Online-Marketing

Frederic Siebold macht als "Influencer Werbung" für Hotels

Joshua Kocher

Reisen und damit Geld verdienen – für Frederic Siebold aus Bickensohl ist dieser Traum wahr geworden. Der 29-Jährige arbeitet als sogenannter "Influencer". Seine Abenteuer werden auf Instagram von über 100.000 Menschen verfolgt.

Doch was für seine Follower nur nach Spaß aussieht, ist harte Arbeit und bedarf einer guten Planung.

Die Geschichte begann, als Siebold 2012 seine Koffer packte und zu einem Auslandssemester nach Perth im Westen Australiens aufbrach. Nach dem Abitur am Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasium hatte der Bickensohler zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Semester des Studiengangs "Onlinemedien" an der Hochschule Furtwangen absolviert. Der Aufenthalt "Down Under" sollte der Beginn einer folgenreichen Reisebegeisterung sein. "Ich wollte mehr und mehr von der Welt sehen", sagt der Kaiserstühler heute.


Ein ganzes Jahr lang unterwegs

Nach einer über dreimonatigen Reise durch Bali, Malaysia und Thailand brach Frederic Siebold zu seinem bisher größten Abenteuer auf. Ein ganzes Jahr lang bereiste er Vietnam, Kambodscha, Thailand, Malaysia, Indonesien und Australien. Zu dieser Zeit begann Siebold auch damit, unter dem Namen travel_fred vermehrt Bilder von seiner Reise auf die Foto-App Instagram hochzuladen. Zu Beginn verbreitete er Tipps, wo man gut essen kann, welche Strände einen Besuch wert sind und welche Reiserouten am praktischsten sind. Zu diesem Zeitpunkt folgten ihm bereits knapp 1000 Menschen.
Auf der Insel Koh Tao traf er auf Tom. Der war ebenfalls Reisender und wagte gemeinsam mit Siebold den Versuch, auf den Reisen mit Hotels zusammenzuarbeiten und mit Hilfe ihrer Fotografie-Künste freie Kost und Logis zu bekommen. Der Traum eines jeden Backpackers: Reisen und mit den geschossenen Bildern den Lebensunterhalt meistern.



Da ihre Bilder inzwischen im Netz große Beachtung fanden, erkannten die örtlichen Hotels das Potenzial, um über die Beiden auf sich aufmerksam zu machen. In den folgenden 30 Nächten in Thailand musste Siebold nur fünf bezahlen, die restlichen Nächte sponserten die Hotels. Weiter ging es auf Bali. Auch dort musste er so gut wie nichts für die Übernachtungen zahlen. Im Gegenzug verbrachte er seine Tage damit, Bilder von den Resorts zu schießen und diese im Internet hochzuladen. Ausgerüstet mit einer Spiegelreflexkamera, einer GoPro-Actioncam und einer Drohne boten sich völlig neue Perspektiven. Siebold fand sich nun in der virtuellen Welt der "Influencer" wieder.
Influencer – Lukrativer Nebenjob?

Ganz einfach Geld verdienen mit Werbung für Reisen, Klamotten und Sneakers – Influencer ist der vermeintliche Traumjob einer ganzen Generation. Die Idee, Markenbotschafter einzusetzen, ist alt. Schon Thomas Gottschalk warb für Süßwaren, Franz Beckenbauer für Fertigsuppen. Neu beim Influencer-Marketing ist, dass Unternehmen Social-Media-Stars ansprechen, um deren Reichweite in den sozialen Netzwerken für die eigene Werbebotschaft zu nutzen. Die Szene scheint jedoch ernüchtert, seit bekannt wird, wie Influencer Reichweite mit gekauften Followern künstlich aufbauschen. Auch das Dauerproblem der Kennzeichnung von Werbebeiträgen bleibt ungeklärt. Und zuletzt kommt manche Influencer-Kampagne so plump daher, dass die potentielle Zielgruppe sich darüber lustig macht - wie erst vor wenigen Wochen über einen Waschmittelhersteller (#coralliebtdeinekleidung).

Influencer Marketing ist immer noch Marketing

Das Influencer-Marketing erscheint für den Follower wie das reine Paradies. Doch dahinter steckt harte Arbeit und kann unter Umständen sehr anstrengend sein, wie Siebold beschreibt. "Viele meiner Freunde denken oft, ich reise nur. Nicht alle sehen, dass da auch eine Menge Arbeit dahintersteckt." Die Rahmenbedingungen müssen perfekt sein, häufig arbeitete er über zwölf Stunden, rechnet man das Verfassen von E-Mails und die Planung hinzu. Meist steht der Globetrotter in Kontakt mit zehn bis 15 Hotels entlang seiner Reiseroute. Auch ist nicht alles erledigt, wenn das Bild einmal auf der Plattform steht. Es muss auch Reichweite "erzeugt werden", sprich, dass möglichst viele Menschen die Bilder zu sehen bekommen.

Aus seiner Studienzeit brachte er das Vorwissen für Marketing, Videoschnitt und Bildbearbeitung mit. In mehreren Praktika drehte er bereits Imagefilme für größere Firmen wie Bosch oder Siemens. "Es darf nicht wie Werbung aussehen", sagt er. Neben Bildern von Hotels schießt er deshalb auch Surf- und Naturbilder. "Das wollen die Leute sehen", sagt Siebold.

Durch seine Bilder erzeugt er inzwischen eine Reichweite, die für Hotels effizienter sein kann, als Werbung in Katalogen zu schalten. Vier von fünf Deutschen holen sich vor ihrem Urlaub über soziale Medien Informationen ein. Deshalb kommen die Hotels inzwischen von sich aus auf ihn zu. "Ich lasse mich inzwischen für meine kompletten Reisen bezahlen", sagt er. Die Hotels übernehmen Flüge, zahlen für Unterkunft und Verpflegung und inzwischen bekommt er als Reiseprofi sogar Bares obendrauf. Auf Bali gelang es ihm einmal, 38 Nächte am Stück mit Hotels zusammenzuarbeiten. Danach war erst einmal eine Auszeit nötig. Siebold kennt niemanden, der ihm das bisher gleichgetan hat.
Inzwischen arbeiten einige der besten Hotels der Länder mit ihm zusammen – die Aufträge kann er sich häufig aussuchen. Das teuerste Hotel, das er je besuchen durfte, kostete 1000 Euro die Nacht und bot neben privater Villa auch einen eigenen Butler. An den Abenden trifft er sich häufig mit den Geschäftsführern der Hotels auf ein Essen oder einen Drink – viele zeigen Interesse an seiner Erfahrung.



Frederic hat mittlerweile Kooperationen mit großen Firmen

Auch große Firmen wie Samsung, Trivago oder GoPro arbeiten heute mit ihm zusammen. Ab und zu berät er auch Hotels, wie sie ihren Social-Media-Auftritt verbessern können, um von mehr Menschen gesehen zu werden. "Gerade könnte es nicht besser laufen. Ich kann gut davon leben", sagt der weltläufige Bickensohler. "Vor neun Monaten hätte ich mir nicht erträumen können, jetzt hier zu stehen. Ich habe es geschafft, meine Leidenschaft mit meinem Beruf zu verknüpfen." Die rasante Entwicklung im Internet lässt eine langfristige Planung zwar nicht zu, doch es sei viel möglich, wenn man den Markt kenne, sagt er. "Irgendwann will ich auch sesshaft werden und von diesem Ort aus zu kürzeren Reisen aufbrechen" – seine Wohnung in Deutschland hat er seit 2013 nicht mehr.

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