Neues Angebot

Frauenhorizonte bietet jetzt auch Onlineberatung zu sexualisierter Gewalt

Carolin Buchheim

Frauen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, finden bei Frauenhorizonte qualifizierte Beratung und Begleitung. Jetzt wurde das Angebot ausgeweitet: Frauen können sich nun auch online beraten lassen.

Beratung übers Netz gab es bei Frauenhorizonte bisher nicht. "E-Mail war für uns immer ein zu unsicheres Medium", sagt Pia Kuchenmüller, Pressesprecherin von Frauenhorizonte. Die neue Onlineberatung funktioniert anonym und ohne E-Mail-Adresse; Frauen können sich mit selbstgewählten Anmeldedaten auf frauenhorizonte.de registrieren und dann schriftlich ihr Anliegen schildern. Innerhalb von 48 Stunden erhalten sie Antwort von einer der Fachberaterinnen. Beraten wird auf Deutsch, Englisch und Arabisch. Frauenhorizonte hofft, so auch geflüchtete Frauen besser erreichen zu können.


Die meisten Klientinnen sind Frauen zwischen 16 und 30 Jahren

Zwei Drittel der Frauen, die 2016 mit Frauenhorizonte in Kontakt waren, sind zwischen 16 und 30 Jahre. "Diese jungen Frauen machen fast alles übers Netz, haben ihr Handy immer dabei", sagt Kuchenmüller. "Da ist es auch sinnvoll, sie über das Netz zu beraten, wenn sie es wollen." Claudia Winker, Geschäftsführerin von Frauenhorizonte, kann sich auch andere Nutzerinnen vorstellen. "Ältere Frauen mit Gewalterfahrungen, die möglicherweise länger zurückliegen, die sie aber nicht loslassen, können sich so ganz in Ruhe mit ihren Erlebnissen auseinandersetzen." Schriftliche Kommunikation habe zudem den Vorteil, dass Erfahrungen, die mit Scham oder Tabus behaftet seien, leichter zur Sprache kommen könnten.

Die Software, mit der das neue Beratungsangebot läuft, wird unter anderem seit mehreren Jahren bei der Suizidberatung "U25" verwendet; das Onlineberatungs-Projekt bei Frauenhorizonte leitet Daniela Been, die zuvor "U25" fünf Jahre lang geleitet hat. Ein Exit-Knopf ermöglicht es Nutzerinnen mit einem Klick, die Seite zu verlassen – zum Beispiel, wenn plötzlich jemand in den Raum kommt.

Beratung, wenn man sie braucht

Als positiv erachtet Claudia Winker, dass Frauen bei der Onlineberatung viel Kontrolle haben. "Sie müssen sich durch das Einloggen aktiv dafür entscheiden, sich mit dem Thema zu beschäftigen", sagt Claudia Winker. "Wenn man eingeloggt ist, sieht man außerdem noch einmal alle seine Nachrichten vor sich, so reflektiert man auch den Beratungsprozess mit." Möchte eine Frau die Beratung vom Netz in die Beratungsstelle verlegen, kann sie das tun. "Soweit möglich, wird sich die gleiche Beraterin um sie kümmern, mit der sie auch schon online Kontakt hatte."

Egal ob es ein sexueller Übergriff ist oder ein ungutes Gefühl: Die Grundhaltung von Frauenhorizonte ist, dass Gewalt dort anfängt, wo eine persönliche Grenze überschritten wird. "Wo die Grenze überschritten wurde oder eine Tat die körperliche Selbstbestimmung verletzt hat, bestimmt die Frau selbst", sagt Winker. In akuten Notfällen sollen Frauen sich jedoch nicht an die Onlineberatung, sondern weiterhin an den 24-Stunden-Notruf unter 0761/2858585 wenden.
Frauenhorizonte

Basler Straße 8

0761/2858585

frauenhorizonte.de