Freiburger DJ-Namenskunde: Daishin

Bernhard Amelung

Sergey Remizov alias Daishin hat zwei Leidenschaften: klassische Musik und Techno. Er spielt Geige und Klavier, hat in Moskau und Freiburg eine klassische Musikausbildung absolviert, liebt das Produzieren mit Ableton und den Berliner Plattenladen Hardwax. In der DJ-Namenskunde erzählt er unter anderem, wem er sein Pseudonym verdankt und wie er zur Diskussion "Vinyl vs. digital" steht.



Stell dich doch mal kurz vor: Wie heißt du, was machst du, woher kommst du, wie alt bist du?

Mein Name ist Sergey Remizov. Ich bin 1984 in einem kleinen Ort etwa 200 Kilometer westlich von Moskau geboren. Seit 2003 lebe ich in Freiburg. Mein ganzes Leben lang mache ich Musik, leidenschaftlich und beruflich. Mit drei Jahren habe ich angefangen, Geige zu spielen, mit fünf kam das Klavier dazu. Nach dem Schulabschluss begann ich sofort mit der klassischen Musikausbildung, erst in meiner Heimatstadt, danach in Moskau und zum Schluss in Freiburg an der Musikhochschule.

Aber es ging mir nicht immer nur um die klassische Musik. Ich wollte immer etwas Neues machen, ausprobieren, improvisieren. So bin ich hinter den Decks gelandet. Erstmal ging ich nach Stuttgart, um die Basics zu lernen. Zwei Jahre lang war ich an der Vibra DJ Schule. Mit den Jungs waren wir in der Zeit öfters in Raum Stuttgart und in Ulm unterwegs. Danach habe ich mit Musikproduktion angefangen und mache zur Zeit einen «Certificate Ableton Live Producer» Abschluss an der Dubspot in New York.

Wie ist dein DJ-Name entstanden? Gibt es eine lustige Geschichte dazu?

Mein Künstlername habe ich Daishin Kashimoto, dem ersten Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, zu verdanken. Ich habe ihm noch zu meiner Studiumszeit, als wir beide an der Musikhochschule Freiburg studiert haben, kennengelernt. Er ist ein ausgewönliches Talent und hat immer bewiesen, dass man seinen Traum heute immer noch leben kann.

Was für Musik spielst du?

Gute Frage! Ich habe schon soviel Musik gespielt, angefangen mit der Wiener Klassik und Barock bis zu späterem Romantismus, französischen Impressionismus und den Komponisten des 20. Jahrhunderts. Jetzt mal ernst. Ich spiele, worauf ich gerade Lust habe. Momentan gehe ich stark in Richtung Techno. Die Musik fasziniert mich enorm! Tech House und Deep House sind auch immer in meiner Kollektion. Ich produziere Deep und Tech House Tracks so gerne, es gibt einfach keine Grenzen in dieser Musik. Inspiration pur! Genau das wonach ich immer gesucht habe!

Vinyl, CD oder digital, was bevorzugt und warum?

Da kommen wir jetzt zum Thema des Tages und versuche jetzt, mich so kurz wie möglich zu fassen. Ich bevorzuge Vinyl. Als ich vom DJing nur geträumt habe, hatte ich klare Vorstellungen im Kopf: DJ ist gleich Vinyl. Als ich dann mit dem DJing endlich angefangen habe, habe ich auch meine ersten Erfahrungen mit den Platten gemacht. Und es war einfach fantastisch! Wenn man Platten spielt, hat man ganz anderen Bezug zur Musik. Die Beziehung fängt schon im Plattenladen an. Ich sehe die Platte. Erst gefällt sie mir optisch. Ich will sie anhören. Wenn ich danach sie noch Mal anhören will, bedeutet es schon etwas. Wenn ich dabei noch gleich tanze, werde ich die Platte nicht mehr aus den Händen lassen. Man kennt die Musik erst dann wenn man die in die Hand genommen hat. Mich stören die unendlichen Playlists auf dem Bildschirm enorm. Da hat man Null Bezug zu der Musik.

Leider kann man digitales DJing nicht komplett ausschliessen. Das hat verschiedene Gründe: Zugänglichkeit der Tracks, Kosten, Zeit, Bequemlichkeit. Wenn ich einen Podcast 4-Spurig aufnehme, verwende ich die Platten eher selten, nur als Schmuckstück meines Sets. Dafür habe ich dann Traktor mit x1 Kontroller. Für ein Set in einer Bar macht es auch keinen Sinn, die Plattenspieler mitzuschleppen. Da benutze ich meine CDJ 2000 Nexus, die ich sehr liebe! Mit den Funktionen von CDJs hat man wiederrum enorm Platz für Improvisation und Kreativität. Im Club wären dann CDJs plus Plattenspieler ein Traumset. Das Wichtigste aber ist die Leidenschaft, mit der man auflegt.

Wo sieht man dich privat ausgehen? Hast du Lieblingsclubs?

Ha, da hat meine Frau das Wort. Sie bestimmt die Locations. Letzte Woche waren wir in der Jackson Pollock Bar auf einer Salsa Party. War ganz nett, obwohl ich und Salsa eindeutig nicht zusammengehören.

Wo kaufst du deine Musik?

Digital bei Beatport, Vinyl über Juno Records oder im Hard Wax natürlich. Leider bin ich zur Zeit nicht so oft vor Ort. Zum Glück haben die für uns einen Mailorder.

Skurrilster Auftritt?

Hm. Die ersten Gigs sind meistens auch die aufregendsten. So war es auch bei mir damals. Wir waren mit den Vibra DJ-Jungs in Ulm unterwegs. Dort durfte ich gegen zwei Uhr an die Decks. Es war enorm viel los auf der Tanzfläche. Ich, wie ein «Profi DJ» habe die Leute von der Bühne aufgeheizt, und zwar so heftig, dass mir beim Rumspringen und gleichzeitig am EQ rumdrehen die Nadel weggerutscht ist. Und das genau beim Main Drop! Die Leute haben mich danach so unterstützt! Der Abend ging super zu Ende. Leider war ich seit dem nicht meihr in dem Club.

Aktuelle Top Ten:

Ich zähle nicht. Alles, was ich spiele, bedeutet mir etwas.

Internet:

Webseite: www.daishin.djFacebook: Daishin Official
Soundcloud: Daishin

Nächste Gigs:

Immer Samstags ab 22 Uhr in der Fil Bar. Infos zu weiteren Gigs auf meiner Facebook-Seite.

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Bisher erschienen: DJs aus Freiburg (A-Z):