Freiburg-Marathonläufer kriechen notfalls ins Ziel

Frank Zimmermann

Übermorgen findet zum achten Mal der Freiburg-Marathon statt. Mit dabei sind auch wieder etliche Schüler und Studierende. PH-Studentin Stephanie Kurz und Gymnasiast José Giese sind zwei von ihnen. Sie haben sich intensiv auf das 42-Kilometer-Rennen vorbereitet.

Stephanie Kurz



"Bei Kilometer 34 dachte ich, ich kippe gleich um", erinnert sich Stephanie Kurz an ihren ersten Marathon 2006 in Münster. Aufgeben kam für sie nicht in Frage. "Ich bin dann fünf Kilometer sehr langsam gelaufen, danach konnte ich nochmal anziehen" – auch, weil das Publikum sie lautstark angefeuert habe.


Stephanie Kurz hat aus ihren Fehlern von damals gelernt, am Sonntag, beim zweiten Marathon ihres Lebens, will sie sich nicht an zu schnellen Läufern orientieren. "Dieses Mal", sagt die 27-jährige Mathe-, Musik- und Sportstudentin an der Pädagogischen Hochschule, "will ich am Anfang ruhiger laufen. Ich hoffe, dass ich ein Tempo durchhalten kann." Vielleicht hänge sie sich auch an einen der Pacemaker.

Aufgewachsen in der Nähe von Bremen, kam Stephanie Kurz 2007 aus Osnabrück mit Klavierdiplom in der Tasche zum Studieren nach Freiburg. Hier bot sich ihr erstmals die Chance, am Berg zu trainieren; regelmäßig läuft sie von der Wiehre auf den in 810 Metern Höhe gelegenen Kybfelsen, im Schnitt in 40 Minuten, oder sie läuft von der Talstation auf den Schauinslandgipfel – in rund 1:05 Stunden. "Das Training am Berg hat meiner Zeit in der Ebene gut getan." Die Studentin zieht vier bis fünf Mal pro Woche die Laufschuhe an und rennt zwischen zehn und 25 Kilometer, zurzeit ist sie mitunter auch zwei Mal am Tag unterwegs.

Stephanie Kurz ist keine Anhängerin von Fitnessstudios, sie trainiert lieber im Freien und genießt die Ruhe, bevorzugt an der Dreisam. Meist läuft sie alleine. Ab und an fahren ihr Freund oder ihr Vater mit dem Rad nebenher, um Tempo zu machen. Gerne hört sie beim Laufen Musik, auch Klassik: Als die Pianistin vor zwei Jahren ein Solokonzert mit dem Orchester der PH hatte, hörte sie sich als Vorbereitung beim Laufen das Stück – Mozarts Klavierkonzert in d-Moll – an.

Am Sonntag wird sie aber ohne Kopfhörer auf die Strecke gehen, schließlich will sie etwas von der Atmosphäre mitkriegen. Vater, Onkel, Cousine und die Mitbewohnerinnen werden sie an der Strecke anfeuern, während ihr Freund sie zum Start begleitet, "weil ich aufgeregt bin". Ob es für sie heikle Streckenabschnitte gibt? "Wenn es in der zweiten Runde über die Blaue Brücke geht, das könnte happig werden."

Das Langstreckenlaufen stärkt sie körperlich und psychisch, sagt Stephanie Kurz. "Man gibt generell nicht so schnell auf, sondern lernt, an Zielen dranzubleiben." Sportlich hat sie sich für Sonntag ein Ziel gesetzt, das sie schon damals in Münster hatte: "Es muss vorne eine drei stehen." Bei ihrem ersten Lauf über 42,195 Kilometer lief sie 4:05 Stunden. "Die Zeit muss einfach besser werden", nennt sie die Gründe für ihren zweiten Marathonstart. Aber eigentlich will sie einfach nur ankommen. "Ich müsste schon umkippen, dass es vorbei ist. Notfalls krieche ich ins Ziel."

José Giese



Mit seinen 18 Jahren hat José Giese schon reichlich Lauferfahrung. Die erste Motivation holte er sich in der siebten Klasse in der Ausdauer-AG. Bald erweiterte er das Laufen um die Sportarten Schwimmen und Radfahren; klar, dass José Giese – sein spanischer Vorname erinnert an Chile, die Heimat seiner Mutter – irgendwann auch mit Triathlon anfing.

Vor vier Jahren nahm er mit einer Sondergenehmigung erstmals am Halbmarathon teil, bei dem die Altersgrenze normalerweise bei 16 Jahren liegt. "Damals konnte ich das Tempo nicht so richtig einschätzen." So habe er anfangs "getrödelt" und wurde gegen Ende des 21-Kilometer-Laufs immer schneller. "Fürs erste Mal war es aber okay."

Im vergangenen Jahr wollte José Giese, der in Herdern wohnt und am Droste-Hülshoff-Gymnasium die zwölfte Klasse besucht, mit zwei Schulkameraden beim "S’Cool-Run" mitmachen. Bei dem Schülerstaffellauf gehen eigentlich sieben Läufer pro Team an den Start. Als die Kollegen krank wurden, lief José Giese die gesamten 21 Kilometer einfach alleine – und wurde Dritter aller Schulstaffeln und Sieger aller 11. Klassen.

José Giese trainiert fast jeden Tag, entlang der Dreisam und auf dem Schlossberg nach St. Ottilien ebenso wie auf dem Laufband im Fitnessstudio. "Es gibt Tage, da hat man keine Lust. Wenn man dann doch gelaufen ist, fühlt man sich gut." Mittlerweile hat er sich schon auf unterschiedlich langen Distanzen ausprobiert, allein in diesem Jahr ist er schon bei fünf Rennen an den Start gegangen, und der Halbmarathon übermorgen soll längst nicht der letzte Lauf dieses Jahres gewesen sein.

Sein Ziel am Sonntag: die 21 Kilometer in 1:16 Stunden schaffen. "Ich hoffe, es klappt und ich schieße mir damit nicht selbst ins Bein." Wichtig sei ihm, nicht einzubrechen "und eine gute Performance hinzulegen". Im Januar hat er mit dem Training für den Halbmarathon angefangen, dabei hält er sich an einen Trainingsplan aus dem Laufbuch von Olympiateilnehmer Herbert Steffny. Die Idee: Das Training ist gut dosiert, harte Übungstage wechseln mit lockeren ab. In dieser Woche hat er zwei Ruhetage eingelegt, morgen will er nur noch eine halbe Stunde die "Beine bewegen". Der Sonntag ist für ihn ein Highlight. "Hier stehen so viele Menschen am Straßenrand."

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[Fotos: Thomas Kunz]