Frank Brauns: Der Kickerkönig

Oliver Rath

Frank Brauns aus Freiburg gehört zur Weltelite des Tischfußballs. Auf der aktuellen Kicker Weltrangliste steht er auf Platz Drei. Im "Eimer" gab uns der 24-Jährige Auskunft - über kickernde Frauen, prügelnde Spieler und Schläuche am Stangengriff.



Frank, wie bist du zum Kickern gekommen?

Im Jahr 2000 habe ich in Breisach gelebt. Ich habe öfters in einer Kneipe verkehrt, in der gekickert wurde. Da spielten gute Amateure, die technisch was drauf hatten. Ich habe dort einmal pro Woche gespielt, bis es irgendwann zur Sucht wurde. Der Ehrgeiz packte mich. Ich wollte so schnell wie möglich zur Topelite gehören.

Hast du nur in der Kneipe trainiert?

Ja. Wir hatten den Deal, dass wir den Tisch stopfen durften. Wir mussten also nichts zahlen. Aber dafür haben wir da ja auch viel Geld da gelassen für Essen und Trinken.

Welche Kickertische sind im Freiburger Raum verbreitet?

Die von Löwen, heute Lehmacher, sind hier sehr verbreitet. Das sind aktuell auch die Tuniertische in Deutschland.



Wie bist du zum professionellen Kneipensportler geworden?

Ich habe die ersten drei Jahre lang täglich vier bis fünf Stunden lang trainiert.

Mit einem festen Trainingspartner?

Die ersten anderthalb Jahre war Marc Dürr aus Breisach mein Lehrer. Später habe ich viel mit Björn Hoffmann aus Freiburg trainiert. Björn war damals der beste Spieler der Gegend. Mittlerweile trainiere ich mit Thierry Müller. Er ist für mich der beste deutsche Spieler.



Ist es noch so, dass man Kondome über die Griffe zieht und Handschuhe trägt?

Da hat jeder Spieler so seine Vorlieben. Es gibt Gummis, Schläuche und Griffbänder. Ich spiele zum Beispiel mit der rechten Hand auf Schläuchen; den linken Stangengriff präperiere ich mit Griffbändern von Tennisschlägern. Handschuhe braucht man auch. Da nimmt man Golf- oder Baseballhandschuhe.



Wie machen sich die Frauen beim Kickern?

Sie können nicht ganz so auf dem Männerniveau mitspielen, obwohl es ja nicht so viel mit Kraft zu tun hat. Es gibt Frauen, die es in die Masterklasse. Aber die Eliteklasse dominieren Männer.

Schaust du dir vor einem Tunier Videos von Gegnern an?

Die meisten Topspieler machen das. Ich nie. Ich beobachte die Spieler bei Tunieren und versuche, sie zu analysieren.

Fußballfan?

Ja, ich habe auch 18 Jahre lang gespielt. Im Moment sind meine Lieblingsteams Bayern und Barcelona.

Wenn du ein Date mit deiner Freundin hast und du wirst in einer Kneipe zum Kickern aufgefordert, unterbrichst du dann dein Date für einen Moment?

Wenn ich mit meiner Freundin ausgehe, dann weiß ich vorher, ob da ein Kicker steht. Wenn dies der Fall ist, kann ich nur schwer widerstehen.



Kickern nach ein paar Bier - geht das?

Ich habe es noch nicht ausprobiert. Ist nicht so mein Stil. Aber es gibt auch Topspieler, die total besoffen bei einem Turnier antreten.

Gibt es überhaupt noch Spieler, vor denen du den Hut ziehst?

Frederik Collignon. Das ist der weltbeste Spieler. Gegen ihn habe ich noch nie gewonnen.



Gibt es bei Turnieren auch Schiedsrichter?

Fast alle Spieler sind sehr fair und sportlich. Nur wenn sich zwei Gegner nicht einig werden, können sie bei der Turnierleitung einen Schiedsrichter beantragen. Ich habe schon Spieler gesehen, die sich den Kopf auf der Spielplatte aufgeschlagen haben, damit nicht weitergespielt werden konnte. Einmal haben sich zwei Gegner mitten im Spiel geprügelt. Das ist aber die Ausnahme.

Ärgert es dich, gegen schlechte Gegner zu spielen?

Nein, ich spiele ja auch promotionmäßig in Discotheken. Wer da gegen mich gewinnt, bekommt Geld oder Sachpreise bei ein paar Toren. Da spiele ich die ganze Nacht gegen totale Anfänger und hab jede menge Spaß.

Welche prominenten Gegner hattest du?

Die Klitschkos, Udo Lindenberg und Oli P.



Was rätst du dem Kickernachwuchs?

Man braucht einen Mentor. Man muss aber auch allein trainieren. Das habe ich die ersten zwei Jahre ein bis zwei Stunden am Tag getan. Ich bin wirklich nur am Tisch gestanden und habe den Ball geführt, habe Pässe und Schüsse trainiert. Das ist enorm wichtig für die Grundtechnik. Man muss sich eine Basis schaffen.