Freiburg Marathon 2012: Marathon-Momente

Mehr als 10.000 Läufer waren heute beim Freiburg Marathon auf der Strecke. Fünf Marathonmomente vom Straßenrand bei Südbadens größten Laufevent.



Kilometer 0, Messe Freiburg, 10:45 Uhr

Während sich die Läufer noch warm machen, dehnen, trinken und für ihre Fans posen, versammeln sich die Handbiker schon an der Startlinie. Sie machen den Anfang des Freiburger Marathons. Die Stimmung ist schon jetzt auf Party eingestellt. Die Sonne scheint und die Luft ist klar. Der Parkplatz und die Seitenstraßen sind von Autos und Fahrrädern schon gut gefüllt. Einige scheinen sogar hier übernachtet zu haben. Auf der Startbahn bereiten sich die Teilnehmer vor, lassen sich drücken und machen Fotos. Aus den Lautsprechern am Messegelände erklingt Shakira mit „Waka waka“. Organisatoren und Security, egal wer jetzt die Startlinie überschreitet, wird von einer La Ola-Welle der Umstehenden begrüßt.

Überall sitzen Teilnehmer am Straßenrand, essen Bananen und schnüren ihre Schuhe. Über ihren Köpfen fliegen Luftballons und Banner, die die Läufer motivieren wollen. Noch wenige Minuten, dann geht’s los. Der Moderator bittet den ersten Startblock sich schon einmal bereit zu machen. [Dana]

Kilometer 3, Zähringer Straße, 11:16 Uhr



Zutreffend, aber irgendwie auch böse.

Kilometer 11/22, Sandfangweg



Seit zehn, eine Stunde vor dem Startschuss durch Ex-Bürgermeister Prof. Dr. Martin Haag an der Messe, wird an der Sandfangbrücke schon getrommelt, mit zweifellos problematischen Auswirkungen auf die geistige Gesundheit der Anwohner. Als erstes trudeln hier, auf etwas halber Strecke, rund eine halbe Stunde später die Profis ein, mit nach rund zehn Kilometern immer noch beeindruckend flottem Tempo. Die angenehme Kühle trägt auch mit dazu bei, dass Gesichter und Achseln noch frisch sind. Das Feld wird aber schnell heterogener.

Während einige noch entspannt auf Nasenatmung laufen, ziehen sich bei anderen die Lippen schon zum Erschöpfungszähneblecken zurück. Hochrote Köpfe, ein Panoptikum der Verausgabung. Präorgasmisch gelöste Gesichter, andere ruhig-konzentriert, andere, die in sich blicken als würden sie blind unter dem Sofa nach irgendetwas tasten, wieder andere, die plötzlich in den Moment zurückgerissen werden und den schlagartig fokussierten Blick unangenehm berührt ins Publikum werfen.

Radlerhosen, Leggings, pornöse 80er-Jahre-Fußballer-Hotpants. Behaarte Beine. Der sparsame Langstreckenläufergang, bei dem die Füße so nahe wie möglich am Boden bleiben und die Knie nie ganz durchgestreckt werden. Immer wieder pflichtbewußtes „Hopp hopp hopp!“ und „Subber!“ aus dem Publikum. Die endlose Fleischlawine ist seltsam hypnotisch, oder vielleicht sind es die nervtötenden Trommeln. Gelegentlich trifft mich eine saure Schweißfahne.

Auf der Dreieckswiese grillen einige unter den blühenden Bäumen und feuern die Vorbeilaufenden an, jovial-hilfreich oder sadistisch, man weiß es nicht. George Grosz hätte Großartiges aus diesem Material gemacht. So sind sie, der Sport, die Menschheit. Um vierzehn Uhr wird immer noch getrommelt. [Philipp]

Kilometer 18/36, Lehener Straße Ecke Kreuzstraße, 14:30 Uhr



Dumpfe, monotone Trommelschläge begleiten die wenigen Läufer, die sich durch den Stühlinger quälen. Starr und konzentriert schauen sie auf die Straße oder die Beine des Vordermannes. Ihre Gesichter sind schmerzverzerrt. Aus den tiefliegenden Augen und scharfgezogenen Mundfalten lässt sich die körperliche Anstrengung ablesen. Manche haben erst 18, einige bereits 36 Kilometer in den Beinen. Der Mann mit dem Hammer macht sich durch Winken bemerkbar. Nur wenige Zuschauer stehen bereit, um ihn mit lautem Johlen und Klatschen zu vertreiben. [Bernhard]

Kilometer 20/40, Kaiserstuhlstraße Ecke Friedhofstraße, 11:30 bis 13 Uhr



An der Ecke Kaiserstuhlstraße – Friedhofstraße ist es gegen 11:30 Uhr noch frühlingshaft frisch, aber die Sonne wärmt schon langsam die Straßen. Die Stimmung bei den Streckenposten und der Polizei ist entspannt, die Zuschauer sammeln sich langsam am Straßenrand und zücken ihre Kameras.
Zuerst kommen die Liegeradler. Ein unachtsamer Zuschauer, der gerade über die Straße huscht, wird von einem Fahrer zur Seite gebrüllt. Mit großer Spannung werden hier, wo es das letzte Stück Müsliriegel oder Banane für den Endspurt gibt, aber die Läufer erwartet. Als der erste Läufer kommt, wird er frenetisch bejubelt und angefeuert.

Das nachfolgende Läuferfeld bekommt ebenfalls viel Applaus und Ermutigung. Vereinzelt werden Namen gerufen, woraufhin aber nicht alle Sportler reagieren. Einige biegen wie in Trance um die Ecke und sammeln noch mal alle Kräfte für die Schlussgerade. Das Geräusch der zertretenen Trinkbecher ist allgegenwärtig.

Gleich ist es geschafft.
Egal, welche Platzierung, jeder kämpft noch mal für seine eigene Bestzeit.  Der Respekt der Zuschauer vor dieser Leistung ist sowieso jedem Läufer sicher.  [Hendrik]

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