Freiburger Physiker hat Regenschirm fürs Fahrrad entwickelt

Kerstin Ernst

Fahrradfahren bei Regen ist lästig. Wer jedoch trotz Nässe nicht auf sein Rad verzichten kann, für den hat der Freiburger Physiker Thomas Schmidt den Fahrradregenschirm "Under-Cover" entwickelt. Die Crowdfunding-Kampagne startet am heutigen Freitag.

Die Idee zum Fahrradregenschirm hatte Thomas Schmidt vor drei Jahren, weil er mit der üblichen Schutzkleidung unzufrieden war. Der selbstständige Physiker entwickelt normalerweise technische Modelle zur Demonstration von Energieumwandlung, die spielerisch für das Thema begeistern und inspirieren sollen. Wie zum Beispiel einen Bausatz von einem thermoelektrischen Auto, was mithilfe eines Teelichtes angetrieben wird.


Aus einem Rollatorschirm wird ein Regenschirm fürs Fahrrad

Die Grundidee ist aus einem Rollatorschirm entstanden. Beim Fahrradregenschirm handelt es sich um einen verlängerten Schirm, der mit einer Halterung an dem Rahmen befestigt wird und vor dem Lenker aufgespannt ist. Es gibt an dem Schirm eine integrierte Kapuze für den Kopf. Dadurch, dass der Schirm nah am Körper liegt, jedoch nicht zu nah um die Bewegung einzuschränken, soll die Abschirmung vor Regen gewährleistet sein.

Der Schirm ist universell an jedem Fahrradmodell einsetzbar: durch Teleskopstäbe lässt er sich individuell an Rad und Person anpassen. Auch die Schirmhalterung passt an jeden Rahmen. Wichtig war dem Erfinder auch eine einfache und schnelle Handhabung: der Schirm sollte innerhalb einer Minute aufgespannt und am Rad befestigt sein. In einer Hülle wird er mit Klettverschlussbändern am Fahrradrahmen befestigt und ist somit immer in Griffweite.

Schub bei Rückenwind

Aber kann das nicht beim Radfahren stören, gerade bei Wind? "Ich habe bisher noch nicht festgestellt, ob der Wind beim Fahren so ein gravierendes Problem darstellt", sagt er. Er selbst fährt mit dem Prototypen seit zwei Jahren. Wenn der Wind allerdings von der Seite kommt, kann es einem schon einen Schlag versetzen. Bei Rückenwind kommt es eher schon einmal zu einem Schub. Bisher, so erzählt es Thomas Schmidt, hat er von den Testpersonen überwiegend gute Rückmeldungen zu seiner Idee bekommen.

Ökologischer Aspekt des Radfahrens und lästige Regenkleidung

"Ökologie war schon immer ein großes Thema bei mir und meiner Arbeit", sagt Thomas Schmidt. Deshalb ist seiner Meinung nach auch das Fahrrad für ihn das sinnvollste Fortbewegungsmittel in einem Umkreis von zehn bis zwanzig Kilometern. Für ihn wie auch für viele Freiburger ist das Fahrrad das Hauptfortbewegungsmittel innerhalb der Stadt.

"Das Fahrrad an sich ist meiner Meinung nach ausentwickelt, da gibt es nichts mehr großartig neues zu erfinden", sagt er. "Jedoch stößt das Fahrrad gerade bei Regen an seine Grenzen." Die Lösungen, die sich über die Zeit etabliert haben, findet Schmidt unbefriedigend. "Ein Cape kann sich mit dem Fahrradlenker verheddern und verursacht so eher einen Unfall als vor Regen zu schützen", sagt der Tüftler.

Regenkleidung, bestehend aus Regenjacke und -hose, findet er genauso lästig. Zum einen ist es laut Schmidt eine Schinderei, bis man sich erst einmal in die Hose gezwängt hat. Zum anderen gerät man schnell ins Schwitzen beim Radfahren, was weniger angenehm ist, wenn man zu einem wichtigen Termin gehen muss. Deswegen tüftelt er seit drei Jahren an einer passenderen Lösung.

Finanzierung durch Crowdfunding-Kampagne

"Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir uns fragen müssen, ob das überhaupt etwas für die Menschen ist", sagt er. Zum 1. September startet für 60 Tage die Crowdfunding-Kampagne auf kickstarter.com. Das Ziel ist es 25.000 Euro durch die Vorbestellung der Fahrradregenschirme zu sammeln und dann die Produktion im Werk zu finanzieren.

Wer auf Kickstarter einen Schirm vorbestellt, bekommt einen Frühbucher-Rabatt: dort kostet der Schirm 39 Euro, regulär würde der Preis bei 49 Euro liegen. Inwieweit der Fahrradregenschirm ankommt, möchte Thomas Schmidt mit der Kampagne austesten.

Bisher hat er viel positive Rückmeldungen bekommen: "Es gab so eine Art ‚Wow-Effekt‘ wenn ich damit draußen gefahren bin und ich wurde oft gefragt, wo man denn so etwas herbekäme", erzählt er.