Klimaschutz

Freiburg kann seine Klimaziele nicht schneller erreichen

Manuel Fritsch

Fridays for Future hat von der Stadt gefordert, die Klimaziele von 2050 auf 2030 vorzuziehen. Die Verwaltung hat jetzt wissenschaftlich prüfen lassen, ob das möglich ist. Das Ergebnis ist ernüchternd.

Die Stadtverwaltung hat ein Klima- und Artenschutzmanifest erarbeitet, durch das die Bemühungen um den Klimaschutz nochmals verstärkt werden sollen. Das Manifest ist Freiburgs Gegenentwurf zum Klimanotstand, den andere Gemeinden ausgerufen haben. Darüber hinaus hat die Verwaltung prüfen lassen, ob sie ihre Klimaziele, wie von Fridays for Future (FFF) gefordert, nicht auch schon früher erfüllen kann. Das Ergebnis: ernüchternd.


Im Dezember soll das Konzept dem Gemeinderat vorgelegt werden

Freiburg pflegt seinen Ruf als Green-City. Auch in Zeiten, in denen der Umweltschutz an allen Ecken und Enden gepredigt wird, will Freiburg seine Vorreiterrolle nicht verlieren. Den "Freiburger Weg" nennt Oberbürgermeister Martin Horn, was seine Verwaltung nun vorbereitet hat: Mit einem Klima- und Artenschutzkonzept sollen Stadtverwaltung und Gemeinderat sich eine Selbstverpflichtung auferlegen, die den Klimaschutz als zentralen Bereich des Handelns definiert und alle Projekte auch auf ihre Auswirkungen auf das Klima abklopft. Den Auftrag dazu hatte die Verwaltung vom Gemeinderat auf Anregung der Grünen-Fraktion bekommen. Das Konzept wird nun in den Ausschüssen vorberaten. Im Dezember soll es im Gemeinderat vorgelegt werden.

"Wir haben die Forderungen von Fridays for Future als erste Kommune in Deutschland wissenschaftlich überprüfen lassen." Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn
Schon im Frühjahr hatte sich die Stadt mit der Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes ehrgeizige Ziele gesteckt: Bis 2035 sollte der CO2-Ausstoß um 60 Prozent reduziert werden und bis 2050 soll die Stadt klimaneutral sein. Allerdings hatte die Fraktion der Grünen im Zuge der Klimadiskussion und der immer stärker werdenden Fridays for Future-Demonstrationen gefordert, zu prüfen, ob die Ziele nicht auch schon früher erreicht werden können. Das hat die Verwaltung nun getan.

Externe Faktoren spielen beim Erreichen der Klimaziele eine große Rolle

"Wir haben die Forderungen von Fridays for Future als erste Kommune in Deutschland wissenschaftlich überprüfen lassen", sagt Horn. Das Öko- und das Ifeu-Institut sollten prüfen, ob Freiburg das Ziel von FFF erreichen kann, schon bis 2035 klimaneutral zu werden.

Die ernüchternde Antwort stellten Stadtverwaltung und Ifeu-Büro am Montag vor: Freiburg kann das aus eigener Kraft nicht schaffen. Zu sehr hänge die Stadt von externen Faktoren ab – auf den Strommix in Deutschland zum Beispiel hat Freiburg als Kommune keinen Einfluss. Aber auch in anderen Feldern wird die Stadt sich nicht im benötigten Umfang entwickeln können. So müsste die Sanierungsquote von derzeit 1,6 Prozent auf fünf Prozent steigen. Das heißt, dass der komplette Freiburger Häuserbestand in 20 Jahren einmal saniert werden müsste.

"Keine Stadt in Deutschland hat jemals auch nur eine Sanierungsquote von zwei Prozent erreicht", erklärte der Leiter des Umweltschutzamtes, Klaus von Zahn. Das große Problem seien dabei die Mietwohnungen. Je mehr saniert wird, desto mehr steigen auch die Mieten – auf welche Proteste das stoßen kann, war unlängst an der Quäkerstraße zu sehen, wo ein Sanierungsprojekt der Baugenossenschaft Familienheim wegen sozialer Bedenken vorerst gestoppt wurde.

Geprüft werden sollen neue Verkehrskonzepte und ein Verbot von Schottergärten

Im Zuge des Klima- und Artenschutzkonzeptes hat sich die Verwaltung strategische und operative Maßnahmen vorgenommen. Strategisch sollen etwa die Nutzung von Geothermie geprüft oder ein Landschaftspflegetrupp eingerichtet werden. In den operativen Bereich gehören die Einrichtung einer neuen Radvorrangroute (FR3) oder ein Verbot von Schottergärten und die Verpflichtung, bei Neubauten Photovoltaikanlagen anzubringen.

So will Freiburg seinen Beitrag dazu leisten, dass die Klimaziele so schnell wie möglich erfüllt werden – auch wenn es klar ist, dass das nicht in der gewünschten Geschwindigkeit passieren wird. "Wir wissen, dass wir das nicht schaffen können", so Horn, "wir wollen damit aber auch ein deutliches Zeichen in Richtung Bund setzen."

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