Frauen im HipHop: Es geht auch anders

Elisabeth Jahn & Annabelle Steffes

Geld, Drogen, Autos, Sex, Frauen, das sind klassische Themen des Gangster-Raps. Die Frauen räkeln sich in den Videos dieser Männerdomäne halbnackt auf der Motorhaube irgendeiner Limousine und müssen vor allem eines: gut aussehen. Aber es geht auch anders. Das Portrait zweier selbstbewusster und erfolgreicher Hip-Hop-Künstlerinnen (mit Video).



Sarah Danzeisen, 24, aus Freiburg (

fudder-Profil) rappt, seit sie 16 ist. Die bestehenden Vorurteile gegenüber Frauen kennt sie daher bestens: „Entweder heißt es, Frauen können nicht rappen oder hätten eine miese Stimme oder aber man diskriminiert sie positiv.“


Auch Sarah bekommt noch manchmal zu hören, dass sie ja für eine Frau gar nicht so schlecht rappe. Doch auch wenn sie in ihrer vierköpfigen Band Rock Rainer (

fudder-Profil) das einzige Mädchen ist – für etwas Besonderes hält sie sich deswegen trotzdem nicht. „Ich bin genauso ein Mitglied wie die anderen. Ich rappe eben gern und liebe es, mit Worten zu spielen.“

Die junge Hip-Hop-Sängerin sagt, dass es in ihrem Bereich auch Vorteile haben kann, eine Frau zu sein. Schließlich wurden Sarahs jetzige Bandmitglieder bei einem Konzert auf sie aufmerksam, weil sie das einzige rappende Mädchen war. „Als mich die Jungs hörten, wollten sie mit mir zusammen rappen: einen sexistischen Text, aber auf Männer gemünzt!“

Auf gemeinsame Features folgte schließlich die Gründung der Band Rock Rainer. „Ich denke, für die Jungs bin ich – neben meinen musikalischen Qualitäten – als Frau in ihrer Band eine Art Allzweckwaffe, etwas, das andere Bands nicht haben.“



Und so texten sie gern auch mal Lieder über typische Mann-Frau-Themen. Wer dann den weiblichen Gesangspart übernimmt, ist klar. In „Lange nicht gesehen“ etwa rappt Sarah über einen Verflossenen:

„Machen wir uns nichts vor. Ich bin cool und das bist du leider nicht…ich wünsch dir noch’n schönes Leben, tschüß.“

Zu ernst nehmen sollte man die Texte von Rock Rainer nicht. Die meisten Lieder sind Parodien auf Klischees: ob nun der 80er Jahre Actionfilm oder der Wiener Adel.

„Damals, als ich noch 16 war, hab ich mich und die Hip-Hop Bewegung viel zu ernst genommen. Ich war so gekleidet, hab so geredet, einfach komplett szenetreu gelebt“, bekennt Sarah. Dabei habe sie auch versucht, die coolen Attitüden der Jungs zu kopieren.



Seitdem hat Sarah Danzeisen nicht nur ihre Baggypants gegen einen Rock eingetauscht, auch ihr Musikstil hat sich verändert. „Ich bin jetzt musikalisch viel freier. Auch wenn wir keinen reinen Hip Hop mehr machen, unsere Musik ist dafür vielfältiger.“ Sarah muntert andere Mädchen dazu auf, sich nicht von blöden Machosprüchen abschrecken zu lassen: „Ich habe nie darüber nachgedacht, ob ich da als Frau jetzt reinpasse oder nicht. Ich hab' es einfach durchgezogen.“

Nicht nur Rap, auch Break- und Street-Dance ist inzwischen keine Männerdomäne mehr. Das weiß auch die Tänzerin Magali Duclos. Die junge Französin hat sich ihre feste Position in der Pariser Hip-Hop-Szene über die Jahre hart erkämpft. Mittlerweile steht sie regelmäßig mit ihren eigenen Choreographien auf der Bühne. Doch bis dahin war es ein langer Weg.



„Von Anfang an hat mich diese Musik total fasziniert“, sagt Magali Duclos über den HipHop. Vor über zehn Jahren schaute sie zum ersten Mal bei einer HipHop-Battle zu. Das war die Initialzündung.

Bereits als kleines Kind hat sie angefangen, Ballett zu tanzen. Doch Magali hat der klassische Tanz nicht genügt. Sie hat dort die Individualität vermisst, fühlte sich nicht wohl im Tütü. Im HipHop konnte sie sich zum ersten Mal richtig ausleben. Und das entgegen aller Schwierigkeiten. Denn Frauen sind im HipHop immer noch in der Minderheit.

Auch wenn sich schon einiges geändert hat, müssen sich Frauen im HipHop immer noch gegen viele Vorurteile wehren. Oft wird ihnen nachgesagt, sie seien Emanzen oder einfach nicht feminin genug. Auf Magali trifft das jedenfalls nicht zu. Sie ist klein und feingliedrig, hat strahlend blaue Augen und langes, blondes Haar. Ihren Haaren räumt sie in ihren Choreographien sogar eine eigene Rolle ein. Sie stellt sie als selbstständige Kraft dar, zieht sich an ihnen durch den ganzen Raum.

Ihr Aussehen bringt Vor- und Nachteile mit sich, sagt Magali. Ihre Gegner neigen dazu, sie zu unterschätzen, wenn sie ihr hinter der Bühne begegnen. Am Ende sind sie dafür umso überraschter, wenn sie bei der Battle gegen eine Frau verlieren. Ohnehin hat man das Gefühl zwei verschiedenen Personen zu begegnen: Auf der Bühne strahlt Magali eine ungeheure Energie aus. Privat wirkt sie eher ruhig und schüchtern. Der Schein trügt.



Magali hat es geschafft. 2004 hat sie ihr erstes Projekt ins Leben gerufen und in Paris uraufgeführt. „Jeux d’enfants“ – „Kinderspiele“ ist eine Mischung aus HipHop-Tanz und Marionettentheater. Ihre Choreographien zeichnen sich durch große Experimentierfreudigkeit aus. Ihr letztes Projekt „Comment Shiva“ (2008) vereint Figuren aus dem Yoga mit roboterartigen Bewegungen des HipHop-Tanzes. Die Idee zu diesem Stück musste sie nicht erst lange suchen, schließlich macht sie momentan eine Ausbildung zur Yogalehrerin.

2004 wurde die französische Regisseurin Keira Maameri auf die junge Tänzerin aufmerksam. Sie schlug Magali vor, bei ihrem Dokumentarfilm über Frauen im Hip Hop mitzuwirken. Der Film „on s’accroche à nos rêves“ wurde im Februar 2009 auch im Kommunalen Kino der Stadt Freiburg gezeigt. Das Freiburger Publikum war nicht nur von dem Film begeistert, sondern auch von Magalis anschließender Tanzdarbietung.

Video: Magali Duclos und Frauen im HipHop (1:51 Min.)