Freiburg weltweit: Die Breisgau-Brasilianer

Nina Braun

Der Name Freiburg steht nicht immer nur für Universität und Fahrradstadt: Orte in aller Welt tragen den Namen in unterschiedlichster Schreibweise. Hier die Antwort auf die Frage, warum etwa der SC Freiburg in Brasilien weniger mit Fußball denn mit Äpfeln assoziiert wird.



Eine ganz neue Bedeutung mag der Begriff Breisgau-Brasilianer für fußball-versierte Deutsche erhalten, die beim Urlaub in Südbrasilien ein wenig die Augen offen halten. Mit etwas Glück könnte dann nämlich ein verblüffender Schnappschuss gelingen, der den Zuhausegebliebenen so manches Rätsel aufgeben dürfte: Ab und an bekommt man auf brasilianischen Straßen Autos zu Gesicht, deren Nummernschilder in kleinen Lettern die Aufschrift SC Fraiburgo tragen.

Treuebekundungen
emigrierter und orthographisch verwirrter Sportclubfans? Tatsächlich findet sich die wahre Lösung zwar auch im Dreiländereck, hat jedoch weniger mit Sport denn mit Obst, weniger mit der badischen Metropole denn mit dem Ersten Weltkrieg zu tun und ist eigentlich ganz simpel.


Ihren Anfang nimmt die Geschichte im Jahre 1919, als der elsässische Lehrer Guilherme Frey mitsamt Familie vor den Nachkriegswirren in den Nordosten Brasiliens flüchtet. Seine Söhne René und Arnoldo Frey gründen später eine Firma für Obstkisten und gelangten auf der Suche nach dem hierfür benötigten Holz 1937 schließlich in den Bundesstaat Santa Caterina (der heute im Übrigen für seine deutsche Einwandererkultur und vor allem das Städtchen Blumenau mit Fachwerkhäusern und einer recht verkitschten Kopie des Münchner Oktoberfestes bekannt ist).

Dort gründen die Brüder am Rande weiter Kiefernwälder erst eine Sägerei mit Unterkünften für die Arbeiter, schließlich kommen immer mehr Häuser und Straßen hinzu, eine Schule wird erbaut. Ein kleines Städtchen entsteht so über die Jahre, das heute knapp    40 000 Einwohner, etwas Tourismus und Hotellerie, eine jährliche Viehausstellung und vor allem die größte Apfelproduktion des Landes vorweisen kann. „Terra da maçã“ nennt sich der Ort auf seiner Homepage auch selbst, Land des Apfels.



Offiziell heißt er jedoch nach seinen Gründern Fraiburgo: „Vila dos Freys“, Stadt der Freys, wie selbige Internetseite brasilianischen Besuchern den Namen hilfsbereit übersetzt. Und da es in Brasilien der Größe des Landes wegen schnell unübersichtlich wird, werden Städtenamen – etwa auf Autoschildern – zur Orientierung häufig mit dem Kürzel ihres Bundesstaates garniert. Die Stadt der Freys also, in Santa Caterina gelegen: SC Fraiburgo. Der heimische Fußballclub heißt übrigens Clube Atlético.

Diese Version der autonomen Burg ist indes nur einer von vielen Namensvettern, wenn auch in ihrer Schreibweise vermutlich einzigartig. Freeburgs, Freyburgs und Friburgos finden sich unter anderem in Schlesien (das heutige Świebodzice), Frankreich (Fribourgin Lothringen) und den USA (Freeburgin Illinois, laut Wikipedia eine „conservative, mostly German community”).

Neben dem bekannten Fribourg in der Schweiz gibt es auch in Brasilien noch eine größere und nach dem eidgenössischen Vorbild benannte Verwandte. Nova Friburgo im Bundesstaat Rio de Janiero hat stolze 178 000 Einwohner und trägt nach dem wichtigsten Industriezweig mit Capital da Moda Íntima inoffiziell einen besonders schönen Titel – Hauptstadt der Unterwäsche gewissermaßen.