Freiburg gegen Stuttgart: Derbysieg mit Anlaufschwierigkeiten

Joel Ibrahim

23.000 Fans strömten am Samstag bei sommerlich, warmen Temperaturen ins Dreisamstadion. Beim baden-württenbergischen Gipfeltreffen des SC Freiburg gegen VFB Stuttgart gewannen die Breisgauer mit 2:1.



Für viele war dieses Spiel bereits das wichtigste Spiel des Jahres. Und dann auch schon am Saisonanfang. Um die Welt noch schöner aussehen zu lassen, siegte der Sportclub nach Anlaufschwierigkeiten mit 2:1 (0:1). Die Treffer erzielten Papis Demba Cissé (58.) und Julian Schuster (71.), Pavel Progrebnyak (27.) ließ den VfB kurzeitig jubeln.


Es begann alles sehr verhalten. Als der angekündigte Drei-Waggon-Sonderzug aus Stuttgart am späten Mittag in Littenweiler hielt, hatte die Deutsche Bahn einen Strich durch die Rechnung gemacht: Mit 14 € war das Einzel-Ticket von Schwaben nach Baden zu hoch veranschlagt, sodass die meisten Fans lieber mit dem BW-Ticket/Schönes-Wochenend-Ticket in kleinen Grüppchen anreisten. Aus besagtem Zug stiegen nur circa 100 Stuttgarter Fans, die „Scheiß Badenser, scheiß Badenser, hey, hey!“ rufend zum Stadion zogen. Und auch dort ließ bis auf graue Stellwände und rostige Sperrgitter sowie eine geschätzt doppelt so große Polizeitruppe als üblich wenig auf ein hoch emotionales Derby schließen. Sven* und Timo*, zwei Anhänger des VfB, meinten, dass das Spiel zwar schon was Besonderes sei, normalerweise aber nur der Karlsruher SC als richtiger Rivale gelte und heute sowieso nur ein Sieg zähle. „Sonst“, fügten sie hinzu, „stehen wir da wie Schalke.“

Am Dreisamufer hinter der Nordtribüne war die Stimmung schon eine andere, wenn auch immer noch ausbaufähig. Heiß war der SC-Fan aufs Derby allemal, entsprechend die Vorfreude, den VFB am Saisonanfang in die Krise zu schießen. 120% forderte Jan* vorab von seinen Mit-Stehern. Gegen St.Pauli sei zu wenig Stimmung gewesen.

Wie am ersten Spieltag gab es wieder eine zauberhafte Choreografie von den Wilden Jungs Freiburg zu bestaunen. Mit einem Meer aus gelb-rot-gelben Fahnen zeigten die Freiburger ihre Bereitschaft fürs Derby. Den Absperrzaun zum Spielfeld zierte ein riesiges Südbaden-Spruchband. Wer - als Minuten vor Anpfiff dazu das Badner Lied erklang - immer noch keine Gänsehaut hatte, war selbst Schuld. Natürlich wurde das Ganze von einem Pfeifkonzert aus dem Gästeblock begleitet. Das Derby war eröffnet.

Und die Männer auf dem Spielfeld gaben auch gleich Vollgas. Keine fünf Minuten waren gespielt, da musste einer erstmal zeigen, dass er auch in der Bundesliga "Schwalbenkönig" werden möchte: VfB-Neuzugang Maro Camoranesi, italienischer Nationalspieler, zuletzt in Diensten von Juventus Turin. Das müsste als Begründung ausreichen. Die Freiburger setzten lieber spielerische Ausrufezeichen, Jonathan Jäger traf nach wunderschöner Kombination aber leider nur den Pfosten (5.). Georg Niedermeier setzte nach einer Viertel Stunde per Direktabnahme die Kugel zum Alu-Ausgleich an die Latte.


Die Stuttgarter wirkten in der ersten Hälfte fortan zielstrebiger, Freiburg ließ den Zug zum Tor vermissen, einzig Cissé mit seinen drei geschossenen Ligatoren strahlte etwas Torgefahr aus. Dann lagen die „Red Boys“ nach 25 gespielten Minuten auch noch in Rückstand. Pavel Progrebnyak hatte per Kopf getroffen. Der SC-Derby-Turbo war immer noch nicht gezündet und der Gästeblock war noch zu oft zu laut zu hören.
Das sollte sich ändern.



Butscher und Co präsentierten sich in Durchgang zwei aggressiv, mit Schwung nach vorne und erspielten sich zahlreiche Chancen. Noch wollten die Badener nicht recht dran glauben. Aber wie in jedem Spiel dieser noch frischen Saison zog ein ganz bestimmter die Kohlen aus dem Feuer: Papis Demba Cissé sorgte für den Ausgleich und die Nordtribüne kannte kein Halten mehr.

Brachten die Sportclub-Fans in der ersten Halbzeit zum Teil weniger kreative Sprechchöre heraus, wurde jetzt erst der Torschütze ausführlich und lautstark gefeiert. Dann konnte man sich wieder den immer kreativer werdenden Anti-Schwaben-Gesängen widmen.

Zum Glück aller SCler wussten diesmal auch noch andere in der Freiburger Mannschaft zu überzeugen. Zwar gefiel das ganze Team, einschließlich der eingewechselten Nicu, Yano und Toprak, doch sind der zweite Goalgetter Julian Schuster, der nach wunderschöner Butscher-Hackenvorlage und Distanzschuss traf wie auch der frisch gebackene U21-Nationalkeeper Oliver Baumann besonders hervorzuheben. Letzterer verdiente sich mit zahlreichen Glanzparaden die Bestnote.

Nach ein paar zittrigen Momenten in der Schlussphase und dem ersehnten Abpfiff blieb festzuhalten, dass sich der SC Freiburg verdient den Sieg gesichert hat. Die Badener waren einfach heißer auf das Derby. Der VfB darf sich wie schon im vergangenen Jahr auf einen Herbst im Tabellenkeller freuen. Über Baden lachte, zumindest am Samstag die Sonne, über Schwaben ...

Mehr dazu:

[Quelle: Fotos © dpa, joel ibrahim]