Freiburg ohne Papst: 5 Antworten von der Rosa Hilfe

Anna-Lena Zehendner

Der Papst steht quasi vor der Tür - aber nicht alle freuen sich auf ihn. Am wenigsten die Rosa Hilfe, die deshalb das Bündnis "Freiburg ohne Papst" ins Leben gerufen hat. Vor allem möchte sie verhindern, dass sich Benedikt XVI. im September in das Goldene Buch der Stadt einträgt. Im Interview verrät Albrecht Ziervogel, was es mit dem Bündnis noch auf sich hat.



fudder: Warum soll sich der Papst nicht in das Goldenen Buch der Stadt Freiburg eintragen?

 
Albrecht Ziervogel
: Die Aktionsgruppe Papstbesuch als Beauftragte der Rosa Hilfe Freiburg e.V. ist der Meinung, dass eine Person, die offen und ungeniert für die Missachtung hoher Werte unserer Staatsverfassung plädiert, kein Ehrengast unseres Landes und auch nicht unserer Stadt sein darf, solange sie von ihren verfassungsfeindlichen Positionen in keiner Weise abrückt.

Solche vom Papst mißachteten Grundwerte sind zum Beispiel „die Würde des Menschen“, die laut Grundgesetz unantastbar sein soll, der Gleichbehandlungsgrundsatz, der durch die päpstlich-vatikanische absichtsvolle Ungleichbehandlung von Männern und Frauen, von homosexuellen und heterosexuellen Menschen und von weiteren Diskriminierungen verletzt wird. Das absolute Verbot von Schwangerschaftsverhütung und -abbruch durch den Vatikan diskriminiert vor allem die Frauen und die gezielte Verhinderung wirksamer HIV-Prävention. Die Sexual- und Kondompolitik des Papstes – Ausdruck der „zölibatären Arroganz“ des Klerus – stürzt ungezählte Menschen in schwere Gewissenskonflikte, missachtet ihre Würde und nimmt ihre Krankheit und ihren Tod bewusst in Kauf. Die Bestrebungen des Papstes, die eigenen Dogmen zur staatlichen Norm anderer Länder zu erheben, dürfen nicht auch noch durch Ehrenbezeugungen honoriert werden. Wir Freiburger haben unter dieser Extralast von hunderttausenden von Euro besonders zu leiden. Sie fehlen an anderer Stelle im sowieso knappen Stadtsäckel.


Wer steht hinter dem Bündnis? Bislang sind es noch wenige, weil unsereWebsite"Freiburg ohne Papst" gerade erst online gegangen ist. Wir rechnen aber mit sehr breiter Untersützung von lokalen, regionalen und bundesweiten Gruppierungen, die jetzt von uns informiert werden. Prominenteste Unterstützerin ist bisher die kirchenkritische Theologie-Professorin Uta Ranke-Heinemann aus Essen, die auch einen Vortrag in Freiburg halten wird. Etwa hundert Personen haben bereits in den ersten Tagen online unterzeichnet. In Kürze werden unsere Unterschriftslisten auch in vielen Geschäften und Lokalitäten ausliegen. Die Unterstützer werden laufend in die Listen aufgenommen.


Wie möchtet ihr den Eintrag in das Goldene Buch verhindern?


Wir sind realistisch genug, um zu wissen, dass die Eintragung ins Goldene Buch der Stadt nicht verhindert werden kann. Wir leisten deshalb auch nur symbolischen Widerstand, um unsere Gründe und Kritik unters Volk zu bringen. Denn, wenn wir das nicht täten, bliebe es ausschließlich bei den Jubelpäpstlern beim Papstbesuch in Freiburg, und jegliche kritische Beurteilung der Fragwürdigkeiten in Politik und Verhalten dieses Papstes und seines Vatikans unterblieben. Wir möchten daher für kritische Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit sorgen, statt stillschweigender Hinnahme aller päpstlichen Zumutungen.

Wie werdet ihr auf euren Aufruf weiter aufmerksam machen?


Außer unserer Website haben wir auch eine - wie wir finden - sehr lustige E-Mail-Adresse: benediktXVI@rosahilfefreiburg.de Auch dort erfährt man mehr über unsere geplanten Aktivitäten. Wir schreiben viele Organisationen und teilweise prominente Einzelpersonen gezielt an, mit der Bitte um Unterstützung und Weiterleitung unseres Anliegens.

Bei den zwei geplanten Infoständen an Samstagen auf der Kaiser-Joseph-Straße werden nebst vielem Info-Material auch Unterschriftenlisten für das Freiburger Bündnis ausliegen. Ebenso werden Aufrufe und Listen bei unserer für den 19. September terminierten Podiumsveranstaltung ausliegen. Schließlich wird wohl auch zu geeigneter Zeit im Vorfeld des Besuches eine Zeitungsanzeige geschaltet werden. Interviews haben jetzt bereits stattgefunden und werden hoffentlich auch weiterhin stattfinden, zum Beispiel im Rundfunk.

Glaubt ihr daran, dass eure Aktion noch eine Chance hat: jetzt, da der Papstbesuch schon so weit fortgeschritten ist?


Selbstverständlich glauben wir daran, sonst würden wir uns die Mühe ja nicht machen. Wir treffen uns bereits seit Beginn des Frühjahrs. Natürlich können und wollen wir mit den PR-Budgets der immer noch stinkreichen katholischen Kirche und anderer Pro-Papst-Organisationen nicht konkurrieren. Sachliche und somit nachvollziehbar Kritik ist aber zum Glück nicht vom Geld abhängig, sondern spricht für sich selbst. Deshalb können hier auch bescheidene Mittel und viel Engagement Einiges ausrichten. Wir kennen viel kritisches Potential, das nur richtig angesprochen werden muss. Gleichwohl würden wir selbstverständlich ein paar Sponsoren sehr begrüßen, denn dann könnten wir noch mehr auf die Beine stellen. Unsere Zielrichtung ist eben nicht Klamauk und billiges Motzen, etwa gegen die roten Schuhe des Papstes oder gegen seinen Pomp und Protz oder auch "nur" gegen die schwulenfeindliche Politik des überwiegend homosexuellen vatikanischen Klerus, sondern wir wollen beginnen, eine Volksbewegung für die Kündigung sämtlicher Konkordate in Deutschland zu initiieren. Dafür ist der Papstbesuch eine sehr geeignete Plattform.

 

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