An der Kasse

Freiburger Bäckerei- und Supermarktkette automatisiert die Barzahlung

Holger Schindler

Bei den Beckesepp-Bäckereien und -Supermärkten zählen jetzt Maschinen das Bargeld an der Kasse. Das ist schneller – aber auch etwas unpersönlicher.

Kassenautomaten und Selbstbedienungskassen gibt es in Freiburg schon seit längerem, doch die Beckesepp-Bäckerei- und Supermarktkette will nun flächendeckend die Bargeldhandhabung Maschinen überlassen. Schon vor knapp einem Jahrzehnt haben der SB-Warenhaus-Riese Real und das Einrichtungshaus Ikea solche Systeme installiert. Auch die Metzgereien Pum (Stühlinger) und Riegger (Zähringen) haben den Kassiervorgang automatisiert. Jetzt wurde die Becksepp-Filiale in Haslach komplett auf Kassenautomaten umgestellt.


"Es ist schon eine Umstellung – für die Kunden und für meine Mitarbeiter", Beckesepp-Chef Johannes Ruf


"Das Bezahlen ist schon etwas unpersönlicher", sagt Gerd Rettig. Der Haslacher kauft regelmäßig beim Beckesepp-Supermarkt in der Carl-Kistner-Straße 32 ein. Nun muss er sein Bargeld beim Bezahlen in einen Automaten seitlich am Kassentresen stecken – Scheine wie Münzen. Der Automat blinkt bläulich auf, wenn er gefüttert werden will. Wird Wechselgeld fällig, spuckt dieses ebenfalls der Automat aus. Der Kontakt mit dem Kassenmitarbeiter fällt dadurch deutlich kürzer als bisher aus.

"Es ist schon eine Umstellung – für die Kunden und für meine Mitarbeiter", räumt Beckesepp-Chef Johannes Ruf ein. Der Unternehmer, der auch Obermeister der Freiburger Bäckerinnung ist, beschäftigt rund 270 Menschen an zehn Standorten, kleinen Supermärkten und Bäckereifilialen, davon sechs in Freiburg. An den Standorten Nägeleseestraße 4 (Wiehre) und Kartäuserstraße 51 (Oberau) hat das Unternehmen schon Erfahrungen mit Kassenautomaten gesammelt. Nun steht für Ruf fest: "Wir werden mit der Zeit alle Märkte und Bäckereifilialen auf Automaten umstellen."

Das abendliche Zählen fällt weg

Dafür gebe es mehrere Gründe. "Das Bargeldhandling mit manuellen Kassen ist aufwändig und fehleranfällig", so Ruf. Mit den Automaten falle das abendliche Zählen weg. "Zudem benötigen wir damit weniger Wechselgeld, weil die Maschinen das Herausgeben optimieren und die Kunden, wenn sie sich an die Geräte gewöhnt haben, ihr Kleingeld verstärkt in die Automaten schütten." Das senke die Kosten, denn den Wechselgeldservice ließen sich die Banken teuer bezahlen.

"Gerade an den Bäckereitheken gibt es auch einen Hygienevorteil, weil unser Verkaufspersonal nicht mehr gleichzeitig mit den Backwaren und dem Bargeld in Kontakt kommen", erklärt Ruf weiter. Ein Bargeldautomat koste rund 15 000 Euro – aber das rechne sich. "Gefälschte Geldscheine werden ebenfalls erkannt", so der Unternehmer. Und auch Räuber werden abgeschreckt. Die Automaten mit dem Geld könnten nämlich nicht ohne Weiteres geöffnet werden.

Ein Verkaufsmitarbeiter im Markt in Haslach bestätigt , dass er froh darüber ist, dass das Geldzählen wegfällt und er Abweichungen beim Kassenstand nicht mehr fürchten muss. Dass sein Job ganz wegrationalisiert wird, fürchtet er nicht. Und auch Johannes Ruf versichert: "Es geht nicht um Personalabbau. Wir wollen, dass die Mitarbeiter die zusätzlichen Freiräume nutzen, um den Kunden gegebenenfalls zu helfen und sie zu verabschieden." Bilal Abde, Marktleiter am Standort Carl-Kistner-Straße, sagt: "Es braucht sicher Zeit, bis sich die Kunden an die Automaten gewöhnt haben. Unser Ziel ist es, dass wir die Kunden nach dem Zahlen nochmals ansprechen, damit der letzte Kontakt im Laden nicht mit einer Maschine ist."