#fairesPJ

Freiburger Medizinstudierende drehen Musikvideo, um für ein faires PJ zu kämpfen

Sarah Metzger

Mit dem Musikvideo "Mein PJ wird mir versaut" wollen Freiburger Medizinstudierende auf die teils prekären Bedingungen für angehende Ärztinnen und Ärzte im Praktischen Jahr aufmerksam machen.

"Mein PJ wird mir versaut! Mein PJ, das ist nicht meines!" – zur Melodie des Prinzen-Klassikers "Alles nur geklaut" ziehen Medizinstudierende durch die Universitätsklinik, die weiße Dienstkleidung wird mit Farbpulver im wahrsten Sinne des Wortes versaut.


Das Praktische Jahr, kurz PJ, bildet den Abschluss des Medizinstudiums. Es soll dazu dienen, im Studium erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten durch die praktische Anwendung zu vertiefen, und damit auf den Arztberuf vorbereiten.

Nur Routinearbeiten

Viele Studierende aber beklagen, dass das PJ diesem Anspruch nicht gerecht wird: so würden PJlerInnen häufig als Stationshilfen missbraucht und vor allem Routinetätigkeiten wie Blutabnahmen durchführen, anstatt relevante Krankheitsfälle zu sehen und nötige Kompetenzen für das spätere, eigenverantwortliche Handeln am Patienten zu lernen. Außerdem fehle es oft schon an Basics, wie einem Zugang zu Patientenakten oder einem Spind und Dienstkleidung.



Um das PJ zu verbessern und gegen solche Missstände vorzugehen, hat die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) eine Petition unter dem Motto #fairesPJ gestartet, für die auch das Video der Freiburger Studierenden wirbt.

"Kurz vor Weihnachten hat uns als Fachschaft die Frage erreicht, ob wir zum PJ-Aktionstag im Januar Etwas machen wollen", erklärt die Vorsitzende der Offenen Fachschaft Medizin, Meret Quante. Die Wahl fiel schnell auf den Prinzen-Song. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit Videos deutlich mehr Menschen erreicht, als wenn man das Ganze nur in Textform verbreitet", ergänzt Johannes Jahn, der das Video produziert hat. Mit der Veröffentlichung zum Aktionstag am 18. Januar hat es zwar nicht geklappt, weil noch nötige Lizenzen eingeholt werden mussten, doch dafür fällt das Video nun in den Endspurt der Petition.

Zwei Freiburger Medizinstudenten schrieben einen neuen Text, es wurde ein Drehbuch konzipiert, und innerhalb eines Tages alle Szenen gedreht. Der Autodidakt Jahn ist bei der Fachschaft unter anderem für Fotografie und Film zuständig, und hat schon in der Vergangenheit mehrfach Filme für die Fachschaft Medizin und die bvmd gedreht – zum Beispiel zu den Medimeisterschaften.

Für Quante ist ein entscheidender Aspekt der Petition die Finanzierung des PJs. Die Studierenden arbeiten in der Regel Vollzeit, werden dafür aber an vielen Krankenhäusern gar nicht oder nur mit einer geringen Aufwandsentschädigung bezahlt. "Mit 250 Euro kommt man aber natürlich nicht über die Runden", so die Fachschaftsvorsitzende. Tatsächlich haben viele Studierende neben der 40-Stunden-Woche noch Nebenjobs. Die Petition der bvmd fordert deshalb, PJ-Studierende einheitlich nach dem Bafög-Höchstsatz zu entlohnen.

Die Qualität schwankt von Klinik zu Klinik

Außerdem wichtig für Quante: echte Lehre. Dazu gehört wöchentlicher Unterricht und Anleitung für PJ-Studierende, aber auch ausreichend Zeit für das Selbststudium, Ende des praktischen Jahres steht für die Medizinerinnen und Mediziner noch der dritte Abschnitt der ärztlichen Prüfung an.

Johannes Jahn bemängelt vor allem, dass die Qualität des PJs von Klinik zu Klinik stark schwankt. Er wünscht sich einheitliche Standards und findet, Deutschland kann auch von anderen Ländern lernen: In der Schweiz machte er die Erfahrung, dass er viel mehr als vollwertiges Teammitglied gesehen wurde. Er erhielt zum Beispiel zu Beginn seines Praktikums einen eigenen Zugang zum Patientenverwaltungssystem und konnte so selbstständiger Erfahrungen sammeln.



Große Resonanz

Beide freuen sich deshalb über die große Resonanz auf das Video: Am Dienstag hat es schon über 10.000 Klicks, der zugehörige Facebook-Eintrag wurde vielfach geliked und geteilt. Auch die Petition der bvmd wurde bereits mehr als 100.000-mal unterzeichnet. Sie läuft noch bis Ende nächster Woche, anschließend sollen die Unterschriften unter anderem an das Gesundheitsministerium übergeben werden.

Die Freiburger Studierenden rund um Quante und Jahn hoffen, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für die Situation der PJlerinnen und PJler zu schaffen, und möchten mit Ihrem Video dazu beitragen, dass im Endspurt noch mehr Menschen die Petition für ein #fairesPJ unterzeichnen.

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