Freiburg im Fernsehen (1): Schwarzwaldliebe

Jennifer Bormann

Unsere schnuckelige Heimatstadt und das sie umgebende Idyll werden immer wieder zur Kulisse für größere und kleinere Kino- und Fernsehproduktionen. fudder Kino-Fachfrau Jenni wird sich in unregelmäßiger Reihenfolge dieser Produktionen annehmen und sie für Euch rezensieren. Heute: Die ARD-Schmonzette "Schwarzwaldliebe", die am Freitag zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Ob es sich lohnt, für die Wiederholung morgen vormittag krank zu feiern:



Ich bin eine heimliche Anhängerin von Heimatfilmen wie dem 1950er-Jahre „Immenhof“-Dreiteiler. Gerne verbringe ich auch mal den Sonntagnachmittag mit dem „Schwarzwaldmädel“. Und da habe ich mir gedacht: Es kann so schlimm nicht sein, dass ich an einem Freitagabend ein Werk mit dem verheißungsvollen Titel „Schwarzwaldliebe“ anschauen sollte.


Gerne verstecke ich mein Bedürfnis, diese scheinbar oberflächlichen Heimatfilme anzusehen, auch mal hinter einem wissenschaftlichen Forschungsinteresse, wenn „Grün ist die Heide“ vor allem im Hinblick auf die westdeutsche Nachkriegszeit mit Themenbereichen wie Wiederbewaffnung und Vertreibung analysiert wird. Nicht ohne Apfelstrudel, Vanilleeis oder Chips versteht sich. Aber was sich vergangenen Freitagabend um 20:15 Uhr auf dem ARD-Fernsehbildschirm abspielte, überstieg auch meine allerschlimmsten Befürchtungen. Es war ein Abstieg in die Untiefen des unverständlichen Unsinns der Fernsehverblödung.

Die ehrgeizige Stuttgarter Anwältin Elisabeth von Holbach (Claudine Wilde) arbeitet für die korrupte Großkanzlei, die dem kleinen Bauern aus St. Peter, Karl Lindner (Timothy Peach), den Hof abkaufen und darauf einen Parkplatz bauen möchte. Karl ist der einzige in der Umgebung, der noch nicht verkauft hat. Mit seinen Eltern, Franz (Siegfried Rauch, der einzige, dem man seine Rolle abnimmt) und Getrude (Barbara Focke), die nichts sehnlicher wünschen, als einmal den Benedikt in Rom zu besuchen, bildet er das Familienidyll und schuftet sich den Buckel krumm.

Da kommt die Frau mit dem Adelsnamen in roten Stöckelschuhen und bleibt gleich mal im Schlamm stecken, als sie aus ihrem schicken Cabrio steigt. Sodann wird sie gleich vom Traktor abgeschleppt und alles nimmt seinen herzallerliebsten natürlichen Lauf... Der Gegensatz ist derart platt auf Stadt-Land, Gut-Böse, Vereinsamung-Familie, Zweiteiler-Blümchenkleid gestrickt, dass einem selbst schwarz-weiß-Malerei vorkommt wie fein nuancierte Grautöne.

Einziges Highlight sind 5 Sekunden Freiburg: ein Geschäft für Arbeitskleidung wird gezeigt, das in der Salzstraße neben der „Buchhandlung zum Wetzstein“ sein soll. Hier schreitet Claudine Wilde heraus und zwar im karierten Hemd und mit blauer Latzhose, so wie man sich halt anzieht auf einem Bauernhof. Nebenbei bemerkt sitzt der Bauer Karl dafür immer in seinem Lederjackett auf dem Traktor.

Wenn man denn schon Filme sieht, die umliegende Orte zeigen, achtet man auf kleine Details: Also warum haben die Autos in St. Peter das Kennzeichen von Freudenstadt? Und bitte: man spricht hier badisch und nicht schwäbisch. Auch wenn der Dialektcoach hier wesentlich besser gearbeitet hat als fürs Bärbele im „Schwarzwaldmädel“ – es ist einfach der falsche Dialekt.

Ich könnte jetzt mit Redewendungen kommen wie: Schöne Landschaftsaufnahmen waren ihren Preis wert und trösten über die schlechte Geschichte und Darstellung hinweg... es reicht aber leider bei weitem nicht aus. Warum die Produktionsfirma Ziegler-Film ("Korczak", "Suche impotenten Mann fürs Leben", "Unkenrufe") eine derart tiefsinnige Geschichte unterstützte und was das wohl über (forcierten) Publikumsgeschmack aussagt?

An alle GEZ-Zahler und glücklichen Fernsehgerätbesitzer – so bekommt ihr euer Geld zurück: Eine Wiederholung gibt’s nämlich morgen, am Dienstag um 10:30 Uhr, in der ARD – vielleicht erträgt es sich zum Katerfrühstück für alle noch in den Semesterferien befindlichen im Halbschlaf einigermaßen...

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[Bild: ARD Degeto/Markus Fenchel]