Fall Maria Ladenburger

Freiburger Mordprozess: Gericht spricht Höchststrafe für Hussein K. aus

Carolin Buchheim

Das Landgericht Freiburg verhängt die höchstmögliche Strafe: Der im Mordprozess Maria Ladenburger angeklagte Hussein K. muss lebenslang in Haft. Er wurde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt.

Das Wichtigste:
  • Hussein K. wurde des Mordes und der besonders schweren Vergewaltigung für schuldig befunden. Die Kammer sah das Mordmerkmal der Verdeckung für erfüllt.
  • Seine Strafe ist lebenslange Haft. Weil das Gericht die besondere Schwere der Schuld festgestellt hat, wurde, kann er frühestens nach 15 Jahren freigelassen werden, sofern dann keine Gefahr mehr für die Öffentlichkeit ausgeht.
  • Die Anordnung der Sicherungsverwahrung wurde vorbehalten.
  • K. wurde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Das Gericht schätzt ihn als zur Tatzeit klar über 18, aber nicht sicher ausschließend über 21 ein und wertete ihn somit als Heranwachsenden. Hussein K.s Verteidiger Sebastian Glathe kündigte an, die Revision des Urteils zu beantragen.

11:00 Uhr: Zur Urteilsverkündung ist viel los im Landgericht Freiburg: Der Andrang an Zuschauern und Medienvertretern ist groß. Um 8 Uhr steht eine lange Schlange an Zuschauern in der Salzstraße – allerdings deutlich weniger als beim Prozessauftakt im September. Im Publikum sitzt auch Soko-Chef David Müller, der die Ermittlungen in diesem Fall geleitet hat. Die Eltern von Maria Ladenburger sind – wie an allen Tagen im Prozess nicht gekommen, sondern lassen ihre Interessen durch ihren Anwalt Bernhard Kramer wahrnehmen.
Namensnennung

Die Badische Zeitung nennt üblicherweise bei Verbrechen keine Namen von Tätern, ganz zu schweigen von Tatverdächtigen, sie nennt aus Respekt vor den Opfern und deren Angehörigen aber auch keine vollständigen Namen der Opfer. Daher wurde im Mordfall an der Dreisam bislang stets der Name der getöteten Studentin mit Maria L. angegeben. Nun haben deren Eltern und Geschwister in Zusammenarbeit mit der Universität Freiburg eine Stiftung eingerichtet, die auch ein Vermächtnis ist. Sie haben dieser in Erinnerung den Namen Maria-Ladenburger-Stiftung gegeben. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, den Namen des Mordopfers zu nennen.

Ohne großes Vorgeplänkel beginnt die Urteilsverkündung im Mordprozess gegen Hussein K. Die Vorsitzende Richterin beginnt: "Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil." Hussein K. ist des Mordes und der besonders schweren Vergewaltigung schuldig. Seine Strafe ist lebenslange Haft, die besondere Schwere der Schuld wird festgestellt. Die Anordnung der Sicherungsverwahrung wird vorbehalten. Als Mordmerkmal wird die Verdeckung der Sexualstraftat angenommen.

Bei der Tat habe der Angeklagte das 18. Lebensjahr sicher vollendet, das 21. jedoch nicht sicher vollendet. Das Gericht habe keine Entwicklungsverzögerungen feststellen können. "Daher wurde Erwachsenenstrafrecht angewendet." Da keine Wiedereingliederung zu erwarten sei, lautet die Strafe lebenslang.

"Nach allem, was wir heute wissen, hätte kein Gesetz, keine bessere Ausstattung der Polizei, keine andere Betreuung des Angeklagten diese Tat verhindert." Vorsitzende Richterin Kathrin Schenk
"Der Prozess wurde von allerlei Stör- und Hintergrundgeräuschen begleitet", sagt Richterin Schenk und spricht über die Politisierung des Mordes von Maria Ladenburger. "Nach allem, was wir heute wissen, hätte kein Gesetz, keine bessere Ausstattung der Polizei, keine andere Betreuung des Angeklagten diese Tat verhindert." Die Tat sei nicht von einem Ausländer, einem Flüchtling, einem unbegleiteten minderjährigen Flüchtling, einem Mann verübt worden – sondern von einem Menschen. "Von Ihnen, Herr K." sagt sie in Richtung des Angeklagten. Es sei die einzige Aufgabe des Verfahrens gewesen, wie in jedem anderen Strafverfahren, die Tat und die Schuld des Angeklagten zu klären und zu ahnden.

"Was wissen wir also nach der Beweisaufnahme?", setzt die Richterin fort und spricht wieder in Richtung von Hussein K.: "Letztlich sind Sie uns ein Rätsel geblieben." Geburtsdatum und -ort des Angeklagten seien unklar geblieben. Trotz guter Voraussetzungen sei er zu der Person geworden, die Maria Ladenburger ermordet habe. Richterin Schenk umreißt noch mal die biographischen Fakten über den Angeklagten, beschreibt dann noch einmal den Fall auf Korfu: wie Hussein K. Spiridoula C. angriff und etwa zehn Meter eine Klippe hinab warf. Dann fasst sie noch einmal seine Verurteilung und Haft in Griechenland zusammen und seine Freilassung, auf die die Flucht nach Deutschland folgte.



Dann kommt Richterin Schenk zu den Tatfeststellungen der Kammer zum Mord an Maria Ladenburger. Schenk beschreibt den Tatabend, das Treffen von K. mit seinen Freunden am Seepark. "Dort konsumierte er maximal eine Flasche Wodka und einen Joint", sagt die Richterin. Schenk beschreibt noch einmal knapp den Besuch in der Sonderbar, Hussein K.s Fahrt mit der Tram der Linie 1 Richtung Littenweiler und den Weg von K. an die Dreisam "Ab circa 2.35 Uhr verweilte er auf Höhe der Nordtribüne an der Dreisam", sagt Schenk. "Die Kammer hält es für wahrscheinlich, dass sich der Angeklagte im Bereich des Uferwegs aufhielt, um einer Frau aufzulauern." Es könne jedoch nicht ausgeschlossen sein, dass K. erst entschieden habe, Maria Ladenburger zu überfallen, als er sie gesehen habe.

K. habe das Fahrrad gepackt, die 19-Jährige überwältigt. "Sie war überrumpelt, hatte nicht mit einem Angriff gerechnet." Richterin Schenk beschreibt die Tat, Hussein K.s Würgen von Maria Ladenburger mit Händen und Schal und das Sexualdelikt im tieferen Uferbereich der Dreisam. "Unmittelbar nach den sexuellen Übergriffen verbrachte der Angeklagte die weiterhin bei fehlendem Bewusstsein aber vorhandener Atmung noch lebende Maria Ladenburger in den Fluss Dreisam, wo er sie derart mit Mund- und Nasenöffnung unter Wasser in den Fluss legte, dass sie durch Ertrinken verstarb." Sein Ziel sei es gewesen, die Sexualstraftat zu verdecken.

Bei dieser Tat sei die Einsichtsfähigkeit K.s durch Alkohol- und Drogenkonsum nicht maßgeblich beeinträchtigt gewesen. "Woher wissen wir das?", fragt Richterin Schenk und kommt zur Beweiswürdigung. Der Angeklagte selbst habe den groben Tatablauf eingeräumt, rechtsmedizinische Befunde hätten mit seiner Einlassung im Einklang gestanden, auch die Daten des Handys hätten zumindest nicht im Widerspruch zu seinen Einlassungen gestanden.

"Die Kammer hatte mit Ihnen einen Angeklagten vor sich, der sich nur taktisch einließ", sagt Schenk. "Sie waren bemüht, einen Sachverhalt ohne Mordmerkmale und ohne Vergewaltigung zu schildern." Schenk beschreibt noch einmal K.s Einlassung, den Tritt gegen das Rad, ohne zu wissen, ob es von einer Frau oder einem Mann gefahren würde, das Würgen, weil sie geschrien habe. "Doch diese Einlassung wurde widerlegt," sagt sie. Rechtsmedizinische Befunde, die Spuren am Rad, sprächen eine andere Sprache. "Die Kammer ist auch davon überzeugt, dass der Angriff aus einer sexuellen Motivation begangen wurde", sagt Schenk. Bei den guten Sichtverhältnissen in der Nacht habe der Angeklagte mehrere Sekunden lang Maria Ladenburger als Frau erkennen können. "Seine Einlassung, er habe sie einfach so angegriffen", sei nicht haltbar. K. habe sich außerdem in der Tatnacht zuvor mehrere Frauen sexuell genähert.

"Es handelt sich bei der Tat um keine Affekttat." Vorsitzende Richterin Schenk
Schwieriger sei für die Kammer die Frage gewesen, wann K. den Entschluss zur Tötung von Maria L. gefasst habe; dabei sei es auf die naturgemäß besonders schwierig feststellbare subjektive Vorstellung des Angeklagten angekommen. "Die Kammer ist zunächst davon überzeugt, dass er beim Verbringen von Maria Ladenburger in die Dreisam überzeugt war, dass sie im Fluss ertrinken würde", sagt. Weil wenig Wasser in der Dreisam gewesen sei, sei es ausgeschlossen gewesen, dass das Gesicht von Maria L. etwa durch das fließende Wasser unter Wasser gedrückt worden sei. Dann spricht sie über das Würgen: Es sei nicht ausgeschlossen, dass K. sein Opfer nur gewürgt habe, damit sie bewusstlos wird. "Insgesamt konnte ein bedingter Todesvorsatz beim Würgen nicht festgestellt werden."

"Es handelt sich bei der Tat um keine Affekttat", erklärt Schenk dann, die Frage nach dem Affekt hätten vor allem juristische Laien immer wieder thematisiert. Auch K.s Einlassung beschreibe keine Affekttat. "Für einen Affekt wäre zunächst eine besondere Gefühlsregung wie etwa Wut notwendig." Diese jedoch habe K. nicht beschrieben, auch eine Beziehung zwischen Täter und Opfer läge nicht vor. "Bei der Tat handelt es sich um ein mehraktiges, zielhaftes Geschehen", fasst sie zusammen. Die körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit des Angeklagten könne schon allein deshalb nicht besonders groß eingeschränkt gewesen sein.

Dann kommt sie zur Dauer des Verfahrens zu sprechen. "Ursache war nicht das Einlassungsverhalten des Angeklagten", sagt Richterin Schenk. Das sei vielmehr typisch für einen Schwurgerichtsprozess gewesen. Ursache der Verzögerung seien die erst nach Beginn der Hauptverhandlung erfolgte Auswertung des Handys und das noch laufende Berufungsverfahren in Griechenland gewesen.

Richterin Schenk fasst schließlich noch die Feststellungen der Kammer zur Tat in Griechenland zusammen. K. habe die Tat eingeräumt, auch wenn er sie als "Schubser" bezeichnet habe. Deswegen könne etwa die Rechtmäßigkeit der Gegenüberstellung nach der Tat im Krankenhaus außer Acht gelassen werden. Er habe bei dem Wurf von Spiridoula K. über die Brüstung der Promenade nicht ausschließen können, dass sie sich dabei tödliche Verletzungen zuziehen könne. Eine sexuelle Motivation bei dieser Tat nimmt die Kammer nicht an. Es sei verständlich, dass Spiridoula C. diese Vermutung außerhalb einer förmlichen Vernehmung vier Jahre nach der Tat in Kenntnis der Tat in Freiburg gemacht habe. K. habe nicht unmittelbar nach der Tat nach ihr gesucht – auch das spreche gegen einen unmittelbaren sexuellen Hintergrund der Tat.

Dann spricht Richterin Schenk Hussein K. direkt an: "In einem Punkt sind Ihre biographischen Angaben widerlegt, in Bezug auf den Tod Ihres Vaters." Das Telefonat und K.s digitale Kommunikation hätten das belegt. "Weitere belastbare Feststellungen zu Ihrer Person und Ihrer Kindheit wusste die Kammer nicht zu treffen."

"Es bleiben Zweifel, ob die Methode mit einer Validität ausgereift ist, wie sie für ein Strafverfahren nötig ist." Vorsitzende Richterin Schenk
Die Vorsitzende Richterin kommt auf das Thema Alter zu sprechen. "Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte zum Tatzeitpunkt das 18. Lebensjahr sicher vollendet hatte, konnte aber zu seinen Gunsten nicht ausschließen, dass er das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte." Die beiden Altersgutachten hätten ein Alter "über 21" und von "22 bis 23" ergeben. Das letztere Gutachten des Gutachters Schmeling habe lediglich eine Sicherheit von 50 Prozent gehabt – und sei somit für ein Verfahren so hilfreich wie "ein Münzwurf". Die Methode von Gutachterin Wittwer-Backofen sei verführerisch eindeutig. Eine Validationsstudie zur Methode habe dazu jedoch nie stattgefunden; Wittwer-Backofens Studie sei lediglich eine Evaluationsstudie. In Bezug auf den vom Angeklagten vorliegenden Zahn habe es in der Studie wohl Alters-Überschätzungen gegeben, auch fehle ausreichend Forschung zu Menschen unterschiedlicher Ethnien. "Es bleiben Zweifel, ob die Methode mit einer Validität ausgereift ist, wie sie für ein Strafverfahren nötig ist", sagt Schenk.

Die eigenen Angaben des Angeklagten gegenüber Freunden und Bekannten seien jeweils völlig unterschiedlich gewesen und hätten eine Zeitspanne von mehr als zehn Jahren beinhaltet. "Sie zeigen nur eins: Dass der Angeklagte auch gegenüber seinen Freunden und Bekannten völlig willkürliche Angaben über sein Alter gemacht hat." Das sei auch bei anderen biographischen Angaben so gewesen. "Es erscheint keineswegs außergewöhnlich sondern vielmehr nachvollziehbar, dass die Mitarbeiter des Jugendamtes seinen Angaben glaubten und Minderjährigkeit annahmen", sagt Schenk. Diese hätten keine andere Möglichkeiten der Altersbestimmung gehabt.

Richterin Schenk spricht dann über das Telefonat mit dem mutmaßlichen Vater von Hussein K. und erklärt, dass dessen Inhalt sowieso nicht in das Verfahren eingeführt werden konnte, weil die Person am anderen Ende der Leitung von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte.

"Die Kammer kam zu der Erkenntnis, dass das bei Ihnen, Herr K., nicht gegeben ist." Die Richterin zur Wandelbarkeit Hussein K.s
"Wie sind die Feststellungen rechtlich zu würdigen?", fragt Schenk. "Er hat sich des Mordes in Tateinheit mit besonders schwerer Vergewaltigung strafbar gemacht." Das Mordmerkmal der Verdeckung sei erfüllt gewesen: Die Straftat, die verdeckt werden sollte, war die tateinheitliche Vergewaltigung. Der verwendete Schal sei ein gefährliches Werkzeug gewesen.

Dann kommt sie auf die Strafe zu sprechen. Jugendstrafrecht sei anwendbar, wenn jemand noch präg- und wandelbar sei. "Die Kammer kam zu der Erkenntnis, dass das bei Ihnen, Herr K., nicht gegeben ist", sagt Schenk. Schenk fasst noch einmal Zeugenaussagen zusammen, die K. als verantwortungsbewusst und eigenständig beschrieben. Diese "Ich-Stärke" sei sicherlich auch durch die Flucht bedingt. "Sie gingen jedoch deutlich darüber hinaus." K. habe sich etwa bewusst nicht näher in die Familie seiner Pflegeeltern integrieren wollen und ein Praktikum so gut absolviert, dass ein Ausbildungsplatz in Aussicht gewesen sei. Unter seinen Freunden sei er eigenständig aufgetreten. "In der Gesamtschau waren Sie, Herr K., zum Tatzeitpunkt in der Entwicklung nicht zurückgeblieben, sondern Ihren Altersgenossen eher voraus."

Die Strafe sei daher die lebenslange Haft. Eine Wiedereingliederung halte die Kammer für so gut wie ausgeschlossen. Dass etwa Therapieangebote in der Haft zu Veränderungen von K.s Persönlichkeit führen können, sei nicht zu erwarten. "Die Erfolgsaussichten therapeutischer Angebote seien schwer einzuschätzen", zitiert Schenk den psychiatrischen Gutachter Pleines. Zwar spreche K. gut Deutsch und sei anpassungsfähig – eigentlich gute Eigenschaften. Diese ermöglichten ihm jedoch auch taktisches Handeln in einer Therapie und stünden einer authentischen Auseinandersetzung im Wege. "Es besteht die Gefahr, so der Sachverständige, dass alle Behandlungsversuche letztlich ins Leere laufen, weil Sie keinen Zugang zu sich selbst finden können oder wollen." K. habe zwar in seinem letzten Wort die Bereitschaft zu einer Drogentherapie geäußert. "Drogen sind nicht Ihr Problem. Sie waren nicht die Ursache, warum Sie Maria Ladenburger ermordet haben", sagt Schenk. Stattdessen müsse er sich mit seiner Persönlichkeit beschäftigen, das sei erfahrungsgemäß deutlich schwieriger.

Schenk spricht über die Schwere der Schuld. Diese sei anzuordnen, wenn es sich "nicht um einen gewöhnlichen Mord" handelt. "Was macht diesen Mord ungewöhnlich?" fragt Schenk. "Jeden Tag werden hier vor manchmal leeren Bänken ähnliche Fälle verhandelt. Was unterscheidet diesen Fall, was macht ihn so anders?" Alleine die große Aufmerksamkeit sei es natürlich nicht. Die Gründe seien im Angeklagten zu suchen. Für den Angeklagten spräche etwa seine Einlassung, seine Entschuldigung bei der Familie Ladenburger, sein Alter und seine Haftempfindlichkeit. "Was die Tat von anderen abhebt, ist dass Sie 2013 eine von der Motivlage ganz ähnliche Tat begangen haben", sagt Schenk. Er sei zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt worden. "Davon haben Sie sich nicht beeindrucken lassen." Unter besten Lebensbedingungen habe er nach nur einem Jahr in Freiheit eine schwerere Tat begangen. K. habe sich nicht mit der Tat beschäftigt, eigene Verhinderungsmaßnahmen ergriffen oder etwa mit Therapeuten darüber gesprochen.

"Es liegt letztendlich an Ihnen, ob Sie sich eine Perspektive erarbeiten. Die Erfolgsaussichten sind gering, gleichwohl wünsche ich Ihnen, dass Ihnen das in vielen Jahren gelingen wird." Schenk zu Hussein K.
Schließlich spricht sie über den Vorbehalt der Anordnung der Sicherungsverwahrung. "Die Anordnung der Sicherungsverwahrung ist bei Heranwachsenden nicht möglich", sagt Schenk. Es sei keinesfalls so, wie gemeinhin von der Öffentlichkeit angenommen, dass eine lebenslange Freiheitsstrafe nur 15 Jahre dauere. "Sie kann nur dann zur Bewährung ausgesetzt werden, wenn die Person nicht mehr gefährlich ist."

Der Angeklagte erhalte beim Vorbehalt der Anordnung der Sicherungsverwahrung, anders als bei der Verurteilung zu lediglich einer lebenslangen Freiheitsstrafe, den Anspruch auf therapeutische Maßnahmen. Das sei hier sinnvoll. K. sei für die Allgemeinheit andauernd gefährlich, es bestehe nur eine vage Hoffnung, dass seine Persönlichkeit sich durch therapeutische Maßnahmen maßgeblich verändern lassen würde. Für Frauen und Unbeteiligte bestünde auch in Zukunft eine hohe Gefahr von ähnlichen Delikten. "Es liegt letztendlich an Ihnen, ob Sie sich eine Perspektive erarbeiten," sagt Schenk. "Die Erfolgsaussichten sind gering, gleichwohl wünsche ich Ihnen, dass Ihnen das in vielen Jahren gelingen wird." K. sitzt während dieser Worte, wie während der gesamten Urteilsverkündung mit vorgebeugt, mit tief gesenktem Kopf auf seinem Platz, schaut nicht auf.

"Herr K., Sie können gegen dieses Urteil Rechtsmittel einlegen", erklärt sie dem Angeklagten. "Die Revision kann binnen einer Woche nach Verkündigung eingelegt werden." Der Haftbefehl gegen K. wird aufrechterhalten. "Damit ist die Sitzung geschlossen." Im Publikum klatschen einzelne Zuschauer.
Revision

Der Verurteilte hat eine Woche lang die Möglichkeit, Revision einzulegen. Hussein K.s Anwalt Sebastian Glathe kündigte an, dies auf jeden Fall tun zu wollen. Zum Mittel der Revision wird nicht immer, aber häufig in Strafverfahren gegriffen. Dabei muss der Verteidiger formale Gründe benennen – das schriftliche Urteil, das derzeit noch nicht vorliegt, wird dann vom Bundesgerichtshof (BGH) als zuständiger Instanz auf mögliche Rechtsfehler geprüft. Verteidiger Glathe deutete nach der Urteilsverkündung an, dass er die seiner Meinung nach durch Alkohol- und Drogenkonsum verminderte Schuldfähigkeit (§ 21 StGB), die strafmildernd wirkt, in dem Urteil nicht ausreichend vom Gericht gewürdigt sieht. Sollte der BGH die Revision zulassen, müsste der Prozess vor einer anderen Strafkammer am Landgericht Freiburg neu verhandelt werden. (Frank Zimmermann)

Das Urteil in Kürze

9.35 Uhr: Hussein K. ist des Mordes und der besonders schweren Vergewaltigung an Maria Ladenburger schuldig gesprochen worden. Die Jugendschutzkammer am Landgericht Freiburg geht davon aus, dass er die Tötung der jungen Frau im Oktober 2016 zur Verdeckung einer Straftat – der Vergewaltigung – durchgeführt hat. Seine Strafe ist lebenslange Haft. Das Gericht stellt außerdem die besondere Schwere der Schuld fest – das heißt K. kann frühestens nach 15 Jahren Haft freigelassen werden. Außerdem wurde die Anordnung der Sicherungsverwahrung vorbehalten – das heißt vor einem Haftende wird geprüft, ob K. weiterhin gefährlich ist. Nach dem Urteilsspruch klatschte das Publikum im vollbesetzten Gerichtssaal.
Vorschau auf die Urteilsverkündung

17 Monate nach dem Tod von Maria Ladenburger wird am heutigen Donnerstag im Mordprozess gegen Hussein K. das Urteil gesprochen. Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses die Tat gestanden – allerdings nicht dem Umfang der Anklage entsprechend.

Staatsanwalt Eckart Berger hatte in seinem Schlussvortrag die Verurteilung des wohl aus dem Iran stammenden jungen Mannes, der zur Tatzeit als vermeintlich minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan in Freiburg lebte, wegen Mordes beantragt sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und die Anordnung von Sicherungsverwahrung gefordert. Nebenklagevertreter Bernhard Kramer, der im Prozess die Eltern von Maria Ladenburger vertrat, hatte sich diesem Antrag angeschlossen.

Hussein K.s Verteidiger Sebastian Glathe argumentierte in seinem Plädoyer gegen eine Anordnung der Sicherungsverwahrung.

Einen Tag vor der Urteilsverkündung gab die Universität Freiburg in einer Pressemitteilung bekannt, dass die Eltern und Schwestern von Maria Ladenburger zusammen mit dem Verband der Freunde der Universität eine Stiftung in ihrem Namen gegründet haben. Diese soll Studierende der Universität Freiburg, insbesondere der Medizinischen Fakultät, unterstützen. Explizit sollen auch ausländische Studierende bei deren Integration in das universitäre Umfeld unterstützt werden.

Übersicht: Der Prozess gegen Hussein K.


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