Freiburger Altstadt-Bewohner zeigen Flagge gegen Partylärm

Joachim Röderer

Der Streit um den nächtlichen Lärm in der Freiburger Altstadt verschärft sich: Der Lokalverein hat jetzt eine Aktion initiiert. 100 "Ruhe"-Transparente hängen bereits – und kritisieren auch die Stadt.



Mehr als 100 Fahnen und Tücher hängen an Häusern in Oberlinden, in der Wall- und Salzstraße des Sedanquartiers und in anderen Ecken der Altstadt: "Ruhe" ist darauf zu lesen oder "Der Gemeinderat schläft – wir nicht". Die Anwohner wehren sich gegen zu lauten Partylärm und gegen, so sehen sie es, das Nichtstun der Stadtpolitik. Der Vorstand des Lokalvereins Innenstadt fordert, dass die Sperrzeiten für einzelne Zonen der Altstadt neu geregelt werden – und dass ein kommunaler Ordnungsdienst eingeführt wird. Im Rathaus will man sich dazu nicht äußern.


Der Streit um den nächtlichen Lärm in der Altstadt wird schärfer: Der Lokalverein Innenstadt hat jetzt eine Fahnen- und Tücheraktion initiiert. 100 "Ruhe"-Transparente sind bereits ausgegeben worden. Die Nachfrage sei so groß, dass man schon nachdrucken müsse, heißt es. Dicht beflaggt ist der Bereich um das Schwabentor und Oberlinden, aber auch in der Wallstraße, der oberen Gartenstraße und im Sedanquartier machen die Bewohner ihrem Ärger über zu viel Lärm Luft. Viel Lob für den Lokalverein habe es in vielen E-Mails gegeben, dass er sich nun mit dieser Aktion zur Wehr setze, berichtet Vorstandsmitglied Henrike Beck. Interesse gebe es auch in anderen Stadtteilen: Auch Betroffene im Stühlinger wollten Flagge zeigen, berichtet sie.

Kritik an der Stadt

Vorbild der Aktion ist ein Protest von lärmgeplagten Anwohnern in Heidelberg: Die hängten im Sommer 2009 Bettlaken aus den Fenstern auf denen etwa stand: "Wir wollen schlafen". In Freiburg, so weist Becks Kollege Christian Himmelsbach hin, habe man die Texte auf den Transparenten noch moderat formuliert. "Wir können auch anders – aber noch ist die Tür für Gespräche ja nicht zu", meint er. Hinter der Altstadt und ihren Bewohnern liege der lauteste, dreckigste und schwierigste Sommer seit langem: "So einen Sommer wollen wir nicht noch einmal erleben."

Anca Rosler-Koslar vom Lokalvereinsvorstand kritisiert Stadtverwaltung und Gemeinderat, die "seltsam konzeptlos, mutlos und ideenlos" angesichts der Probleme agieren würden. Ende Januar hatte der Gemeinderat einen kommunalen Ordnungsdienst mehrheitlich abgelehnt. Anfang Juli folgte ein großes Fachgespräch: Die Städte Köln, Mannheim und Heidelberg präsentierten unterschiedliche Konzepte gegen den nächtlichen Lärm. Aus dem Rathaus, so Rosler-Koslar und Lokalvereinsvorsitzender Michael Fleiner, habe man seither nichts gehört: "Die Stadt eiert vom Runden Tisch zur Fachtagung und dann wieder zum Runden Tisch", so Rosler-Koslar.

Anwohner hoffen auf die Landesregierung

Der Lokalverein will eine zonierte Sperrzeitenregelung: Kneipen in Wohnstraßen sollen deutlich früher schließen. Es brauche auch ein Gaststättenkonzept, einen verbesserten Nachtverkehr, einen Ordnungsdienst ("Egal, wie er heißt") und ein Alkoholverbot auf Plätzen. Hier setzen die Anwohner auf die grün-rote Landesregierung. Das Innenministerium habe immerhin vor kurzem in Heidelberg und Ravensburg eine umfassende Umfrage zum Thema gestartet.

Im Rathaus wollte sich der Erste Bürgermeister Otto Neideck am Montag auf BZ-Nachfrage zu der Fahnenaktion nicht äußern. Dem Vernehmen nach aber soll das Thema Innenstadtlärm Ende November in den Gremien beraten werden.

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[Foto: Michael Bamberger]