka und Claus Schneggenburger, Leiter des SWR-Studios in Freiburg, führten durchs Programm: Politikstudenten erklärten das französische System, Schülerinnen und Schüler des Rotteck-Gymnasiums befragten den TV-Korrespondenten Georg Kellermann zu den deutsch-französischen Beziehungen. Die Studierenden der Deutsch-Französischen Journalistik zeigten außerdem kurze Filmbeiträge, die sich thematisch rund um die politische und gesellschaftliche Situation in Frankreich drehten.



Ab 20 Uhr ging die Stimmung dann langsam den Bach runter und bis 22 Uhr hatten sich die Räume des SWR so gut wie geleert.

Der kleine Law-and-Order-Politiker wird in Kürze Chirac ablösen und der höchste, französische Staatsmann sein.

Auf den Bildschirmen sprechen Experten über die Zukunft des Landes und auch beim SWR denkt man darüber nach, wohin der 52-jährige, konservative Politiker Frankreich führen wird. Jung und Alt, Franzosen und Deutsche denken an die Unruhen in den französischen Vorstädten, wo sich Sarkozy mit seinem „Kärchern“, der Idee einer gründlichen Reinigung, vor allem bei jungen Immigranten verhasst gemacht hat.

Der nationalistische Politiker wollte im Herbst 2005 die Vororte vom „Gesindel“ bereinigen, woraufhin es zu großen Krawallen und gewalttätigen Ausschreitungen kam.



Die Sozialistin Royal, die oft wegen ihres leeren Wahlprogramms kritisiert wurde, stellte für die meisten Franzosen scheinbar keine Alternative zu dem rechten Sarkozy dar. Nun bleibt aber noch abzuwarten, wie die in wenigen Wochen stattfindenden Parlamentswahlen ausgehen werden. Denn obwohl in Frankreich der Präsident mehr Macht hat, als beispielsweise der deutsche Bundeskanzler, so kann auch er nur mit einer Mehrheit im Parlament regieren.

Sollte die Partei Sarkozys, die Regierungspartei UMP, keine Mehrheit bekommen, so käme es zu einer „Cohabitation“, einer Koalition.