"Freiburg braucht einen Pumptrack!": Interview mit Nico Trautwein und Hannah Röther vom MTB-Verein

Vanja Tadic

"Die Fahrradstadt Freiburg braucht einen Pumptrack", finden Nico Trautwein und Hannah Röther vom Mountainbike Verein Freiburg. Sie setzen sich für den asphaltierten, geschlossenen Rundkurs aus Wellen, Kurven und Sprüngen ein. Was genau dahinter steckt, verraten sie uns im Interview.



Nico, Hannah, für Freiburg fordert ihr einen asphaltierten Pumptrack, also eine Wellenbahn mit Steilkurven fürs Fahrrad. Warum?

Nico: Bei Pumptracks gibt es kein Limit an Zielgruppen, er ist für jeden erfahrbar. Für Mountainbiker, BMXler, Skater, für Kids mit Laufrad. Es ist gut zum Üben, man hat schnell Erfolgserlebnisse, auch für eher unsportliche Kinder und es besteht keine Gefahr durch Straßenverkehr.

Hannah: Ein Pumptrack ist ein guter Treffpunkt in einem Viertel. Wir finden eine Fahrradstadt wie Freiburg braucht so etwas unbedingt. Und der Asphalt böte einfach eine super Schlecht-Wetter Alternative. Mit Erde ist das einfach zu pflegeaufwendig.

Gibt es Vorbilder für euer Modell?

Hannah: Unser großes Vorbild ist Stuttgart. Dort lebt Konrad Willar, der sich auf den Bau von Pumptracks spezialisiert hat. Durch ihn hatten wir die Idee. Für die Jugendlichen, mit denen er als Sozialarbeiter arbeitet, wollte er einen Pumptrack zugänglich machen und baute in einer Sommeraktion den ersten in Stuttgart. Dieser hatte so großen Erfolg, dass es jetzt fast in jedem Stadtteil Stuttgarts einen gibt.

Wie lange würde es dauern, so einen Pumptrack zu bauen?

Nico: Zwei bis drei Wochen, das ist ja nicht viel mehr als ein bisschen asphaltierte Strecke mit Grünflächen dazwischen.

Seit wann besteht eure Initiative für einen Pumptrack und was konntet ihr bisher erreichen?

Hannah: Seit letztem Jahr. Unser größter Erfolg war am vorvergangenen Wochenende bei "Jugend im Rathaus". Da hat das Jugendbüro für den Aktionstag eine mobile Pumptrack-Anlage gemietet. Die war ganz klein, aber hat dafür gereicht, um den Leuten und auch den Politikern zu zeigen, was wir überhaupt für Freiburg wollen.

Was sind Hindernisse und Probleme?

Nico: Das größte Hindernis ist es, den Grund und Boden für unser Projekt zu kriegen und eine Zustimmung zum Bebauen.

Hannah: Gerade in Freiburg, wo jedes Fleckchen grüne Erde ein Vermögen wert ist und eigentlich mit Häusern bebaut wird.

Was würde das kosten?


Hannah:
So eine Anlage ist verhältnismäßig billig: 60.000 bis 80.000 Euro. Unser Verein ist ziemlich groß und wächst immer mehr. Wir würden uns darum bemühen, öffentliche Gelder zu bekommen, sei es von der Stadt, Sportverbänden oder Stiftungen. Aber einen Teil können wir auch durch Spenden und Sponsoring bewältigen.

Was ist euch für euren Standort wichtig?

Nico: Zentral wäre natürlich cool. Ein Pumptrack kann zum Beispiel super in einen Park integriert werden. Vielleicht ein Platz, wo auch mal Touristen vorbei kommen, weil so ein Gelände Freiburg ja auch aufwertet.

Hannah: Was nicht passieren sollte, ist, dass der Track weit ab vom Schuss in ein Industriegebiet kommt, wo keine Kids hinkommen.

Wie groß soll die Anlage sein?

Hannah: Je größer die Anlage ist, desto abwechslungsreicher und interessanter bleibt sie auch für lange Zeit. Aber wir sind erstmal froh, wenn wir überhaupt einen Standort finden.

Welche Alternativen hat man dann hier als "Pumper"?


Hannah:
Eigentlich keine. Am Dietenbachgelände gibt es eine Bahn aus Erde, die sehr spezifisch für BMX-Sportler ist. Wenn man die Unterschiede nicht kennt, wird man oft auf dieses Gelände hingewiesen, das ist aber etwas ganz anderes. Das Gelände ist zudem eingezäunt, weil es einem Verein gehört und nicht für jeden öffentlich zugänglich ist.

Und über einen Pumptrack, wie ihr ihn euch wünscht, könnte ich mit einem normalen Rad drüber fahren?


Nico:
Ja klar. Jedes Zweirad kann da ganz geschmeidig rüber fahren. Das heißt, du kannst nach der Uni auch eine Runde mit Damenrad und Körbchen hintendrauf drehen. (lacht)

Was ist ein Pumptrack?

Ein Pumptrack ist ein geschlossener Rundkurs, gespickt mit Wellen und Steilkurven, durch den Fahrradfahrer nur mit der Verlagerung ihres Gewichts fahren können (pumpen). Nico Trautwein und Hannah Röther wünschen sich einen, der aspahltiert ist. Wie man einen solchen baut und wie das dann fertig aussieht, zeigt zum Beispiel dieses Video aus der schweizerischen Stadt Grenchen:



Zur Person



Nico Trautwein und Hanna Röther sind die Ansprechpartner einer Arbeitsgruppe des Mountainbikevereins Freiburg e.V. – ein Verein mit über 600 Mitgliedern, der sich für die Interessen der Freiburger Mountainbiker einsetzt und auch beim Bau der Freiburger Singletrails (Canadian und Borderline) stark beteiligt war.

Mehr dazu:

[Foto1, Symbolbild: Screenshot Video, Foto2: Vanja Tadic]