Franziska Brantner über Facebook & Twitter: "Ich passe sehr auf, wie ich formuliere"

Fabian Fechner

Franziska Brantner ist derzeit noch grüne Abgeordnete im Europaparlament in Brüssel. Die gebürtige Lörracherin möchte bei der Wahl im September in den Bundestag einziehen. Die 33-jährige hat über 2200 Follower bei Twitter und fast 200 Abonnenten bei Facebook. Wie wichtig sind die sozialen Netzwerken für sie? fudder-Autor Fabian Fechner hat nachgefragt:



Frau Brantner, sie haben auf unsere Interview-Anfrage per Mail innerhalb eines Tages, am 23. Dezember, einem Sonntag, geantwortet. Ist es mehr Fluch oder mehr Segen, als Politiker heutzutage jederzeit über das Internet und soziale Netzwerke erreichbar zu sein?


Franziska Brantner:
(lacht) Wir arbeiten hier vier. Ich profitiere davon auch, ich nehme das nicht nur als Belastung wahr, gerade bei Facebook und Twitter.

Die Informationen, die man online bekommt, die so nicht in den Tageszeitungen stehen, sind für meine Arbeit eher eine Bereicherung. Es ist auch anstrengend, weil man ständig irgendwo Informationen bekommt und auch irgendwie reagieren muss, aber wenn man das einigermaßen gescheit steuert, geht das.

Es ist ja nicht so, dass ich mein Handy nie ausschalte, aber generell kriege ich da immer sehr viel mit. Viele sagen ja immer 'Oh Gott, oh Gott, jetzt muss man auch noch Facebook machen!', aber ich finde: wenn man es gescheit nutzt, kann man interessante Informationen zur Stimmung mitbekommen. Das gilt für Twitter erst recht.

Wie viele Bürgeranfragen bekommen sie denn über soziale Netzwerke?

Über Facebook kommen weniger Bürgeranfragen. Da kommen natürlich Kommentare, jemand postet einen Link, oder sagt, dass er einen im Fernehen gesehen hat und sagt: 'Das hat mir gefallen, Frau Brantner!' Von daher finde ich Facebook echt gut! (lacht)

Ich habe bisher auch Glück gehabt, weil ich bis jetzt noch keinen Shitstorm abbekommen habe. Ich pass' aber auch sehr auf, wie ich formuliere. Außerdem mache ich alles selbst. Ich weiß nicht, wie andere das handhaben, aber ich würde das nie aus der Kontrolle geben. Dafür finde ich das Medium zu brenzlig.

Ist Social Media als Kommunikationsmittel noch eine Einbahnstraße, oder funktioniert es auch in beide Richtungen?

Die Leute gehen schon häufig auf das ein, was ich poste oder twittere. Gerade bei Twitter funktioniert das gut. Da antworte ich dann eigentlich auch meistens, es sei denn es ist sehr abwegig. Ich antworte auf jede echte Frage, auf jeden ernstgemeinten Kommentar.

Bei Facebook driftet es oft ab in generelle Beschimpfungen, was man auf Twitter wesentlich weniger hat, dann antworte ich meistens einfach nicht. Als Politiker ist es besser, man ignoriert das.

Was kann ihrer Meinung nach der Beitrag von Social Media zur Demokratie im 21. Jahrhundert sein?

Social Media schafft eine Demokratisierung des Zugangs zu Informationen. Das trägt dazu bei, dass man nicht mehr so stark von den Machtmonopolen von einigen wenigen Zeitungen abhängig ist, und man bestimmte Informationen auch wesentlich mehr Leuten direkt kommunizieren kann.

Gerade in der Europapolitik ist das wichtig - Wir machen ja so viel, was in den Zeitungen gar nicht vorkommt!

Man hat damit einfach noch einen anderen Ort, an dem man sich einerseits Informationen holen kann und andererseits auch verbreiten kann. Aber es müssen auch immer Umgangsformen im Netz bestehen, die sich an demokratische Spielregeln halten, eben keine Verleumdungen. Man muss schon darauf bestehen, dass hier die gleichen Regeln gelten, wie im restlichen Leben.

Besteht nicht die Gefahr, dass sich dieselben politikinteressierten Leute in dieser selektiven Online-Welt allein mit den Ansichten beschäftigen, die sie hören wollen und keine neuen Menschen erreicht werden?

Das sehe ich nicht ganz so. Es ist schon so, dass mir tendenziell Leute folgen, die auch grüne Politik an sich interessant finden. Aber das sind ja trotzdem nicht unbedingt alles Mitglieder oder Leute, die ich so auch erreichen würde. Ich habe auch Follower von anderen Parteien.

Bei Shitstorms gibt es natürlich schon eine selbstverstärkende Tendenz, wo dann eine Dynamik entsteht, die dann nicht unbedingt repräsentativ ist.

Wie kann ein Like auf Facebook zum Gang an die Urne oder zum Kreisverband führen?

Das ist manchmal etwas schwieriger - und auch nicht unbedingt mein Ziel. Ich mache meine Facebook- und Twitter-Sachen nicht mit dem Ziel, dass die Leute dem Kreisverband beitreten. Ich mache eher für Veranstaltungen oder gezielte Aktionen Werbung. Das funktioniert auch manchmal, aber nicht immer.

Inwiefern muss man sich beim Umgang mit und der Nutzung von sozialen Netzwerken spezialisieren? Was bringt man auf Facebook, was auf Twitter?

Ich mache häufig schon ähnliche Sachen, formuliere sie aber etwas anders. Twitter eignet sich besser für ironische und lustige Kommentare. Es ist eher so, dass das was rein kommt unterschiedlich ist. Ich folge bei Twitter eher Leuten, die bei Facebook nichts schreiben, Journalisten zum Beispiel. Da werden Informationen verbreitet, die bekommt man auf Facebook nicht.

Sie haben ja eine gesamteuropäische Perspektive. Warum ist Twitter in Deutschland noch nicht so durchgestartet?

Im Vergleich zu Frankreich und England ist es in Deutschland echt wenig. Ich glaube viele machen den Fehler, dass sie am Anfang schreiben "Ich trink jetzt 'nen Kaffee". Und wenn man dann zu vielen Leuten folgt, die nur so schreiben, ist es natürlich totlangweilig.

Es gibt andere, denen zu folgen ist ein Genuss. Aber wenn man nur Leuten folgt, die nur Mist twittern und man ewig runterscrollt bis mal was Gutes kommt, dann lässt man es vielleicht relativ schnell auch sein.

Ich hab echt das Gefühl, dass man das gut managen muss. Man sollte auch nicht zu vielen Leuten folgen. Es gibt ja die goldene Twitter-Regel aus den USA: Für jeden, den du hinzufügst, musst du einen wieder wegnehmen und du darfst nie mehr als 400 haben, denen du folgst. Und viele deutsche Accounts halten sich überhaupt nicht an diese Regel.

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[Bild: PR]