Ermittlungsgruppe Garage

Freiburger Polizei sucht Eigentümer von 8000 gestohlenen Gegenständen

Moritz Lehmann

Kameras, Rolex-Uhren, Bargeld: Nach dem Schlag gegen eine mutmaßliche Einbrecherbande, die in Freiburg und Umgebung operierte, will die Polizei die Beute loswerden. Wie funktioniert das?

Die Freiburger Kriminalpolizei hat die Beute einer mutmaßlichen Einbrecherbande sichergestellt. Das Diebesgut soll nun wieder an seine Eigentümerinnen und Eigentümer übergeben werden. Wer zwischen August und Februar Opfer eines Wohnungseinbruchs geworden ist, hat bis Samstag Gelegenheit, seine Wertgegenstände zurückzubekommen.


Im vierten Obergeschoss der Freiburger Kriminalpolizeidirektion herrscht Flohmarkt-Atmosphäre. Auf Papptellern sortiert liegt hier eine große Menge an Diebesgut auf den Tischen. Es handelt sich dabei um die mutmaßliche Beute aus 48 Einzelstraftaten in Freiburg, Emmendingen, Denzlingen, Müllheim, Bad Krozingen, Waldkirch und Breisach. 34 dieser Straftaten sollen Wohnungseinbrüche sein.

Betroffene sollen sich ihre Gegenstände zurückzuholen

Verübt wurden diese Einbrüche im Zeitraum von August 2017 bis Anfang Februar 2018, vorzugsweise in Mehrfamilienhäusern, immer zwischen 14 und 20.30 Uhr. Die Polizei will das Diebesgut nun wieder loswerden – und ruft Betroffene dazu auf, sich ihre gestohlenen Wertgegenstände zurückzuholen.

Video: Freiburger Polizei sucht Eigentümer von Diebesgut


Ein Glücksfall führte die Beamten am 2. November in eine Garage in Freiburg-Lehen. Dem Vermieter der dortigen Garagen war es komisch vorgekommen, dass in einer der Garagen Licht brannte. Als er dieses löschen wollte, machte er eine erstaunliche Entdeckung: Die Garage war vollgestopft mit Wertgegenständen und Waffen. Er alarmierte die Polizei.

"Alles lag kreuz und quer herum" Peter Göbel
Die Waffen stellten sich als Attrappen heraus. Keine Attrappen waren die zahlreichen anderen Schmuck- und Wertgegenstände, die die Beamten dort fanden: 12.000 einzelne Gegenstände. Es handelt sich um einen der größten Funde von Diebesgut, die Kriminalhauptkommissar Peter Göbel, Leiter der "Ermittlungsgruppe Garage", in seiner 44-jährigen Laufbahn gesehen hat.

Schnell war Göbel und seinem Team klar, womit sie es zu tun hatten: mit eilig in Sporttaschen gestopfter Einbrecherbeute. "Alles lag kreuz und quer herum", sagt Göbel – Elektronikgeräte und billiger Modeschmuck, teure Rolex-Uhren und sogar Jeans und T-Shirts.

Der Gesamtwert der Beute beträgt 1,1 Millionen Euro

Weil die Einbrecher auch Dokumente wie Personalausweise und ADAC-Mitgliedskarten hatten mitgehen lassen, konnten zahlreiche Gegenstände bereits zugeordnet werden. Leicht sei die Zuordnung bei den Rolex-Uhren im Wert von bis zu 20.000 Euro gewesen, sagt Peter Göbel – jede dieser Uhren habe eine persönliche Nummer. Schwieriger sei es hingegen mit Perlenketten im Wert von 2000 bis 3000 Euro.

Unter Tatverdacht stehen ein 30-jähriger deutscher Staatsangehöriger, ein 29-jähriger Syrer und ein 19-jähriger deutscher Staatsangehöriger. Laut Göbel hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, die Verdächtigen streiten die Taten ab. Göbel ist sicher, dass ihm und seinem Team die Richtigen ins Netz gegangen sind. Nachdem ein Haftbefehl gegen den 30-Jährigen, der auch die Garage angemietet hatte und wegen bandenmäßiger Zweiraddiebstähle bereits in Haft gewesen war, zunächst fallen gelassen worden war, ermittelten die Beamten verdeckt.

Sie beobachteten, dass die Verdächtigen Diebesgut im Frankfurter Bahnhofsviertel zu verkaufen versuchten – und warteten. Am 2. Februar dieses Jahres wurde die Polizei wegen eines Einbruchs in Gundelfingen alarmiert – und konnte den 30-Jährigen und den 29-Jährigen festnehmen. In der Wohnung des Syrers fanden die Beamten 3000 weitere Wertgegenstände sowie eine große Menge an Einbruchswerkzeugen.

Der Wert der Beute beläuft sich Göbel zufolge auf 1,1 Millionen Euro, bei den Einbrüchen seien 70.000 Euro Sachschaden entstanden. In Reaktion auf eine erste Meldung der BZ hätten sich 30 Betroffene gemeldet, aber noch immer sind 8000 Gegenstände übrig.

Bis Samstag können Ansprüche geltend gemacht werden. Was bis dahin nicht zweifelsfrei einem Eigentümer zugeordnet werden kann, wird durch den Zoll versteigert – der Erlös fließt in die Staatskasse.
Geschädigte können sich bei der Kriminalpolizei melden und noch bis Samstag, 21.April, zu einer Besichtigung kommen: Tel. 0761/882-5257.

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