Finderlohn

Freiburger Musikerin sucht Bratsche, die sie im Zug vergessen hat

Simone Lutz

Eine Musikerin des Freiburger Barockorchesters ist auf der Suche nach ihrer Bratsche, die im Regionalexpress verlorenging.

Diesen einen Donnerstag wird die Musikerin des weltbekannten Freiburger Barockorchesters nie vergessen. Am Donnerstag, 4. Januar, hat sie ihre Bratsche im Regionalexpress RE 17026 von Basel nach Offenburg liegen lassen und trotz aller Bemühungen nicht mehr gefunden. Seither ist sie auf der Suche und hofft auf ein Wunder.


"Seit 25 Jahren begleitet mich diese Barockbratsche überall hin, auf der ganzen Welt", sagt die Musikerin und schüttelt den Kopf. Ein Moment der Unachtsamkeit: Am 4. Januar, erzählt sie, war sie kurz nach 17 Uhr in Freiburg in den RE 17026 ein- und in Lahr ausgestiegen. Auf dem Weg aus dem Bahnhofsgebäude stoppte sie jäh: die Bratsche! Sie hatte ihr Instrument in der hohen und schlecht einsehbaren Gepäckablage eines Dreierabteils deponiert und vergessen.

Niemand hatte die Bratsche gefunden, niemand abgegeben

Der Zug war schon fort. Sie organisierte ein Auto und raste mit klopfendem Herzen nach Offenburg. Dort war der Regionalexpress bereits auf dem Weg in die Schweiz. Sie alarmierte einen Bahnmitarbeiter in Basel, er versprach, am Badischen Bahnhof auf den Zug zu warten und im Gepäckfach nachzuschauen.

Doch es war ausgerechnet der Donnerstag, an dem ein Gefahrgutunfall in Weil am Rhein für stundenlange Sperrungen auf der Rheintalbahn sorgte. Nichts ging mehr. Die Musikerin verbrachte Stunden am Telefon, im Kontakt mit der Deutschen Bahn. Niemand hatte die Bratsche gefunden, niemand abgegeben. Züge waren hin- und hergeschickt worden, Wagen umrangiert, Zielbahnhöfe hatten sich verändert. Um 5.45 Uhr am nächsten Morgen stand fest: Der Regionalexpress hatte Basel nicht erreicht, und die Bratsche war weg.

Anzeige bei der Bundespolizei erstattet

"Dieses Instrument ist meine musikalische Existenzgrundlage", sagt die Musikerin. Sie hat nach dem ersten Schock alle Geigenbauerverbände und sonstige Experten angeschrieben oder per Facebook informiert. Die Bratsche ist in einem warmen Rotbraun lackiert, schrieb sie, sie befand sich in einem schwarzen Kasten der Marke Riboni mit silberfarbener Außen-Notentasche und schwarzen Trageriemen; im Kasten waren auch drei Bögen. Auch Brille, Noten, Saiten im Kasten seien mit der Bratsche verschwunden.

Sie sei über jeden Hinweis dankbar. Bei der Bundespolizei, die für die Deutsche Bahn zuständig ist, hat die Musikerin Anzeige erstattet, außerdem will sie Flyer an Bahnhöfen verteilen. "Ich hoffe, dass die Person, die die Bratsche gefunden hat, sie mir zurückgibt", so die Musikerin. Sie will die Hoffnung behalten. Sie verspricht jedem einen hohen Finderlohn, der ihr die Bratsche zurückbringt, will auch keine Fragen stellen. Sie möchte nur ihr Instrument zurück: "Für mich ist es unersetzbar."

Hoffnung machte ihr ein Geigenbauer. Dem kam vor 15 Jahren seine Geige abhanden. Irgendjemand hatte sie mitgenommen und lange unangetastet aufbewahrt, bis er sie in den Müll werfen wollte. Eine Musikerin bekam das zufällig mit, nahm die Geige an sich und brachte sie zum Reinigen in die Werkstatt – in die des ursprünglichen Besitzers. Er erkannte sein Instrument sofort wieder. Die Musikerin des Freiburger Barockorchesters hofft nun auf ähnliches Glück, nur viel schneller.
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