Freiburger Lungenfacharzt: Shishas und E-Shishas sind gefährlicher als Zigaretten

Kyra Leibham

Shisha und E-Shishas sind beliebt, vor allem bei Jugendlichen. Doch der Arzt Andreas Schäufele warnt vor dem Konsum. Am Mittwoch hält er dazu einen Vortrag. Fudder-Autorin Kyra Leibham hat mit ihm gesprochen.

Fudder: Wie unterscheiden sich E-Shishas, Wasserpfeifen und Zigaretten in ihrer Schädlichkeit für die Raucher?
Andreas Schäufele: Das kann noch nicht gesagt werden und genau das ist das Problem: Zurzeit findet ein Großversuch an der Bevölkerung statt. Was man sagen muss ist: Die echte Shisha ist viel schädlicher als allgemein angenommen wird. Das Hauptproblem bei der Shisha ist, dass beim Rauchvorgang sehr viel Kohlenstoffmonoxid eingeatmet wird. Es sind schon einige Unfälle bekannt, von jungen Leuten, die an einer Kohlenmonoxid Vergiftung erkrankt sind und knapp überlebt haben. So etwas passiert bei der E-Shisha nicht. Bei der Zigarette ziehen Sie mit dem Mund an und verdünnen dann mit einem Tiefen Lungenzug den Rauch mit frischer Luft. Bei der Shisha ziehen sie voll ein. Dadurch kann der Dampf einen wesentlich größeren Teil der Lunge belagern. Die Lunge wird beim Shisha rauchen also stärker belastet.


Fudder: Wie schädlich ist der Rauch von Wasserpfeifen und E-Shishas für Passivraucher, zum Beispiel für Kinder?
Schäufele: Was wir über die Folgen des Shisha-Rauchens wissen, basiert auf syrischen Studien, zu denen wir Zugang hatten, als syrische Internetquellen noch zugänglich waren. Die Ärzte dort haben sich intensiv mit den Folgen des Shisha-Rauchens beschäftigt, weil es ein großes gesundheitliches Problem darstellt.
Eine Studie wurde mit Hilfe von Lungenkrebspatienten durchgeführt. Wenn man Lungenkrebs entfernt, wird immer auch ein Stück gesunde Lunge entfernt. Diese gesunden Stücke wurden dann in Bezug auf das Rauchen untersucht. Die Patienten wurden gefragt, wie viel sie rauchen. Dann wurden diese gesunden Lungenteile miteinander verglichen. Daraus hat man dann erfahren, dass Shisha Raucher wesentlich mehr Dreck in den Lungen haben als Zigarettenraucher. Für Kinder ist das inhalieren des Shisha Dampfes also sicher nichts Gutes.
Das Rauchen von Shishas ist besonders beliebt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Fudder: Was sind die größten Gefahren speziell für diese Gruppe?
Schäufele: Meines Erachtens ist es so, dass vor allem die Eltern zu wenig Bescheid wissen. Ich erlebe es hier in der Praxis immer öfter, das eigentlich nichtrauchende Jugendliche von Eltern gestattet bekommen, in die Shisha-Bar zu gehen. Dass eine Shisha ein Gegenwert von 40 Zigaretten hat, ist wenig bekannt. Das sind im Schnitt sieben Zigaretten pro Tag.
Für Jugendliche ist sicher die Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung die größte Gefahr, wenn sie eine Wasserpfeife rauchen. Außerdem ist es die Einstiegstechnik für anderen Drogenkonsum wie zum Beispiel das Haschisch-Rauchen, weil es von der Technik her gleich ist.

Fudder: Unterscheiden sich die Suchtmerkmale von Zigaretten- und Shisha-Rauchern?
Schäufele: Das ist wohl der einzige Vorteil am Shisha-Rauchen. Das ist so ein aufwendiges Ritual, da kann man nicht mal eben das Feuerzeug rausholen und losrauchen. Meines Erachtens ist das Suchtpotenzial, solange nur Nikotin konsumiert wird, sehr gering. Bei den E-Shishas weiß man das nicht. Bei denen geht das ganz schnell, fast wie bei einer echten Zigarette. Ich vergleiche das gerne mit einem Dauerschnuller. Was E-Shishas angeht, sehe ich ein großes Suchtpotential.

Zur Person

Andreas Schäufele hat in Freiburg Medizin studiert und arbeitet seit 1994 in einer Freiburger Gemeinschaftspraxis als Lungenfacharzt. Beim Vortag am Mittwoch spricht er vor allem Jugendliche und ihre Eltern an. Er möchte sie auf die Risiken des Shisha- und E-Shisha-Rauchens aufmerksam machen und auch auf die hygienischen Gefahren hinweisen, die es zum Beispiel beim Rauchen einer Wasserpfeife in einem Café zu beachten gibt.


Was: Vortrag – Wasserpfeife- (E-Shisha-) Rauchen, Wellness für die Lunge?
Wann: Mittwoch, 26. Oktober 2016, 19 Uhr
Wo: Bürgerhaus am Seepark, Gerhard-Hauptmann-Str. 1, 79110 Freiburg