Dreck

Freiburg sagt zunehmender Vermüllung den Kampf an

Uwe Mauch

Wilde Partys, Wildpinkeln, Wegwerfmentalität: Die Freiburger Stadtverwaltung plant eine Offensive für mehr Sauberkeit in der Stadt. Mehr als 400.000 Euro stehen dafür pro Jahr bereit.

Ein gesellschaftlicher Wandel habe zur Folge, dass nicht nur die City, sondern auch die Stadtteile massiv verschmutzt werden, heißt es in einem Papier für den Gemeinderat. Die Gründe: wilde Partys, Wegwerfmentalität, Wildpinkeln. Hinzu kommen Heroinspritzen in Grünanlagen und Kaugummis auf Gehwegen. "Wir reagieren auf die heftigen Beschwerden der Bürger", sagt Finanzbürgermeister Otto Neideck.


Ein Jahr lang habe die Verwaltung intern diskutiert, sagt Frank Uekermann, Leiter des städtischen Garten- und Tiefbauamts. "Los ging es mit dem Stühlinger Kirchplatz." Das sei nicht mehr zu ignorieren gewesen. Sein Amt, das zuständig ist für Verkehrswege und das Grün in der Stadt, sieht Handlungsbedarf.

"So kann es nicht weitergehen" Michael Broglin
"So kann es nicht weitergehen", sagt auch Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). Weil seine Truppe schon morgens ab 6 Uhr die Brennpunkte reinigt, "sieht es halbwegs passabel aus, bis die meisten Freiburger aufstehen". Doch inzwischen sei die ASF nicht mehr in der Lage, auf der Basis des bestehenden Vertrags mit der Stadt für eine zufriedenstellende Sauberkeit zu sorgen.

Die Drogenszene habe sich enorm verändert, sagt Freiburgs Abfallchef. Früher konzentrierte sie sich innenstadtnah auf die Rosastraße beim Colombipark und auf den Faulerpark am Rande des Sedanquartiers. Jetzt hielten sich die Süchtigen auf dem Stühlinger Kirchplatz, am Dreisamufer, auf Schulhöfen, an der Johanneskirche und im Seepark auf. Ein großes Problem: herumliegende Spritzen. Um sie zu beseitigen, hat die ASF extra zwei Halbtagskräfte eingestellt.

Glasscherben auf Spielplätzen

Heimgesucht werden auch die 165 Spielplätze. Nächtliche Saufgelage hätten zerbrochene Wodkaflaschen und zerdepperte Geräte zur Folge. Die bisherigen Reinigungsintervalle reichen laut Michael Broglin nicht mehr aus, "um eine gefahrlose Nutzung der Kinderspielplätze zu gewährleisten". Verletzungen durch Glasscherben seien nicht zu vermeiden. Nun soll der Reinigungsturnus deutlich erhöht werden.
Dass viele Einwohner beklagen, Freiburg habe ein Problem mit der Sauberkeit, ist schon lange so. Dass aber Rathausspitze und Abfallwirtschaft das inzwischen auch so sehen, ist neu. Zum Kommentar

Ähnliches spielt sich auch in den Grünanlagen ab, vom Dietenbachpark bis zum Moosweiher. ASF-Geschäftsführer Broglin berichtet von illegalen Grillstellen, kaputten Flaschen, überquellenden Müllbehältern. Besonders schlimm sei es an der renaturierten Dreisam im Osten Freiburgs und auf dem Stühlinger Kirchplatz, weshalb die ASF bereits häufiger anrückt als früher. Tiefbauamtsleiter Frank Uekermann ärgert sich über die "blöden Einweggrills", die verbrannten Rasen hinterlassen. Dafür habe er noch keine Lösung.

Die Wegwerfgesellschaft hinterlässt Spuren

Nicht ausreichend ist der Aufwand, die Pinkelecken in der Innenstadt zu reinigen. Seit Mai vergangenen Jahres ist ein eigens angeschaffter Spülwagen unterwegs, mit dem die Stadtreiniger zweimal pro Woche vier Stunden lang die eklige Hinterlassenschaft wegspritzen. Doch eine "nachhaltige Reinigung" sei damit nicht zu machen, heißt es im Papier für den Gemeinderat. Früher, sagt Broglin, hätten sich Männer an vier Stellen in der Innenstadt erleichter, etwa zwischen Basler Hof und Breuninger.

"Heute pinkeln die an jede Wand." Der Spülwagen soll mindestens einen dritten Tag unterwegs sein.

Spuren hinterlässt auch die Wegwerfgesellschaft, etwa am Zubringer-Mitte. "Es ist der Wahnsinn, was die Leute aus dem Auto schmeißen", sagt Tiefbauamtsleiter Uekermann: Pappbecher, Pizzaschachteln, McDonald’s-Behältnisse.
Jeden Tag gehen auf den Straßen von Freiburg Dinge verloren, die weder im Müll noch im Fundbüro landen. Unsere Fotografin hat einige Fundstücke aufgesammelt und in ein neues Licht gerückt.

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Über diese "Auswüchse", sagt Finanzbürgermeister Otto Neideck, "kann man nur den Kopf schütteln". Mehr als 400.000 Euro pro Jahr will die Stadtverwaltung zusätzlich ausgeben, damit die ASF intensiver reinigen kann. Einiges hat die ASF aus Gründen der Dringlichkeit bereits begonnen, auch wenn der Gemeinderat das Geld noch bewilligen muss. "Es muss etwas passieren", sagt ASF-Chef Broglin.

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