Freiburg soll am Kybfelsen eine zweite Downhill-Strecke bekommen

Joachim Röderer

Wilde Abfahrten quer durch die Botanik – und Konflikte mit Wanderern soll es nicht mehr geben: Freiburg plant eine zweite Strecke für Extrem-Mountainbiker. Ausgangspunkt ist der Kybfelsensattel.



Eine neue Rennstrecke am Schauinsland – aber eine für Extrem-Mountainbiker: Das Forstamt befürwortet eine zweite Abfahrtstrecke ("Downhill") im Freiburger Stadtwald. Sie soll vom Kybfelsensattel über Günterstal bis hinunter zur Sternwaldwiese in der Wiehre führen. Angelegt und gepflegt werden soll die Strecke vom Verein Mountainbike Freiburg. Das Forstamt und die Stadtverwaltung wollen mit der zweiten Abfahrt im Stadtgebiet dem Problem entgegenwirken, dass zuletzt immer mehr wilde Abfahrten quer durch die Botanik entstanden sind.


Vor knapp drei Jahren hatte der Umweltausschuss des Gemeinderats Bahn frei für die "Borderline"-Strecke am Rosskopf gegeben. Der Mountainbike-Verein übernahm die Haftung und die Unterhaltung der Piste durch den Forst. Die Borderline wird sehr gut genutzt, Probleme gibt es bisher wenige bis keine. Schon zu Beginn war klar: Eine Strecke wird den Bedarf nicht decken. Nun soll sozusagen am anderen Freiburger Ende des Bergwalddistrikts nachgelegt werden. Die Kybfelsenstrecke soll 3,6 Kilometer lang sein und wird über 450 Höhenmeter ins Tal geführt.

Wildtiere werden gestört

Das städtische Forstamt beobachtet seit Jahren, wie Downhiller, die Extremsportler unter den Mountainbikern, zunehmend schmale Wege im Stadtwald nutzen, auch im Bereich des Kybfelsens. Das führt zu Konflikten: mit Wanderern, deren Wege die Abfahrer kreuzen. Aber auch Wildtiere werden gestört sowie Boden und Vegetation geschädigt. Es gebe kaum Distrikte im Bergwald, die nicht tangiert seien, heißt es in der Sitzungsvorlage des städtischen Umweltausschusses, der am Montag Nachmittag tagte."Eine neue Strecke würde die Situation entschärfen", sagt Nicole Schmalfuß, stellvertretende Leiterin des Forstamtes.

Deswegen will das Amt – wie schon am Rosskopf – für eine neue Strecke mit dem Verein Mountainbike Freiburg einen Gestattungsvertrag abschließen. In dem Vertrag wird vereinbart, dass die Stadt für Unfälle nicht haften muss. Das Recht, die Strecke zu nutzen, und die Pflicht, diese zu unterhalten, wird damit von der Stadt auf den Verein übertragen. Dieser sichert sich durch eine Vereinshaftpflichtversicherung ab. Die untere Naturschutzbehörde hat die geplante Kybfelsen-Abfahrt bereits geprüft und grünes Licht gegeben. Mögliche Schäden durch Erosion, so die Auflage für den Verein, müssten regelmäßig behoben werden.

Gesamtes Streckennetz soll überarbeitet werden

"Der Kybfelsen selbst wird frei bleiben, der Start erfolgt erst unterhalb", sagt Forstamtsvizechefin Schmalfuß. Wichtig sei, die unterschiedlichen Waldnutzer zu trennen. Damit sollen Konflikte zwischen den Bergabfahrern und Erholungssuchenden minimiert werden. Eine vollkommene Trennung sei jedoch aufgrund der Gelände- und Wegesituation in zwei Teilabschnitten nicht möglich.

Vertreter des Forstamts hätten die Problempunkte vor Ort auch schon mit interessierten Bürgern diskutiert, sagt Nicole Schmalfuß. Das Forstamt spricht von einer Win-win-Situation. Die Freiburger Lösung sei modellhaft in Baden-Württemberg.

Es wird aber nicht nur ein neuer "Single Trail" geplant: Das Forstamt will generell das 118 Kilometer lange Mountainbike-Streckennetz im Stadtwald überarbeiten und neu konzipieren. Weitere Wege unter zwei Meter Breite sollen für Mountainbiker ausgewiesen werden. Bis zu zehn Prozent des gesamten Wegenetzes können für Mountainbiker ausgewiesen werden, so die Regelungen des Landeswaldgesetzes.

Eigenes Reservat bevorzugt

Beim Schwarzwaldverein hat man nichts gegen die Pläne von Forstamt und Mountainbikeverein. Man verweist auf das Beispiel der Borderline-Strecke: Besser, die Downhiller hätten ihr eigenes Reservat, als dass sie auf Wanderwegen unterwegs seien. "Im hoch frequentierten Naherholungsbereich der Stadt ist ein Trennen der Benutzergruppen sogar wünschenswert", sagte Peter Lutz, der Naturschutzreferent des Schwarzwaldvereins am Montagnachmittag im Ausschuss.

Andreas Schäfer vom Forstamt stellte in der Sitzung noch einmal klar, dass die Wege von Wanderern und Downhillern auf 95 Prozent voneinander getrennt werden. Nur auf einem kurzen Stück rückten sie nahe aneinander heran. An drei oder vier Stellen kreuze die neue Abfahrt Wanderwege. Dort soll es für die Downhiller Warnschilder geben, das Tempo herauszunehmen. Auch bei der Anfahrt bergauf zum Startpunkt müssten die Extremsportler keine Wanderwege benutzen. Die Gemeinderäte hatten keine Bedenken und bezeichneten die Pläne für die zweite Strecke als sinnvoll.

Mehr dazu: