Freiburger Ökonauten: 5 Start-Ups, die die Welt ein bisschen besser machen

Johanna Hasse

Fleisch von glücklichen Tieren, ein verpackungsfreier Supermarkt oder stadtnaher Gemüseanbau: Das Förderprogramm Ökonauten aus Freiburg unterstützt fünf grüne Start-Ups bei der Weltverbesserung.

Die Ökonauten sind ein Förderprogramm für grüne Startups, das diesen November erneut vergeben wurde. Insgesamt haben sich 23 Teams und Einzelpersonen aus dem Bereich ökologische und soziale Nachhaltigkeit beworben. Zehn Teams durchliefen im Finale einen Auswahl- und Trainingsparcours: Geschäftskonzept, Finanzierungsplan, nachhaltige Wirkung sowie unternehmerische Kompetenzen der Teams wurden hier geprüft und diskutiert.


Die Jury bestand aus Vertretern der Kooperationspartner (z.B. Volksbank Freiburg und Badenova), erfahrenen Unternehmern und dem Team vom Grünhof. Die fünf Gewinner-Teams werden nun in einem 9-monatigen Programm begleitet und beraten, sodass aus der Geschäftsidee ein erfolgreiches Start-Up entstehen kann bzw. bereits am Markt agierende Start-Ups ihre Wirk- und Reichweite ausdehnen können.

Diese fünf Ökonauten werden in den nächsten Monaten mit Know How, Mentoring und aktiver Netzwerkarbeit auf ihrem weiteren Weg begleitet:

1. Glaskiste – Verpackungsfreier Supermarkt

Das Team der Glaskiste konnte mit der Idee eines verpackungsfreien Supermarktes überzeugen. Der alternative Lebensmittelladen verspricht individuelles, nachhaltiges und regionales Einkaufen – ganz ohne Plastikberge. Das unverpackte Konzept von Adrian, Lisa und Björn ist "schon relativ weit fortgeschritten, aber leider fehlt noch die passende Immobilie", erzählt Jury-Mitglied Jonathan Niessen. Bei dieser und weiteren Herausforderungen wird nun das Ökonauten-Programm unterstützen, sodass sich die Idee der drei Freiburger auch im alltäglichen Handeln zukünftiger Kunden manifestieren kann: Abfälle reduzieren, schonend mit Ressourcen umgehen. Dabei legen die Gründer der Glaskiste besonderen Wert auf die Qualität ihrer Produkte und Transparenz ihrer Arbeit. 

2. Berglämmle – lokale Fleischdirektvermarktung

Moriz Vohrer und Joachim Baltins betreiben mit ihrem Projekt Freiburger Berglämmle eine lokale Fleischdirektvermarktung. Ihre Mission lautet: gutes Fleisch von glücklichen Tieren. Ihr Projekt setzen sie bereits um, auf dem Liesenhof am Westhang des Schauinslands. Dort weiden ihre Heidschnucken auf weiten, grünen Wiesen. Bei Moriz und Joachim kann man Lammpatenschaften übernehmen. Dann bekommt man nicht nur qualitatives Fleisch direkt aus der Umgebung, man kann sie auch auf ihrem Hof besuchen und z.B. beim Scheren der Tiere helfen. Das Fleisch, das auf dem Teller liegt, bekommt dann plötzlich ein Gesicht, einen Kontext und Bezug. Das ist der Grundgedanke: "Wissen, was man isst". Sein Vermarktungskonzept würde Moriz gern erweitern und auch anderen Landwirten vermitteln. Vom Ökonauten-Programm wird er vor allem Hilfe bei der Weiterentwicklung seines Geschäftsmodells bekommen. "Das Feedback ist jetzt schon goldwert", meint er.
3. KulturAcker – stadtnaher Gemüsegartenbau

Clara Stützle und ihr Team wollen mit dem Projekt KulturAcker einen stadtnahen und professionell angeleiteten Gemüsegartenanbau initiieren. Anstelle von zeitweiligen Zwischennutzungen städtischer Brachflächen sollen mit dem KulturAcker feste Mietgärten aufgebaut werden. Das Konzept soll so funktionieren: "Ein Landwirt bestellt einen stadtnahen Acker und vergibt bereits mit Gemüse bestellte Gartenparzellen an interessierte Kunden. Diese schlüpfen für die Dauer eines Jahres in die Rolle des Kleinstbauern und können in der Parzelle ohne fachliches Vorwissen eine Vollversorgung mit saisonalem Ökogemüse erwirtschaften." Dabei wird nicht nur Gemüse geerntet, sondern auch neues Wissen. Unerfahrene Gärtner bekommen professionelle Anleitungen von erfahrenen Landwirten. In der Zukunft geht es vor allem darum stadtnahes Ackerland zu finden, Anträge für öffentliche Förderung zu stellen und die Rechtsform des Projekts festzulegen. Nur so kann am Ende das Ziel der Gründer umgesetzt werden, Menschen aus der Stadt den Anbau von Nahrungsmitteln wieder näher zu bringen.

4. Less too late – Mode mit sozialer Mission

Less too late, ein Modelabel mit sozialer Mission, ist das einzige Gewinner-Projekt, das nicht aus Freiburg kommt. Die beiden Schwestern Anna und Teresa Müller aus Köln haben sich trotz Entfernung für das Ökonauten-Programm beworben und die Jury von ihrer Idee überzeugt. Anfang 2016 haben sie Less too late gegründet und ihre Website ist bereits mit einer kleinen Preview-Kollektion online. Ihre Vision: "zeitlose, tragbare Statements und sozial-ökologische Mode zu kreieren, die nachhaltig etwas für Mensch und Umwelt bewirken". Hinter der Idee steht die Frage: Wie kann man wirkungsvolle Non-Profit-Projekte unterstützen und auf ihre Anliegen aufmerksam machen? Mit dem Medium Mode wollen Anna und Teresa zukünftig die Botschaften von anderen sozialen und nachhaltigen Initiativen in die Welt tragen. So wollen sie z.B. mit ihrem "Bee-Shirt" auf die Bedrohung der Wildbienen hinweisen. Den Erlös der verkauften Kleidung wollen sie anschließend ausgewählten Organisationen spenden.

5. ekoneo – Günstiges Einkaufen für gemeinnützige Organisationen

Die Online-Plattform ekoneo bietet einen vergünstigten Einkauf für gemeinnützige Organisationen. Diese können sich auf ekoneo kostenlos registrieren und dann über die Website Preisnachlässe bei Unternehmen erhalten, zum Beispiel aus Bereichen wie Bürobedarf, Druck, Versicherungen, Kommunikation oder Energie. Den beteiligten Unternehmen bietet ekoneo einen einfachen und innovativen Weg sich gesellschaftlich zu engagieren – durch Preisnachlässe unterstützen sie effektiv gemeinnützige Organisationen und stärken dadurch ihre CSR. Ekoneo schafft also für alle Beteiligten eine "Win-Win-Situation" erklärt Mitbegründer Benedikt Boll (Freibug), der mit seinem Partner Mario Kümmel (Berlin) deutschlandweit Preisnachlässe verhandelt. An der Idee haben die beiden bereits seit 2014 gearbeitet, seit Oktober 2016 ist ekoneo online. "Wir haben mehr Arbeit als zwei Personen schaffen können", erzählt Benedikt. Von dem Ökonauten-Programm erhoffen sie sich Hilfe für den Finanzplan und beim Aufbau von strategischen Partnerschaften. Ziel des Startups ist es, gemeinnützige und ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen sowie nachhaltiges Wirtschaften zu fördern. 



Ob verpackungsfreies Einkaufen, regionale Fleischproduktion, stadtnaher Gemüsegartenanbau, Mode mit sozialer Mission oder die Reglung von Preisnachlässen für gemeinnützige Organisationen – die fünf gewählten Ökonauten-Teams wollen zurück zu einer ursprünglicher Produktion und bewusstem Konsum, hin zu einer besseren Gesellschaft. Manche hier in Freiburg, manche aber auch deutschlandweit.