Live-Reportage

Freiburger Fotografin zeigt ihre Indien-Bilder auf der Mundologia

Anja Bochtler

Bisher war sie nur als Besucherin bei der Mundologia – jetzt gehört Carlotta Huber dazu: Die junge Freiburger Fotografin präsentiert als Mundologia-Newcomerin 2019 ihre Reise nach Indien.

Sie freut sich darüber sehr: "Das ist für mich eine Ehre, bei der Mundologia sind viele große Fotografen." Ihr Vortrag "Indien – der Kampf gegen die Armut" zeigt Orte, die sonst nicht zu sehen sind.


Es gab immer wieder Situationen wie diese: Ein ungefähr zweijähriges Kind saß daumennuckelnd neben einer vielbefahrenen Straße auf dem Bürgersteig, mitten im Dreck. Zuerst dachte Carlotta Huber, dass das Kind allein sei, dann sah sie, dass ein kleines Stück weiter die Mutter mit einem kleinen Baby auf dem Boden lag und schlief. Da stand sie nun vor drei Menschen, die gar nichts hatten und in unvorstellbarer Armut lebten – und sie selbst hatte ihre teure Kamera im Arm und fühlte sich hilflos angesichts von so viel Elend. Einen Moment lang wusste sie nicht, was sie tun sollte: Fotografieren oder nicht?

Nach einem kurzen Konflikt mit sich selbst war sie sicher: Sie musste dieses Kind fotografieren, auch wenn sie es nicht um sein Einverständnis fragen konnte. Denn sie findet: "Die Menschen in Europa müssen sehen, wie dieses Kind lebt." Wann immer es ging, hat sie aber alle, die sie im Slum Dharavi in Mumbai fotografiert hat, vorher gefragt und ihnen Zeit gegeben, sich vorzubereiten. Die meisten hätten sehr offen auf sie reagiert, erzählt sie, überhaupt war sie überwältigt von der großen Gastfreundschaft der überwiegend sehr armen Menschen, die sie getroffen hat.

In den Weihnachtsferien 2016 war sie drei Wochen und im Herbst 2018 eine Woche in Indien unterwegs, die meiste Zeit in Dharavi, begleitet von ihrem Vater, dem Online-Redakteur Oliver Huber, und vor allem von den "Helpers of Mary", katholischen Ordensschwestern, die weltweit in Elendsvierteln mit den Menschen dort zusammenleben und sie unterstützen.

Auf die Idee, sich an die "Helpers of Mary" zu wenden, kam Carlotta Huber, weil der Gundelfinger Verein "Wasser ist Leben" mit den Schwestern zusammenarbeitet. Sie wollte Menschen an Orten aufnehmen, wo normalerweise kein Fotograf hinkommt. So ist sie Lepra-Kranken begegnet, HIV-Infizierten und Frauen, die sich aus Angst vor Vergewaltigung nachts nicht auf die öffentlichen Toiletten im Slum trauen – und andere gibt es nicht. Doch ihr ist es wichtig, nicht nur das Elend zu zeigen: "Inder lachen wahnsinnig viel." Immer wieder war sie beeindruckt von der positiven Lebenseinstellung und Freundlichkeit überall.

Mit 14.000 Fotos kam Carlotta Huber zurück nach Freiburg. Fotografieren ist für sie längst ein fester Bestandteil ihres Lebens: Als Sechsjährige hat sie die Kamera ihres Großvaters ausprobiert, als Elfjährige die ersten Online-Fotostrecken für die BZ gemacht. Damit ging’s immer weiter, bevorzugt in Schwarzweiß. Seitdem hat sie mehrmals Auszeichnungen bekommen.

Besonders oft hat sie sich auf menschenleere Plätze und Orte konzentriert, die sie früh morgens oder nachts besucht hat, wenn niemand unterwegs war. Seit ihrem Abitur arbeitet Carlotta Huber als Fotografin, allerdings nur vorübergehend: Ab Herbst will sie studieren, "Richtung Politik". Mit dem Fotografieren will sie auf jeden Fall weitermachen – aber als Hobby, nicht als Beruf.
Mundologia

Von heute, Freitag, bis Sonntag, 10. Februar, mit Vorträgen, Seminaren, Ausstellungen und einer Outdoor-, Reise- und Fotomesse im Konzerthaus, Konrad-Adenauer-Platz 1. Etliche der Vorträge (wie auch derjenige von Carlotta Huber am Samstagabend) sind bereits ausverkauft. Für die anderen gibt’s Karten beim BZ-Kartenservice, Kaiser-Joseph-Straße 229, und bei vielen anderen Vorverkaufsstellen – einen Überblick darüber, über die Vorträge und die Preise bietet die Homepage http://www.mundologia.de