Gemeinderat

Freiburg bekommt ein öffentliches Leihsystem für Fahrräder

James Röderer

Mit einer knappen Mehrheit hat der Gemeinderat entschieden: Freiburg bekommt einen öffentlichen Fahrradverleih. Gegner des Verleihs argumentieren, er sei zu teuer und überflüssig.

Mit 24 zu 20 Stimmen hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Dienstagabend nach kontroverser Debatte ein öffentliches Fahrradverleihsystem beschlossen – so wie es dies in vielen Städten weltweit bereits gibt. Einheimische, Pendler und Touristen sollen sich dann an 55 Stationen im Stadtgebiet Räder leihen können. Der Service soll an die Freiburger Verkehrs-AG angedockt werden. Der jährliche Zuschussbedarf für die Stadt soll bei rund 300000 Euro liegen. Das Geld soll aus dem Bettensteuer-Topf genommen werden.


Sinnvoll und notwendig für eine "Green City" und Vorbildstadt wie Freiburg, sagten die einen. Überflüssig, teuer und mit wackliger Finanzierung, argumentierten die anderen. In der Debatte gab es im Gemeinderat einen kräftigen Schlagabtausch. Am Ende setzten sich die Befürworter durch.

Freiburg kann auf die Erfahrung anderer Städte zurückgreifen

Baubürgermeister Martin Haag hatte den öffentlichen Fahrradverleih als optimale Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr beschrieben und als weiteren Baustein umweltfreundlicher Mobilität in Freiburg. "Wir können so die bestehenden Angebote sinnvoll ergänzen", so Haag. Dabei könne Freiburg nun auch auf die Erfahrung anderer Städte zurückgreifen. Das System werde einen Mehrwert für den Tourismus bringen.

Grünen-Stadtrat Helmut Thoma verwies auf die Analyse der Verwaltung: "Die Vorreiterstadt Freiburg braucht so etwas." Die Stadt, so Thoma, biete aufgrund ihrer Größe und ihrer Topographie ideale Rahmenbedingungen für solche Leihräder-Stationen. Sein Fazit: "Wir sollten die Sache jetzt ins Rollen bringen." Dem pflichtete auch Stefan Schillinger (SPD) bei. Freiburg habe immer mehr Einwohner, mehr Arbeitsplätze, mehr Touristen – da brauche es so ein Leihsystem schon deswegen, um den Verkehrskollaps zu vermeiden.

Uneinheitliche Abstimmung in den Fraktionen

Ergün Bulut (Unabhängige Listen) verwies darauf, dass in Städten wie Amsterdam, Barcelona oder Aschaffenburg ein solches Leihsystem längst Teil der Normalität des öffentlichen Nahverkehrs sei. Die UL stimmten aber ebenso uneinheitlich ab wie die Fraktion JPG. Dabei ging es, wie Monika Stein sagte, auch um die Finanzierung durch die Bettensteuer, die aber noch nicht sicher verbucht werden kann, solange eine Klage dies verhindert: "Und diese Bettensteuer wurde bislang eher schon mehrfach verplant", so Stein.

Deutliche Gegenworte kamen von CDU-Stadtrat Martin Kotterer. Auch er verwies auf die unsichere Finanzierung – es sei eine Wette auf die Zukunft. Und er bezweifelte, ob wirklich Bedarf für so ein Angebot bestehe. Schließlich sei die Stadt schon jetzt Spitzenreiter bei der Fahrradnutzung. Es gebe ja auch bereits einen funktionierenden Fahrradverleih. Gerlinde Schrempp (Freiburg Lebenswert / Für Freiburg) vermisste Informationen, wo denn in der Stadt 55 Leihstationen platziert werden sollten: "Es gibt ja schon jetzt zu wenig Abstellplätze." Erst einmal sollte dieses Problem gelöst werden. Johannes Gröger (Freie Wähler) sprach ebenfalls von einer Sättigung in Freiburg, was Fahrräder anbelangt. Und alle Stadtteile seien zudem optimal mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar.

Mehr zum Thema: