"Freiburg ist wie Urlaub machen", Rapper Fatoni tritt am Freitag im Jazzhaus auf

Felix Klingel

Fatoni ist der beste deutsche Rapper der Welt. Das steht zumindest auf seiner Facebookseite. So ganz Unrecht könnte er damit nicht haben: fudder hat mit ihm trotzdem über seinen schlechtesten Auftritt gesprochen – und seinen Bezug zu Freiburg.

Fatoni, du spielst am Freitag deine einzige Clubshow 2018 – womit hat Freiburg das verdient?

Das hat zwei Gründe. Erstens haben wir es nie so wirklich nach Freiburg geschafft auf den Touren. Deshalb habe ich schon länger mal gesagt wir müssen da hin. Und jetzt spielen wir zufällig am nächsten Tag in der Schweiz auf einem Festival, und dann hat sich das angeboten.

Das ist das ewige Freiburger Schicksal der Abgelegenheit – es kommen so wenige Künstler vorbei …

… ja, man spielt dann eben in Stuttgart und das war’s dann.

Hast du einen persönlichen Bezug zu Freiburg?

Das letzte Mal als ich da war, habe ich zusammen mit Dexter ein Video hier gedreht. Die Leute von der Produktionsfirma Dugly Habits sind ja Freiburger. Ich bin aus Berlin hingeflogen und dort war das Wetter noch richtig eklig. In Freiburg war dann schon Sommer. Also saß ich mit Dexter in einem Café und habe Weißweinschorle getrunken. Freiburg ist irgendwie wie Urlaub machen.

Video: Fatoni & Dexter – Das ist alles Kunst (gedreht von Dugly Habits)



Kennst du jemanden aus der Freiburger Hip-Hop Szene?

Ehrlich gesagt: Ne!

Zeitgleich zu deinem Konzert findet in Freiburg eine Hip-Hop Jam statt, mit Open-Mic, Breakdance und so weiter. Sind das so Veranstaltungen, auf denen du früher in München auch rumgehangen bist?

Ja, auf jeden Fall. Auf so Sachen habe ich die ersten Konzerte gespielt, da habe ich angefangen zu rappen, so bin ich sozialisiert.

Der Name der Veranstaltung ist "Lifestyle ov da Poor" – nach dem Album von Big L. Auf Facebook gab es da eine kleine Streiterei, ob es OK ist, eine Jam in Deutschland so zu nennen. Abgesehen davon, ob das inhaltlich OK ist, war die Diskussion ziemlich verbissen – kennst du das auch aus deiner Rap-Sozialisation, dass sich die Szene da sehr ernst nimmt und auf Realness bedacht ist?

Ja, aber so war ich nie. Für mich persönlich ist das auch ein Missverständnis. Real heißt ja nicht dass man brutal oder ernst sein muss. Realness definiert sich für mich ganz anders: Ich bin auf jeden Fall nicht krass und hart im echten Leben, dann kann ich so auch nicht in der Musik sein. Das ist für mich Real. Es geht um Echtheit und Authentizität.

Video: Fatoni & Dexter – Authitenzität



Vergangenes Jahr hast du im Vorprogramm bei Casper und den Beatsteaks gespielt - wie oft rappt man da in ausdruckslose Gesichter?

Das passiert natürlich schon. Ich habe teilweise sehr viele große Hallen gespielt, da sieht man die Leute und ihre ausdruckslosen Gesichter oft nicht (lacht).

Casper oder Beatsteaks – bei wem war es einfacher das Publikum zu bekommen?

Casper-Fans sind schon sehr offen und lieb. Und eben auch sehr jung. Wenn Casper mich dann gut findet, finden die mich eben auch erst mal gut. Bei den Beatsteaks war es dann aber auch cooler, als man denken würde. Klar, die Leute mögen das Genre vielleicht nicht unbedingt und sagen: Ich bin auf ein Rock-Konzert gegangen – was soll das? Aber die Beatsteaks sind ja Rap-Fans und haben ihre Fans da ein bisschen erzogen.

Was war das schlimmste Konzert?

Das war glaube ich Deichkind. Die habe ich mal im Ruhrpott supportet, in einer riesigen Halle, fast schon ein Stadion …

… und alle waren auf Abfeiern programmiert?

Jap, alle schon so: SAUFEN!, PARTY!, BIERHELM! Das war dann schwierig.

Du bist für das Goethe-Institut nach Japan geflogen, um dort aufzutreten. Deine Musik lebt ja vom Sprachwitz, den man aber erst mal verstehen muss. Wie waren die Auftritte dort?

Die waren schon ein bisschen trashig, muss man sagen (lacht). Das war absolut anders und weird. Klar, da versteht einen keiner, da habe ich mich auch gefragt, ob die Leute danach wirklich mehr Lust auf deutsche Kultur haben. Ich weiß es nicht.

Video: Fatoni – Schlafentzug



Kann man von solchen Konzerten noch etwas lernen oder mitnehmen?

Ich mach des jetzt schon so lange, und habe so viele Arten von Konzerten gespielt. Juse Ju, mit dem ich in Japan war, und ich haben gefühlt alles gesehen, und wir feiern dann so Momente, wenn es komplett schiefgeht. Gerade wenn es auf der anderen Seite der Welt ist. Es hat mich ein bisschen an die Anfänge erinnert: Die ersten Konzerte waren eigentlich ähnlich. Da hat man vor Leuten gespielt, die nicht gecheckt haben, was man eigentlich will, obwohl sie die Sprache verstanden haben.

Vor ein paar Wochen hast du auf Twitter geschrieben: "Ohne Netflix hätte ich schon ein halbes Album geschrieben" – Kommt bald wieder was Solo von dir?

Ja, ich arbeite an einem Album. Das kommt jetzt nicht die nächsten Monate, aber es gibt schon einen Plan. Ist nur die Frage, ob er eingehalten wird.
Fatoni (bürgerlich Anton Schneider) ist ein deutscher Rapper aus München, der inzwischen in Berlin lebt. Seine Rap-Anfänge machte er mit der Münchner Combo Creme Fresh, danach war er kurz Mitglied bei der Brass-Rap-Formation Moop Mama, um dann aber Solo-Pfade einzuschlagen. Sein aktuelles Album "Alle Liebe Nachträglich" hat er mit der Suttgarter Sängerin Mine aufgenommen.

Was: Fatoni mit DJ V.Raeter
Wann: Freitag, 1. Juni, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus Freiburg
Tickets: BZ-Ticket