Freiburg kann international, Freiburg kann Festival: Kommentar zur Sea You 2014

Bernhard Amelung

fudder-Autor Bernhard Amelung ist Experte für elektronische Tanzmusik, sein Blog keep-it-deep gehört in dieser Sparte zu den maßgeblichen, unkommerziellen in Deutschland. Für fudder war Bernhard auf der Sea You am Tunisee. Sein Fazit: Freiburg kann Festival.



Mit Pillow Talk eröffnete eine Elektronika-Band den Sonntag, die sich zwischen Hype und Hipster-Hysterie bewegt. Am Samstag spielten der frisch mit dem Echo-Kritikerpreis ausgezeichnete DJ Koze, Techno-Legende Richie Hawtin und Nina Kraviz, eine in Russland geborene, weltweit umschwärmte Grand Dame und zugleich Femme Fatale der Techno-Szene. Zu ihren Sets tanzten Gäste aus den Niederlande, Frankreich und Italien neben Raverinnen und Ravern aus ganz Südbaden.


Die erste Auflage des Techno-Festivals „Sea You“ hat am Wochenende gezeigt: Freiburg kann international, Freiburg kann Festival. Zwei Faktoren haben dazu wesentlich beigetragen. Mit der Ludwigshafener Agentur Cosmopop hat ein Veranstalter Fuß gefasst, der rund 20 Jahre Erfahrung mit der Organisation von Techno-Großevents mitbringt. Allen voran sind dabei die Time Warp-Partys zu nennen, die seit 1994 einmal im Jahr in Mannheim, seit 2005 auch im europäischen Ausland stattfinden.

Das hat sich auf der „Sea You“ unter anderem in der technischen Ausstattung der Bühnen niedergeschlagen. Besonders die Musikanlage auf der „Float“-Stage überzeugte mit ihrem enormen Bassdruck. Die Mitten klangen trotzdem warm und die Höhen waren klar. Das hat sich auch in der Personalfülle gezeigt. Unnötig lange Wartezeiten gab es zu keiner Zeit, weder an den Bars noch an den Cateringständen.

Zudem hat die Agentur Cosmopop der „Sea You“ ihren musikalischen Stempel aufgedrückt. Dieser trägt den Begriff Techno. Damit kehrt das Festival zu seinem musikalischen Ursprung zurück – auch wenn ein Robin Schulz im Zirkuszelt für einen vielleicht verzichtbaren Weichspüler-Moment sorgte.

Kritik an der Organisation kam vor allem im sozialen Netzwerk Facebook auf. "Schöne Lage, aber beengte Platzverhältnisse", lautete das Fazit vieler Gäste zum Campingplatz, der mit durchschnittlich 2,5 Quadratmeter pro Person tatsächlich zu knapp ausgelegt war. Viele Besucher beanstandeten auch die sanitären Anlagen. "Zu wenig Duschen, keine Wasserklos, eklig war das", schrieben sie.

Wesentliche Punkte, die es zukünftig zu beachten gilt; wesentliche Punkte, zu denen die Veranstalter bereits zwei Tage nach Ende des Festivals ausführlich Stellung genommen und umfangreiche Verbesserungen für das nächste Jahr angekündigt haben. Die schnelle, kompetente Reaktion zeigt: Cosmopop kann Kommunikation.

Mit der ersten Auflage der „Sea You“ haben die Ludwigshafener eine Grundlage geschaffen, auf der sie in den kommenden Jahren hoffentlich aufbauen werden. Es ist der Region Freiburg zu wünschen, dass eine Veranstaltung dieser Größenordnung einmal im Jahr stattfinden kann - und Menschen von unterschiedlicher Herkunft für zwei, drei Tage friedlich vereint.  

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[Foto: Miroslav Dakov]