Freiburger in Hongkong (3): Ruta Correa

Kili

25 Jahre lang war Ruta Correa eine Institution in Freiburg. In ihrer Galerie in der Goethestrasse stellte die Kunstexpertin lateinamerikanische Malerei aus. Mittlerweile lebt die gebürtige Kolumbianerin in Hongkong und sagt: "Freiburg kommt mir jetzt sehr klein vor."



Ende 2006 entschlossen sich Ruta und Ehemann Eberhard, die Galerie zu schließen und ein Abenteuer der ganz anderen Art zu wagen: Sie zogen nach Hong Kong, wo Eberhard für einen Aluminiumproduzenten bis Februar 2008 das Südostasiengeschäft verantwortet.




Vor dem Umzug galt es allerdings erstmal die Galerie aufzulösen. Da sich über die Jahre diverse Werke verschiedener Künstler angesammelt hatten, war Ruta unter anderem damit beschäftigt, diese auf der ganzen Welt aufzutreiben. "Der ein oder andere Maler schien wie vom Erdboden verschluckt zu sein", erinnert sich Ruta, die sich in den letzten Tagen in Freiburg zum Profi in Sachen Einlagerung entwickelt hat.



Einige Bilder traten allerdings die 9000 Kilometer lange Reise nach Hongkong an und schmücken nun das Apartment im 125 Meter hohen Star Crest Tower. "Ich umgebe mich auch in der Fremde gerne mit den Bildern meiner eigenen Kultur", erklärt Ruta. Das Haus liegt mitten in Wan Chai, dem einst verruchten Rotlichtbezirk Hongkongs, der heute eine lebendige Mischung aus Bürotürmen, Wohnkomplexen, Restaurants, Kneipen und Einzelhandelsgeschäften beherbergt.



Die Produkte der vielen Einrichtungs- und Möbelläden in ihrer Nachbarschaft findet Ruta zwar „einfach nur schauerlich“, dafür hat es ihr die „King Tak Hong Porcelain Company“ besonders angetan. „Dieser Haushaltswarenladen ist eine wahre Fundgrube an Raritäten, aber auch an Brauchbarem“, schwärmt die Freiburgerin, für die sich das Leben radikal geändert hat.



Aus der professionellen Händlerin ist eine private Beobachterin geworden, aus der Gestalterin in der badischen Heimat eine Forscherin in der asiatischen Fremde. Rutas private Kontakte rekrutieren sich überwiegend aus der so genannten German Speaking Ladies Group. Bei aller Vereinsmeierei bietet diese Gruppe für die Freiburgerin die Möglichkeit, in Gesellschaft Ausflüge wie zu dem mit 26 Metern größten freistehenden Buddha der Welt auf der Insel Lantau zu unternehmen oder im altehrwürdigen Hong Kong Country Club zu dinieren.



Mit dem Thema Kunst hat sich Ruta nach anfänglicher Distanz auch in Hongkong beschäftigt. Die Stadt mag für seine Geschäftigkeit und Architektur berühmt sein, auf der Weltkarte der Kunst steht die Sonderverwaltungszone allerdings im Schatten der Volksrepublik China. Trotz des in Asien herrschenden Kunstbooms wirkt Hongkong diesbezüglich eher provinziell: „Grauenvoll“ findet Ruta die Galerien Hongkongs, die zwar zahlreich, aber wenig erwähnenswert seien.

„Es handelt sich überwiegend um Rahmengeschäfte, die auch Bilder verkaufen. Die Galeristen hängen hier mit wenigen Ausnahmen wie Kraut und Rüben!“ Als wohltuende Ausnahme hebt Ruta die Galerie Osage im Stadtteil Soho hervor, die sich für Hongkong ungewöhnlich experimentell gibt. Gründerin Agnes Lin hat zudem eine Stiftung ins Leben gerufen, die Kinder an Kunst heranführt und knüpft internationale Kontakte, um Barrieren zwischen den Kulturen abzubauen.



Und was wird aus der Galeristin Ruta Correa, wenn der Hongkong-Aufenthalt Ende Februar endet? „Freiburg kommt mir jetzt doch auf einmal sehr klein vor. Ich kann mir momentan schwer vorstellen, das ganze Jahr dort zu verbringen, werde die Stadt aber als Basis niemals aufgeben.“ Ehemann Eberhard freut sich jedenfalls darauf, den nahenden Ruhestand vor allem reisend zu verbringen.

Fotos:  Katja Gerstenmaier, Kilian Becker, China Photo Library, privat



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