Freiburg im Fernsehen (3): Die Toten vom Schwarzwald

Jennifer Borrmann

"Die Toten vom Schwarzwald", so der Name des "Fernsehfilms der Woche", der gestern zur Primetime im ZDF gelaufen ist. Ob es sich lohnt, den Thriller mit heimatlichen Drehorten nachträglich im Internet zu gucken, versucht Jenni nun zu beurteilen.



Der Film beginnt beklemmend: dunkle Waldaufnahmen, stark bewölkter Himmel über dem eigentlich so friedlichen Schwarzwaldtal in Kombination mit an Bäumen festgebundenen Teilen von Tierskeletten, mystischer Musik und Nebel. Ein Auto fährt durch den eben abgefilmten, unheimlichen Wald. Katharina Auerbach (Anna Schudt) sitzt neben Lehrerin Inka (Nadja Uhl), die sie per Mitfahrgelegenheit auf dem Weg von Stuttgart in ein kleines Dorf im fiktiven Holltal in der Nähe von Freiburg mitgenommen hat. Inka hat das Gefühl, die Frau zu kennen, die während eines Stopps im Wald spurlos verschwindet. Die Dorfpolizei sucht, findet aber keine Spur.


Kurz darauf kommt Kriminaltechniker Matthias Auerbach (Heino Ferch) dort an, der Ex-Mann der Verschwundenen. Er ist Leiter der Forensischen Abteilung des LKA Baden-Württemberg und man hat den Eindruck, dass Autor und Regisseur Thorsten Näter ein wenig zu viel „CSI“ geschaut hat. Denn sofort, als die Dorfpolizei keine Anhaltspunkte findet, kommt Herr Auerbach mit fluoreszierendem Licht, ein paar Spritzern einer außergewöhnlichen Flüssigkeit hier und ein paar Q-Tipp-Abstrichen dort, was ihn zur Einsicht bringt, dass seine Frau hier gewesen sein muss.

Er stößt jedoch nicht nur auf Ablehnung, sondern auf eine regelrechte Verschwörung der Dorfgemeinschaft, als er eine skelettierte Leiche findet, die dieselbe DNA aufweist wie Katharina und seit bereits zwei Jahren rumliegt. Nach und nach deckt er gemeinsam mit Inka ein Geheimnis auf, in dem uralter Aberglaube und moderne, kommerzielle Interessen eine geheimnisvolle Mischung eingehen wollen und sollen – dies gelingt aber, gelinde gesagt, nur bedingt.

Zwischen Feldberg und Aftersteg

Kulissen waren dieses Mal unter anderem das Oberlandesgericht in der Salzstraße in Freiburg, der Evangelische Stift, die Uniklinik, die Schlossberggarage, eine Halle in der Ganterbrauerei, die Wiehre und die Gegend um Todtnau, Aftersteg und Feldberg. Producerin Nina Lenze freute sich, als sie „den ersten Mustern (des Films) sah, dass unsere Phantasie mit der Wahl des Drehortes im Einklang stand.“

Der Dreh zum sogenannten Mysterythriller war vor allem auf dem Feldberg mehrmals von Unwetterwarnungen umgeben und brachte so bereits während des Drehs die erforderliche und gewollte Atmosphäre mit.



Auf die Frage, was Thorsten Näter an der Geschichte fasziniert habe, antwortet er mit einem Rückgriff auf zwei Bedürfnisse, die gedeckt werden sollen: das eine nach Wirklichkeit und das andere nach Illusion. „Die Toten vom Schwarzwald“ sei für ihn in diesem Sinne ein fantastischer Film. Mystische Märchen, angeblich hinterwäldlerischer Aberglaube, unchristliche Bräuche und geheimnisvolle Erscheinungen verbunden mit der richtigen geographischen Lage, hier den "Zwillingsfelsen", sollen das Fantastische im Film ausmachen.

Leider hat die verworrene Geschichte nicht wirklich funktioniert. Ein düsteres Gegenstück zum friedlichen Schwarzwaldbild anderer Heimatfilme konnte nicht ganz gelingen, vor allem durch die Zitate aus amerikanischen Krimiserien, aber auch wegen unecht wirkenden Szenen, wie die in einem Motel, das einem völlig fehl am Platz vorkommen muss. Im Gegensatz zu vorherigen „Freiburg im Fernsehen“-Produktionen kann man sich hier aber endlich mal über halbwegs authentische Mundart der Dorfbewohner freuen.

[Fotos: ZDF / dpa]