Wort- und Bildspiele mit "Verkehr"

Freiburger Fahrschule buhlt mit schlüpfrigen Rechnungen um Aufmerksamkeit

Stefan Hupka

Eine Freiburger Fahrschule verschickt Rechnungen, auf denen Oralsex angedeutet wird. Eltern von Fahrschülern finden das irritierend, die Schule selbst gewitzt und der Branchenverband geschmacklos.

Offene Rechnungen sind kein schöner Anblick. Aber das ist es nicht, was Angelika M.* (Name geändert) stört, als sie im Mai diesen Brief öffnet. Er ist an ihre Tochter (17) adressiert, die gerade auf Austausch in USA weilt, und enthält die Rechnung einer Freiburger Fahrschule für eine Übungsfahrt im Pkw. Die Fahrstunde hat es gegeben, der Betrag ist korrekt – stutzig aber macht Frau M., wie das Schreiben dekoriert ist.


"Wo bist Du? Was machst Du? Wo verkehrst Du...", steht vorn oben auf dem Papier. Als sie es umdreht, sieht Frau M. ein Foto. Eine Frau mit Minirock und High Heels kniet auf einem Fliesenboden vor einem Mann, der die Hosen heruntergelassen hat. Was die beiden tun, ahnt man, aber sieht es nicht. Man sieht nur gerade so viel, wie man unter einer geschlossenen Toilettentür hindurch sehen kann. Betextet ist das Foto mit den Worten: "Mach was Du willst … aber der Verkehr ist unsere Sache!"

Angelika M. wundert sich. Was, fragt sie sich, hat ein solches Foto auf der Rechnung der Fahrschule meiner Tochter verloren? Soll der Kalauer mit dem Verkehr witzig sein? Will man lockere, tabulose Umgangsformen suggerieren, ein Skandälchen fabrizieren, damit der Name sich herumspricht? Frau M. vergewissert sich im Bekanntenkreis, dass sie mit den Fragen nicht allein ist, greift zum Telefon und ruft die Fahrschule an. "Was ich dort zu hören bekam", erzählt sie, "war im Wesentlichen, ich solle mich nicht so haben, abgebildet sei ein normales Sexualverhalten, und so verklemmt seien Jugendliche heutzutage nicht mehr, dass sie das anders sähen."

"Klar, man will natürlich auch ins Gespräch kommen." Beate Simon, Fahrschule am Tor

Verklemmt? Das möchten wir genau wissen. Anruf bei der "Fahrschule am Tor", mit vier Niederlassungen in Freiburg, zwei in Emmendingen sowie je einer in Breisach und Ihringen nicht gerade eine Klitsche. Beate Simon (55), eine von drei Geschäftsführern, sagt, man tausche die Motive hin und wieder aus, bestätigt aber, dass das Foto bei zwei Rechnungsdurchläufen im Frühjahr zum Einsatz kam. Sie verteidigt das Motiv. Zu sehen – oder doch zu erahnen – sei "ganz normaler Oralsex", bestätigt sie, "auf einer öffentlichen Toilette", sehr richtig erfasst.

"Es war meine Idee", sagt Frau Simon. Dann folgt eine ausdauernde Belehrung, wie "verklemmt" alles heutzutage wieder zugehe, dass weibliche Sexualität, "all das, wofür wir mal gekämpft haben", wieder total verdrängt werde, dass sich vor 30 Jahren darüber niemand aufgeregt hätte und dass Szenen wie die abgebildete den Minderjährigen ja längst vertraut seien. Eine Frage noch, Frau Simon: Wenn schon Libertinage-Feldzug, warum ausgerechnet per Rechnung? "Klar", bestätigt Frau Simon, "man will natürlich auch ins Gespräch kommen."

Die Kommentare im Netz changieren zwischen "Ihr seid geil, richtig gut" über "voll daneben" bis "da weiß die Fahrschülerin doch gleich, was der Fahrlehrer von ihr erwartet, um erfolgreich durchzukommen". Eine Facebook-Nutzerin findet’s "einfach nur eklig".

Und was sagt die Branche? Anruf bei Rainer Zeltwanger vom Bundesverband der Fahrschulunternehmen (BDFU) in Stuttgart. "Unglaublich geschmacklos und instinktlos" findet der 62-Jährige die Reklame. "Das ist nicht nur sexistisch, sondern auch wirtschaftlich total bescheuert. So etwas geht gar nicht."