Freiburger Einbruchsopfer fahndet privat via Facebook

Adrian Hoffmann

Der Mann brach in seinen Laden ein, doch die Überwachungskamera filmte ihn dabei. Der Metzgereichef erstattete Anzeige - und veröffentlichte ein Bild im Internet. Das ist höchst umstritten:



In einem Wohnhaus an der Lehener Straße im Stühlinger ist am vorvergangenen Sonntag ein Mann eingebrochen und wurde dabei gefilmt – der Chef der ansässigen Metzgerei hat Anzeige bei der Polizei erstattet, nebenbei sucht er aber auch via Facebook nach dem Täter. Ein Vorgehen, zu der immer häufiger Nutzer von sozialen Medien neigen. Einfach, weil es sich anbietet – doch rechtlich gesehen ist es eine Grauzone.


"Wer den Mann kennt", steht da auf Facebook, soll den Beitrag "bitte teilen". Fast 400 Leute sind inzwischen der Aufforderung nachgekommen. Manche kommentieren unter der Veröffentlichung: Eine Privatfahndung sei fragwürdig. Andere finden das Ganze völlig in Ordnung. Der Metzgereichef versteht die Kritik nicht und schreibt: "Es ist einfach nur wieder rührend, wie ein offizieller Straftäter mehr in Schutz genommen wird als die Geschädigten – und leider waren wir nicht die einzigen!"

Der Screenshot der Videoaufnahme zeigt den Einbrecher nur sehr unscharf, lediglich seine kurze Karohose ist gut zu erkennen. Der Freiburger Medienanwalt Albrecht Götz von Olenhusen sieht keine großen Bedenken. Es sei kaum anzunehmen, dass sich der Straftäter bei der Polizei melde und über das Foto beklage. Rechtlich fragwürdig sei es, wenn der Mann so zu sehen wäre, dass ein großer Kreis an Bekannten ihn sofort wiedererkennen würde.

Polizei veröffentlicht Fotos nur mit Einverständnis der Staatsanwaltschaft

Die Polizei werde hier nicht von sich aus tätig, denn dies sei kein Offizialdelikt. Höchstens, es wäre öffentliches Interesse gegeben – was in diesem Fall auszuschließen sei. Die Behauptung, das Videomaterial sei durch eine Veröffentlichung im Internet nicht mehr gerichtsverwertbar, bezeichnet Götz von Olenhusen als unzutreffend. Wer in ein Haus einbreche, rechne damit, dass er gefilmt werde.

Der Freiburger Polizei liegt das Video der Überwachungskamera, die im Hinterhof installiert ist, auch vor. Was der Mann gestohlen habe, sei noch unklar, sagt Sprecher Walter Roth. Bei der Polizei sind Veröffentlichungen von Fotos klar geregelt – dies geht nur mit dem Einverständnis der Staatsanwaltschaft.

Nach Angaben der Polizei sehen die Gerichte die Verwendung von Bildnissen ohne Einwilligung des Abgebildeten dann als gerechtfertigt an, wenn das Interesse der Allgemeinheit an der Aufklärung höher bewertet werde als das Interesse verdächtiger Personen an ihrem eigenen Bild. Da das Kunsturhebergesetz, Paragraf 33, sogar einen Straftatbestand enthalte (der allerdings nur auf Antrag verfolgt wird), "sollten Geschädigte, um sicherzugehen, insbesondere bei kleineren Vergehen selbst gefertigte Bildaufzeichnungen nur nach Rücksprache mit der Polizei veröffentlichen".

Vor wenigen Monaten gab es einen ähnlichen Fall in Freiburg – der Inhaber der Firma "Anhängerland" veröffentlichte im Internet ein Video, das einen Einbrecher zeigt. "Wenn es einen selbst betrifft, sieht man so etwas anders", sagt Firmeninhaber Zyprian Lamprecht.

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[Symbolfoto: dpa Picture Alliance]