Vor G7-Gipfel in Biarritz

Frankreich weist Radio Dreyeckland-Reporter aus

afp & BZ-Redaktion

Er wollte für den linksalternativen Freiburger Radiosender vom G7-Gipfel berichten. Die Behörden erteilen ein Aufenthaltsverbot – der Mann sei ein "linker Aktivist" und straffällig geworden.

Die französischen Behörden haben vor dem G7-Gipfel in Biarritz einen freien Mitarbeiter des Radiosenders Radio Dreyeckland ausgewiesen. Das französische Innenministerium teilte am Donnerstag mit, gegen den Deutschen liege seit dem 18. Juli ein Aufenthaltsverbot vor. Zu den Gründen dieses Verbots äußerte sich das Ministerium nicht. Der linksalternative Freiburger Sender Radio Dreyeckland protestierte "auf das Schärfste" gegen die Ausweisung seines freien Mitarbeiters.


Dieser habe geplant gehabt, für den Sender vom G7-Gipfel zu berichten. Er sei "ohne Bescheid und ohne Einräumen einer Frist unverzüglich ausgewiesen" worden. Als Begründung sei ihm mitgeteilt worden, er sei verdächtig, beim G20-Gipfel in Hamburg im Sommer 2017 Straftaten verübt zu haben.

Das französische Innenministerium wolle vor dem G7-Gipfel "störende Personen" aus dem Land entfernen

In einem auf der Website von Radio Dreyeckland abrufbaren Interview sagte der Reporter, das französische Innenministerium wolle vor dem G7-Gipfel "störende Personen" aus dem Land entfernen. Er sei nach einer Verkehrskontrolle festgenommen worden und habe fast 24 Stunden in einer Auslieferungszelle verbracht, weil er als "linker Aktivist" eingestuft worden sei. Danach habe man ihn in Hand- und Fußfesseln mit 160 Kilometern pro Stunde mit Blaulicht nach Kehl gefahren und dort abgesetzt.

Die französischen Polizisten hätten ihn darauf hingewiesen, dass er vor anderthalb Jahren in der Nähe des unterirdischen Atommüll-Endlagers in Bure im Département Meuse kontrolliert worden sei. Er darf nun bis zum 29. August nicht mehr nach Frankreich einreisen, obwohl er einen französischen Arbeitsvertrag hat. Um gegen das Aufenthaltsverbot vorzugehen, habe er eine Anwältin eingeschaltet. Die Behörden verhängten vor dem G7-Gipfel, der vom 24. bis 26. August in Biarritz stattfinden soll, drastische Sicherheitsmaßnahmen. Sie verwiesen auf eine Bedrohung durch "gewalttätige Gruppen".