"Freiburg ist echt dankbar, was Satire angeht!": Interview mit den Machern von "Freiburg Heute"

Konstantin Görlich

"Studie enthüllt: Freiburg ist immer noch nicht wie Berlin" oder "Archäologen bestätigen: Freiburg war früher schwäbisch" – so lauten Schlagzeilen auf freiburgheute.de, einem neuen Satire-Magazin aus und für Freiburg. fudder-Autor Konstantin Görlich hat das lustige Paar getroffen, das dahinter steckt:



Ursprünglich kommt sie aus Stuttgart, also aus Schwaben: Franziska Schneider (29), Dozentin am Institut für Skandinavistik in Freiburg. Gemeinsam mit Christoph Kretschmer (27), Mediengestalter und Programmierer in Karlsruhe, betreibt sie seit Ende April freiburgheute.de, ein Magazin mit satirischen Nachrichten aus Freiburg und darüber hinaus. Ihr ambitioniertes Ziel: ein neuer Artikel pro Tag.


Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?

Franzi: Es war eine Schnaps- beziehunsweise eine Rotweinidee an einem sehr verregneten Wochenende, als wir beide bei mir in der Wohnung rumhingen. Da hab ich die Geschichte mit dem Kaugummi erzählt. Eigentlich war es kein Kaugummi, sondern eine Zigarettenkippe, die ich irgendwann mal weggeworfen hab und dann hörte ich hinter mir eine ältere Frau sagen: "Sie haben hier was verloren!", und dann trug die mir diese Zigarettenkippe nach.

Typisch Freiburg?

Franzi: Ja. Schon. Das ist mir nirgendwo anders passiert und ich hab schon viele Zigarettenkippen in Deutschland und Europa verloren. Diese Geschichte jedenfalls hab ich erzählt und dann sind wir darauf gekommen, daß man da Satire draus machen kann.

Chris: Freiburg ist echt dankbar, was Satire angeht.

Franzi: Das ist es, definitiv.

Ihr kommt ja selbst nicht aus Freiburg: Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Franzi: Ich wohne erst seit einem halben Jahr in Freiburg, und Chris gar nicht. Vielleicht haben wir da noch so ein kleines bisschen den Blick des Fremden auf die Eigenheiten, die einem Ur-Freiburger gar nicht mehr auffallen.

Chris: Wobei, daß muss man dazu sagen, wir haben auch von Ur-Freiburgern sehr positives Feedback bekommen.

Franzi: Richtig! Einer meiner Kollegen ist ein - ich glaube man nennt es Bobbele - also ein gebürtiger Freiburger. Der einzige Artikel, über den er nicht lachen konnte, war der mit der Spätzlepresse. Damit war er aber nicht alleine.

Ihr hattet ja auch ein paar Texte, die nichts mit Freiburg zu tun hatten.

Franzi: Wir wollten erstmal mit dem Freiburg-spezifischen Schwerpunkt anfangen, um die Leute zu käschen, die hier wohnen und sich darin auch wiedererkennen, aber das Ziel ist, den Rahmen ein bisschen zu erweitern.

Chris: Es gibt ja auch noch andere Städte! Karlsruheheute.de ist vielleicht auch irgendwann mal interessant.

Seid Ihr über Freiburg zur Satire gekommen, oder habt Ihr anderweitig schon Kontakt damit gehabt?

Franzi: Wir lesen beide begeistert den Postillion und gucken freudig die heute-show, aber das wars dann auch. Freiburgheute.de ist das Pilotprojekt.

Was unterscheidet Euch vom Postillon, wo könnt Ihr besser oder anders sein?

Chris: Die Reichweite vom Postillon ist gigantisch!

Franzi: Ein Vorteil von uns ist, dass wir diese freiburgspezifischen Themen haben. Da ist die Reichweite natürlich nicht so groß, aber ich glaub der Wiedererkennungswert bei den Lesern, die auch hier wohnen, der ist größer. Gerade bei dem Kaugummi-Artikel haben ganz viele Leute zu mir gesagt: "Ja, das ist das personifizierte Freiburg". Ich glaub das ist das, was uns vom Postillion unterscheidet und uns ein bisschen persönlicher macht.

Chris: Sollten wir in die überregionalen Gefilde vorstoßen, ergibt sich das mit der Reichweite irgendwann.

Der Postillon-Vergleich passt aber, oder?

Franzi: Der Vergleich passt. Also wir haben jetzt nicht gesagt, wir wollen einen Postillon für Freiburg machen. Auch das Design der Homepage ergab sich eigentlich automatisch, als wir gesehen haben, hey, der Postillon benutzt auch Wordpress.

Chris: Naja, eigentlich haben wir uns angeschaut, wie die klassischen Zeitungsseiten aussehen. Und die sehen eigentlich alle durch die Bank weg scheiße aus. Und da haben wir uns dann entschlossen, hey  ...

Franzi: ... hey, wir machen auch 'ne Seite, die scheiße aussieht.

Ist Euch das gelungen?

Franzi: Nein, die Seite sieht top aus!

Wie gehts weiter, thematisch? Wo bekommt Ihr Eure Themen her? Zufällig? Habt Ihr ne Content-Strategie?

Franzi: Nee, Strategien gibts überhaupt keine! Wenn wir abends telefonieren, ist es ganz oft so, dass ich irgendwas erzähle, was an der Uni passiert ist oder so, und dann von einem von uns kommt, "Hey, da müssen wir einen Artikel draus machen!".

Chris: Einer von uns formuliert dann direkt die Schlagzeile.

Franzi. Ja, genau. Ganz am Anfang gings uns beiden so, dass wir nur noch in Artikelschlagzeilen gedacht haben. Das war sehr lustig. Oder dass wir nachts um drei im Bett uns noch kaputtgelacht haben, weil wir nicht aufhören konnten, uns Artikel auszudenken.

Chris: Es ist ein Selbstläufer. Wenn man erstmal anfängt, in diesen Kategorien zu denken, dann kommen die Themen von alleine.

Franzi: Was auch cool ist, ist dass wir von andern Leuten Ideen bekommen. Das kommt jetzt so langsam. Leute, die auch gesagt haben: "Hey, kann ich nicht mal einen Gastbeitrag schreiben?"

Apropos Gastbeiträge: Wer ist der ominöse JW?

Franzi: Der ominöse JW möchte gerne anonym bleiben.

Chris: Aber der Name ist der Redaktion bekannt.

War dieses Interview Satire, oder habt Ihr alles ernstgemeint?

Franzi: Haben wir so gewirkt, als ob wir das ernst meinen?

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