Spitzenplatz verloren

Freiburg ist nicht mehr die jüngste Stadt im Südwesten

Christian Engel

Zwei Nachrichten, eine gute, eine schlechte. Die schlechte zuerst: Freiburg ist nicht mehr die jüngste Stadt Deutschlands. Die gute: Freiburg liegt immerhin noch vor Stuttgart.

Heidelberg hat Freiburg als jüngste Kommune abgelöst. Und das schon vor zwei Jahren, ohne dass es hier in der Stadt jemand mitbekommen hat. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat aktuelle Zahlen herausgebracht, die allerdings von 2016 sind. Da steht es Schwarz auf Weiß: In Freiburg sind die Menschen im Schnitt 39,9 Jahre alt, in Heidelberg gerade mal 39,7.


Seit 1995 wird über den Altersschnitt Statistik geführt. Damals startete Freiburg weit hinten, auf Platz 134 mit einem Schnitt von 38,8 Jahren. Heidelberg (Platz 186/Alter 39,4) lag damals deutlich abgeschlagen hinter Südbadens Hauptstadt und noch viel weiter hinter Cloppenburg, das mit jugendlich-frischen 35,1 Jahren Spitzenreiter war. 2013 schwang sich Freiburg (39,8) auf den Thron, dort ruhte es sich ein paar Jahre aus. Bis der Absturz kam.



Man ist zwar immerhin noch anderthalb Jahre jünger als Stuttgart und zweieinhalb Jahre jünger als der Bundesschnitt aus 401 Stadt- und Landkreisen, aber die Krone ist weg. Die Frage ist: Was macht Heidelberg besser als Freiburg?

Zuerst einmal ist auffällig, dass die Universitätsstadt Nordbadens die Universitätsstadt Südbadens universitär gesehen deutlich abhängt: In Heidelberg ist jeder Vierte der 160.000 Einwohner eingeschrieben, in Freiburg ist es jeder Siebte (33.000 von 230.000) – die meisten Studentinnen und Studenten senken in der Regel den Altersschnitt einer Stadt.

"Festivitäten planen wir jedenfalls keine." Timm Herre, Sprecher Heidelbergs
Das mit den Studenten wird der Hauptgrund sein, weshalb Heidelberg jünger ist als Freiburg. Aber möglicherweise mag auch der Punkt "familienattraktive Stadt" eine Rolle spielen. Freiburg hat doppelt so viele Schulen wie Heidelberg (69 versus 35) – allerdings strömen in Heidelberg jährlich 48 Millionen Euro in den Schulbetrieb, während in Freiburg 13 Millionen plätschern. Auch bei den Kitas – für die eine oder andere Familie ja nicht gerade unbedeutend – hinkt Freiburg dem nordbadischen Jungspund in einem Punkt ordentlich hinterher: Laut Zahlen der jeweiligen städtischen Pressereferate werden in Heidelberg 51,3 Prozent der Kinder unter drei Jahren mit einem Platz in einer Kita versorgt – in Freiburg sind es 44 Prozent.

Und ja: Auch die Höhe der Miete dürfte manch einem jungen Menschen wichtig sein. Laut dem Immobilienvermittler wohnungsboerse.net liegt der Mietspiegel in Freiburg bei 13,72 Euro pro Quadratmeter, in Heidelberg bei 12,53. Und laut studenten-wg.de zahlt man in Freiburg im Schnitt 394 Euro für ein WG-Zimmer, in Heidelberg gerade einmal 378.

Das Landesamt für Statistik kommt übrigens auf andere Zahlen als das Bundesamt für Bauwesen, weil es ein anderes Rechenverfahren anwendet. Aber auch dort steht Freiburg aktuell mit 40,4 Jahren hinter Heidelberg (40,2) – der Landesschnitt beträgt 43,4 Jahre. Dennoch, sagt Werner Brachat-Schwarzer vom Statistischen Landesamt mit Sitz im alten Stuttgart, sei die Alterung der Bevölkerung in Freiburg jüngst äußerst günstig verlaufen: "Der starke Zuzug vor allem von vielen jungen Menschen hat dazu geführt, dass sich das Durchschnittsalter in den letzten Jahren praktisch nicht weiter erhöht hat."

Die Stadt Heidelberg ordnet den Sprung an die Spitze als "Momentaufnahme" ein, wie Pressesprecher Timm Herre mitteilt. "Festivitäten planen wir jedenfalls keine."