Polizeistatistik

Freiburg bleibt die Hauptstadt der Kriminalität im Land

Joachim Röderer (aktualisiert um 17.45 Uhr)

Die Lage hat sich nicht entscheidend verändert: Freiburg hat weiter die höchste Kriminalitätsrate in Baden-Württemberg. Immerhin ist die Zahl der Straftaten leicht gesunken – auch bei den Gewaltdelikten.

Sie liegt aber weiter über dem Zehn-Jahres-Durchschnitt. Deswegen sieht die Polizei auch noch keine Trendwende bei der Belastung durch Kriminalität. Die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen stieg auf 43,8 Prozent. Auch rund 1750 Asylbewerber wurden als Tatverdächtige ermittelt – das ist eine Zunahme von 50 Prozent gegenüber 2015.


Polizei sieht noch keine Trendwende

Zum Dauerthema "Sicherheit in der Stadt" lieferte die Polizei nun die aktuellen Zahlen aus der offiziellen Kriminalitätsstatistik für 2016. "Das subjektive Unsicherheitsgefühl, das viele Bürger haben, wird durch die Zahlen bestätigt", räumte Polizeipräsident Bernhard Rotzinger ein. Er präsentierte die neue Statistik gemeinsam mit seinen Stellvertretern Alfred Oschwald und Berthold Fingerlin sowie Kripochef Peter Egetemaier.



Zwar habe es einen leichten Rückgang um vier Prozent auf rund 27 300 Straftaten gegeben, das Minus liege aber statistisch noch nicht im relevanten Bereich. Klar ist auch: Freiburg bleibt die kriminellste Stadt im Land, was sich aus den Vergleichszahlen von Straftaten je 100 000 Einwohner ablesen lässt. Die Belastung durch Kriminalität ist in der Landeshauptstadt Stuttgart um ein Drittel niedriger als in Freiburg. Die Aufklärungsquote in Freiburg lag bei 59 Prozent und damit leicht unter Landesschnitt.

Die Straftaten-Statistik fürs vergangene Jahr liefert ein uneinheitliches Bild. Es gab weniger Taschen- und Ladendiebstähle sowie deutlich weniger Schwarzfahrer. Die Zahl der Körperverletzungen blieb in etwa konstant. Bei der Gewaltkriminalität registrierten die Ermittler einen Minirückgang um 36 auf 922 Fälle – auch das sind knapp vier Prozent. Raubüberfälle wurden 201 registriert, neun weniger als 2015. Trotzdem bedeutet dieser Wert den zweithöchsten in der Zehn-Jahresübersicht. 46 Prozent der Raubüberfälle konnten 2016 aufgeklärt werden.

Sehr deutlich zugenommen haben im vergangenen Jahr die Straftaten gegen das Leben – von acht auf 15 Fälle. Das ist ein einsamer Zehn-Jahres-Höchstwert. Die Sexualdelikte stiegen um 14 auf 138 Fälle. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang registrierte die Polizei im Vorjahr wieder mehr Einbrüche in Freiburg. 446 Fälle stehen in der Statistik, 50 mehr als 2015 – obwohl die Polizei einen Schwerpunkt bei der Einbrecherjagd gesetzt hat. Die Aufklärungsquote liegt nur bei rund 8 Prozent. Am stärksten betroffen waren die Stadtteile Wiehre, Stühlinger, Betzenhausen und Haslach.

Hoffen auf die Wirkung der Sicherheitspartnerschaft

Einen neuen Höchstwert hat die Zahl der ausländischen Tatverdächtigen erreicht – mit nun fast 43 Prozent. Dabei gibt es weniger tatverdächtige Ausländer mit legalem Aufenthaltsstatus – aber eben deutlich mehr Flüchtlinge, gegen die ermittelt wurde (ohne Ausländerrechtsverstöße). Sie seien bei allen Deliktgruppen in der Statistik vertreten – von leichten bis schweren Straftaten, so Polizeipräsident Rotzinger. Von den 579 sogenannten Rohheitsdelikten, an denen Asylsuchende beteiligt waren, haben sich 43 Prozent innerhalb der Asylunterkunft abgespielt.



Wie geht es weiter? "Wir werden daran arbeiten, die Situation zu verbessern", sagt der Polizeipräsident. Er setzt auf die Sicherheitspartnerschaft zwischen Stadt und Land und auf mehr Personal, das der Innenminister schickt. Bernhard Rotzinger hält es auch für wichtig, dass die Sanktionskette funktioniert. Dass nämlich die Verfahren von der Justiz auch zeitnah behandelt werden. Der Polizeichef sieht durchaus eine Sanktionslücke: Die verhängten Bewährungsstrafen würden von den Delinquenten oft nicht als echte Strafe empfunden: "Vielleicht sollte es so etwas wie Probesitzen geben – vier Wochen Gefängnis, danach Bewährung."

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