Aufruf

Freiburger Bündnis sucht Frauen und Queers, die den nächsten Frauenstreik mitplanen

Gina Kutkat

Sie wollen die Hierarchisierung abschaffen: Auch am 8. März 2020 wollen Frauen und Queers in Freiburg wieder streiken. Warum ist es wichtig, zu streiken und wie kann man mitmachen?

Sitzen, streiten, die Arbeit niederlegen: Wer 2019 am 8. März in Freiburg streiken wollte, hatte dazu verschiedene Möglichkeiten. Es gab eine traditionelle Demonstration mit 2000 Teilnehmerinnen, aber auch alternative Formen wie einen Flashmob, einen Sitzstreik sowie zwei Streikcafés. Möglich gemacht hat es das Bündnis "Feministischer und Frauen*Streik Freiburg". Um auch 2020 weiter auf die Lage der Frauen und Queers aufmerksam zumachen, sucht das Bündnis noch weitere Mitwirkende.


"Es gibt einfach immer noch verschiedenste Dimensionen der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern", sagt Maria Eitel, die in Freiburg Politikwissenschaft studiert und im Bündnis aktiv ist. "Wir möchten, dass sich die gesellschaftliche Lage ändert und dass die Hierarchisierung aufgelöst wird." Denn dass Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger verdienen als Männer, sei nur eins der Symptome eines größeren Problems der Unterdrückung, so Eitel.

Zeichen gegen alltägliche Benachteiligung

Um in der Politik und in der Gesellschaft Druck zu erzeugen, organisiert das Bündnis in Freiburg dezentral Treffen und Aktionstage – und lädt alle Frauen und Queers dazu ein: An jedem 8. des Monats um 19 Uhr in der Basler Straße 8 wird der nächste Frauenstreik vorbereitet. Am 8. März 2020 wollen die Frauen dann wieder Lohn-, Sorge-, Haus- und Erziehungsarbeit bestreiken und ein Zeichen gegen die alltägliche Benachteiligung und die Gewalt durch Geschlechtsstereotype setzen. Zwar gibt es in Deutschland schon seit 1994 feministische Streiks, aber 2019 stellte trotzdem einen Auftakt dar.
Die weltweite Frauenstreik-Bewegung

Der deutsche Frauenstreik knüpft an eine weltweit erstarkende feministische Streikbewegung an, die sich bereits auf mehrere Länder wie Spanien, die USA, Thailand oder Argentinien erstreckt. Im Jahr 2018 streikten alleine in Spanien über 5 Millionen Frauen und Queers. 2019 wurde dieser Streik auch nach Deutschland geholt und wird auch 2020 am 8. März auf die Straßen gebracht.

"Seit 2019 wird die Demonstration am 8. März explizit mit dem Streikbegriff verbunden ", sagt die 27-jährige Maria Eitel. Kleinere Demos und Aktionen am Frauentag in Freiburg standen zwar schon immer auf der Tagesordnung, aber 2019 kam eine neue Dimension dazu: Frauen wurden dazu aufgerufen, ihre Arbeit ruhen zu lassen. Ob bezahlt oder nicht, spielte dabei keine Rolle. "Das war neu, weil ’Streik’ an sich ein Begriff ist, der immer mit traditionellen Arbeitskämpfen verbunden wird", so Eitel. Flugbegleiter oder Bahnbeschäftigte die streiken, das kennt jeder. Am 8. März 2019 legten dann weltweit Frauen ihre Arbeit in allen möglichen Bereichen nieder – und entfachten damit eine politische Debatte. Denn das deutsche Streikrecht besagt eigentlich, dass ein politischer Streik wie der am 8. März nicht legal ist.

Die aktuelle rechtliche Definition sieht ausschließlich die Arbeitsniederlegung von Beschäftigten im Rahmen von Tarifverhandlungen vor – wenn diese von Gewerkschaften dazu aufgerufen wurden. "Wir brauchen einen breiter angelegten Streikbegriff, um auf die prekäre Lage vieler Frauen aufmerksam zu machen", sagt Eitel. Dafür arbeitet das Freiburger Bündnis unter anderem mit Gewerkschaften zusammen, damit das Anliegen auch in die regionalen Unternehmen Gehör findet. "Wir fordern sie auf, dass sie am 8. März zum Streik aufrufen und ihre Mitglieder dafür mobilisieren", sagt Eitel.
Streikrecht Deutschland

Deutschland hat innerhalb von Europa das schärfste Streikrecht. In vielen anderen Ländern wird das Recht auf politischen Streik als Menschenrecht gehandhabt. In Deutschland wird nicht per Gesetz, sondern durch Gerichtsentscheidungen bestimmt, wie mit Streiks umgegangen wird. Ziel des Frauenstreiks ist auch, dass politische Streiks in Deutschland nicht mehr sanktioniert werden.

Wer das Bündnis Feministischer und Frauen*streik Freiburg unterstützen möchte, kann zu den Treffen kommen oder sich unter fstreik-freiburg@riseup.net melden.

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