Freiburg, Hamburg, Leipzig: Die große Wanderung der Fußball-Bundesliga

Veit-Lorenz Cornelis

SC-Keeper Oli Baumann geht nach Hoffenheim, RB Leipzig erhält eine Lizenz für die 2. Bundesliga und Hamburg spielt gegen den Abstieg an. All das beschwört bei Fußball-Philosoph Veit-Lorenz Cornelis Bilder herauf: Die Bundesliga als große Tierwanderung.



Ich schaue diese wunderbare Dokumentationsreihe "Planet Erde" – und sehe das grauenhaft Schöne. Nicht die Aufnahmen des ewigen Kreislaufs des "fressen und gefressen werden" sind es, die mich diese Nacht unruhig einschlafen lassen. Es sind meine metaphorischen Bilder im Kopf.


Diese große Staubwolke, die jedes Jahr eine der größten Tierwanderungen der Erde hinterlässt, erinnert mich irgendwie an ... nun gut ... sie erinnern mich an: Fußball. Als hätte die Woche mit der endgültigen Zusage Oliver Baumanns an die TSG aus Hoffenheim nicht schon genug Unruhe in mein Innerstes gebracht, lese ich gestern pünktlich zum Anpfiff des Relegationsspieles zwischen dem HSV und den Fürthern in den Sportmeldungen des Videotextes: "RB Leipzig erhält Lizenz"

Und prompt tauchen sie auf – diese Bilder aus der Serengeti. Diese riesige Staubwolke, die alles verschlingt, die jede Sicht verhindert. Diese Bild ist nicht hässlich, ich möchte keinem Leipziger und Hamburger an dieser Stelle zu Nahe treten, doch ohne Gefahr vollzieht sich auch die seit tausenden von Jahren stattfindende Massenwanderung nicht.

Das ewige Dürsten nach Wasser, so könnte man dieses metaphorische Bild umschreiben, zwingt nun auch den Bullen aus Leipzig in die (nun ja, vorerst) 2. Bundesliga. Doch auch dieser Bulle, kann sich nicht ohne Zutun des Menschen einfach auf seinen Weg machen. Der Eingriff mehrerer Menschen (manche behaupten auch ein Mensch genüge), zwingt sich als fader Beigeschmack auf.

Und Hamburg? Das gestrige Spiel war nicht das, was man erwartet hat von diesem „Naturspektakel“ HSV, denn immerhin kreist diese Wanderung seit über 50 Jahren in der Bundesliga. Droht nun dieser Dinosaurier auszusterben? Wie kann ein bereits ausgestorbenes Tier eigentlich nochmal aussterben?

Mal sind sie in der Hansestadt erfolgreich zur Wasserquelle gekommen doch eigentlich seit Jahren abhängig von einer künstlichen Tränke gespeist aus Menschenhand. Das Paradigma der Zusammenarbeit Hilfe zur Selbsthilfe seit Jahren beiseite geschoben um der totalen Abhängigkeit zu verfallen. Ein Abstieg als Neuanfang? Nicht doch – vermutlich redet man in Hamburg ab Sonntag wieder von der Champions League.

Die Wanderungen der Bundesliga gehen weiter. Leipzig hoch in die 2. Bundesliga, direkt hinein in die Kameralinse der Naturfilmer und Beobachter. Hamburg – was auch immer am Sonntag geschieht – vermutlich ohne den Gedanken an Nachhaltigkeit. Völlig im Auftrag des Fußball-Massentourismus. Der ökologische Raum Bundesliga ist ohnehin nicht mehr naturbelassen, sagen die einen. Wir müssen das Aussterben der Kleinen und Kleinsten verhindern, sagen die anderen.

Ich empfehle euch: Betrachtet die Urlaubsbilder der Saison. Zunächst die des SC Freiburg. Später die des HSV. Und ich sage euch: Ihr wollt immer wieder zurück ins Fußball-Biotop Freiburg. Rückblickend ist so ein Urlaub im Übrigen immer noch schöner!

Und wem das alles zu viel ist – dem empfehle ich "Planet Erde". Einfach herrlich!



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[Foto: dpa / hotocreo Bednarek - Fotolia.com]