Freiburger DJ-Namenskunde: Unlok

Bernhard Amelung

Die DJ-Philosophie von Igor Zubarev alias Unlok lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Vinyl. Weshalb ihm nichts über das Schwarze Gold auf den Plattentellern geht, warum er neben seiner großen Leidenschaft Drum and Bass auch ab und zu Musik aus den 50er Jahren spielt, erzählt Igor in unserer DJ-Namenskunde.



Stell dich doch mal kurz vor: Wie heißt du richtig, was machst du, woher kommst du, wie alt bist du?

Ich heiße Igor Zubarev und komme ursprünglich aus Moskau. Ich bin 32 und habe erst mit 27 angefangen, Platten aufzulegen. Es war schon immer ein Kindheitstraum von mir, bis ich mir irgendwann sagte: Jetzt kannst du es aber endlich mal probieren.

Unter anderem habe ich mit einem DJ-Workshop für Schüler angefangen. Das war echt lustig. Dort lernte ich meinen Mentor DJ Beatknecht kennen, von dem ich vieles die letzten Jahre gelernt habe. Big-up an dieser Stelle an dich, Matze.

Angefangen hatte ich mit einem digitalem Setup und bin mit der Zeit, entgegen der technischen Entwicklung, ein absoluter Vinyljunky geworden. Richtig selektiertes Vinyl und "proper mixing" - mehr braucht man nicht, um ein fettes Set zu spielen!

Wie ist dein DJ-Name entstanden? Gibt's eine lustige Geschichte dazu?

Mein DJ-Name ist spontan aus einer Aussage eines Freundes von mir entstanden. Ich hatte meine Locken abgeschnitten und als er mich dann zum ersten Mal so sah, sagte er: "Du siehst so unlockig aus!" Daraus entstand "unlok", mittlerweile füge ich noch "dnb" hinzu.

Im Endeffekt suggeriert dieser Name genau das, was ich mit meinen Sets erreichen will: die Herzen der Menschen mit und für diese tolle lebensfrohe Musik aufzumachen.

Was für Musik spielst du?

Hauptsächlich lege ich Drum and Bass auf, in allen möglichen Variationen und Styles. Das heißt, dass ich mich nicht auf Liquid Funk, Neurofunk oder Jungle festlege, sondern einen bunten Mix aus allen verschiedenen Drum-and-Bass-Styles spiele.

Genauso ist es mir wichtig, Klassiker zu spielen, die die ganze Geschichte des Drum and Bass maßgeblich beeinflusst haben und heute zum Teil immer noch fresher als moderne Produktionen klingen. In meinem zweiten DJ-Leben lege ich auf Privatpartys, oft Hochzeiten, einfach alle möglichen Genres auf, von Musik aus den 50er Jahren bis zu heutigen Charts. Mixen macht einfach Spaß!

Vinyl, CD oder digital: Was bevorzugst du und warum?

Vinyl, Vinyl, Vinyl, obwohl die digitale Industrie sehr viel daran setzt, dieses Medium endlich zu verbannen.

Das wichtigste Argument dafür ist die Audioqualität. Das spüre ich immer wieder aufs Neue, wenn ich ein Set anfange, wo gerade vor mir ein Laptop-DJ aufgelegt hat. Ich muss die Gains immer gleich runterdrehen, weil das Vinyl einen viel stärkeren Druck erzeugt, und das nicht nur im hörbaren Bereich. Vinyl spürt man einfach physisch.

Das zweite Argument für mich ist das eigentliche Mixen mit Vinyl. Es macht so viel Spaß, die Grooves auf der Platte zu "lesen", um so zum Beispiel die Cuepunkte zu finden. Dann folgt die Unabhängigkeit vom Computer - einfach Platten und Kopfhörer einpacken - fertig zum Gig! Es ist einfach schön, die Musik in den Händen zu halten. Ich bin überzeugt, dass MP3s früher aussterben als Vinyl.

Wo sieht man dich privat ausgehen / Lieblingsclubs?

Meistens bin ich im Ruefetto, Räng Teng Teng, Wheit Rabbit, KGB oder E-Werk anzutreffen. Oft ist mein "Lieblingsclub" einfach eine geniale WG-Party oder chillen auf dem August.

Wo kaufst du deine Musik?

Heutzutage kauft man ja vieles online. Das Vinylgeschäft findet hauptsächlich dort statt, und zwar nicht nur für neue Platten, sondern für sehr viel gutes altes Material.

Natürlich würde ich gerne mehr beim Plattenladen um die Ecke kaufen - aber in Freiburg gibt es keinen Plattenladen, der die von mir gesuchten Sachen anbietet. Oft lasse ich Platten aus England oder anderen europäischen Ländern liefern, von privaten Anbietern - das kann der Plattenladen nicht. Beispiele: discogs.com, hhv.de oder h-a-b.org.

Wenn ich irgendwo in anderen Städten zu Besuch bin, besuche ich gerne die dortigen Plattenläden, allein des Interesses wegen. Wenn ich digital einkaufe, sind es Beatport oder Junodownload. Diese Portale sind einfach und unkompliziert. Sollten es CDs werden, empfehle ich das CDC neben der Schwarzwaldcity - immer eine gute und interessante Selection.

Skurillster Auftritt?

Gibt es keinen.

Aktuelle Top10:

Ich besitze eigentlich keine aktuelle Top-10, denn jedes Vinyl, das ich habe, von 1996 bis 2012, ist für mich aktuell und top. Hier ist eine Auswahl von 10 absoluten Schwergewichten, die einem Set das besondere verleihen können:

1. True Romance - D-Bridge (Metalheadz Platinum)
2. Love is Gone - Bladerunner (upcoming on Phily Blunt)
3. Love Affair - DJ Marky & S.P.Y (Innerground)
4. Get Ready "All Junglist" (Kosine & Dialect Remix) - Rebel MC feat. Tenor Fly, Daddy Freddy, Nanci Correia (Congo Natty)
5. Touch Me - Cyantific (RAM)
6. Z-Grab VIP - Enei
7. LK (M.I.S.T Remix) - DJ Marky & XRS
8. Back to the Jungle - Bladerunner (Critical Recordings)
9. Link to the Past - Loadstar (RAM)
10. How You Make Me Feel - Marcus Intalex & S.T. Files (31 Records)

Internet:

 

Unlok - Drum and Bass in your Face:



Nächste Gigs:

26. Mai 2012 - The funky Pants Club // Ruefetto
20. Juli 2012 -  fudder Showcase // ZMF Spiegelzelt
28. Juli 2012 -  Heavy? >> Local Special // KGB

[Foto: Vinzent Hort]

Mehr dazu:

 

Bisher erschienen: DJs aus Freiburg (A-Z):