Foursquare & Gowalla: Ich bin Bürgermeister meiner Stammkneipe!

Dominik Schmidt

Fernsehkrimis haben uns gelehrt: Bist du auf der Flucht, so wirf dein Handy weg! Unsichtbar kommuniziert das kleine Technikwunder permanent mit den Sendemasten in der Umgebung oder per GPS mit einem Satelliten und verrät den Standort. Nun kommen aus den USA zwei Dienste, die genau diese Fähigkeit in ein Geschäftsmodell verwandeln: Foursquare und Gowalla.



Der Trend kommt aus den USA und verbreitet sich in größeren europäischen Städten bei jungen, technikinteressierten Menschen rasend schnell. Vermutlich wird sich in einigen Jahren niemand mehr wundern, wenn die Leute kurz stehenbleiben und auf ihrem Handy tippen, bevor sie das Café oder den Bahnsteig betreten –  sie checken ein!


Einchecken, das könnte bald das nächste große Wort sein neben den  Neuschöpfungen wie mailen, twittern oder simsen. Einchecken bedeutet per Knopfdruck seinen Freunden den aktuellen Aufenthaltsort mitzuteilen. Bei modernen Handys geht das praktisch automatisch. Der flüchtige Kriminelle hat keine Wahl, wenn die Polizei ihn über sein Mobiltelefon orten möchte. Nutzer von ortsbasierten Netzwerken wie Foursquareoder Gowallaaber haben die Wahl.

Die Werbeindustrie leckt sich bereits die Finger

Beide Dienste bieten kostenlos Software für Android, iPhone und Palm OS an. Foursquare hat hier leicht die Nase vorn, da es auch für das besonders in den USA populäre Blackberry eine passende Software bietet. Das Gerät erfasst den Standort und ruft aus seiner Datenbank bekannte Lokalitäten in der Nähe auf. Ist ein Café, eine Bank oder der Bahnhof noch nicht in der Datenbank erfasst, können Nutzer ihn hinzufügen und dort einchecken.

Die Möglichkeiten sind dabei grenzenlos. Das Wochenende steht an und man fragt sich, in welchen Bars und Clubs sich die Freunde herumtreiben? Ein Blick auf das Handy kann zukünftig genügen und man sieht, was gerade angesagt ist. Durchklingeln und fragen, was heute Abend geht, erübrigt sich. Die Betreiber von Geschäften erkennen das Potenzial mehr und mehr und versuchen, Kunden mit dem Service zu locken.

Foursquare- oder Gowalla-Nutzer werden zum Beispiel mit Treueprämien belohnt. Derjenige, der am häufigsten in einem Café eingecheckt hat, bekommt Freigetränke, er wird zum "Mayor", zum Bürgermeister dieses Ortes. Das ist fast so, als würde sein Name über den Tresen gehängt.

Foursquare informiert auch, wenn man eincheckt und in der Umgebung ein Nutzer einen Tipp hinterlassen hat. „Die Lasagne bei Luigi ist besonders lecker“, könnte so ein Tipp lauten. Hat man selbst einen benachbarten Italiener gerade betreten und bekommt das Lockangebot aufs Handy, könnte das durchaus eine Auswirkung auf die eigene Wahl haben. Bisher sind solche Tipps von Mitnutzern eingegeben; diese aber auch gegen Bezahlung von Werbekunden zu verschicken, liegt nahe.

Generell sind reale Prämien hierzulande aber wenig verbreitet, obwohl Foursquare mittlerweile fast eine Million Nutzer und mehr als 40 Millionen Check-Ins hat. Vor allem in München und Berlin gibt es Geschäfte, die auf den Trend aufmerksam geworden sind. Im Rest von Deutschland ist der Nutzen von Gowalla und Foursquare wegen mangelnder Verbreitung eingeschränkt.

Google Latitude ist  bereits wesentlich länger im Geschäft als Foursquare und Gowalla, ene große Verbreitung hat der Dienst zumindest in Deutschland aber nie erfahren. Woran das liegt? Eine  Foursquare-Nutzerin aus Berlin bringt es auf den Punkt: „Der Nutzen und Anreiz, bei jedem Eintreten in eine Bar erst auf seinem Handy rumzutippen, ist bei anderen Diensten einfach geringer als bei Foursquare.“

Denn die Erfinder der neuen Generation von ortsbezogenen Netzwerken haben sich etwas einfallen lassen: Badges – virtuelle Trophäen. Badges werden auf der Profilseite verewigt und werden besonders eifrigen Nutzern verliehen. Teilweise werden diese bewusst rar gehalten und können nur in bestimmten Städten und Veranstaltungen oder nur an bestimmten Tagen erlangt werden.



Nur ein Spiel? Nicht auch eine Gefahr?

Dennis Crowley, Erfinder von Foursquare, kam die Idee beim Spielen des Videospiels „Legend of Zelda“. Dort fand er nach langer Suche einen Bumerang für seine Spielfigur. Dieses Glücksgefühl sollte sich übertragen lassen auf das reale Leben, fand Crowley. Wenn auch nur mit einer virtuellen Prämie.

Der Instinkt des Jäger und Sammlers steckt eben im Menschen.Während Medien und Datenschützer sich über Google Street View aufregen, verbreiten sich GPS-basierte Dienste. Wer bei Street View damit argumentiert, dass Fotos von Häusern und Grundstücken eine brisante Information für Einbrecher und Verkäufer sein können, wird noch ganz andere Abgründe in Diensten wie Foursquare und Gowalla sehen. Wenn sich der Einbrecher erst auf Street View das Haus anschaut und dann den aktuellen Aufenthaltsort des Bewohners bei Gowalla herausfindet, ist das ein Sicherheitsrisiko.

Nachdem Dienste im Internet  persönliche Angaben wie Alter, Kontaktdaten und Interessen abfragen, blieb eine Ortsangabe in fast Echtzeit bisher verwehrt. Gowalla und Foursquare bieten hier zwei wesentliche und einfache Funktionen, die man behutsam nutzen sollte. Zum einen wird der Aufenthaltsort nur verbreitet, wenn man dies bewusst per Klick zulässt. Tut man dies nicht, weiß weder der Anbieter noch Mitglieder des Netzwerks, wo man sich aufhält. Zum zweiten können nur selbst bestätigte Freunde Einblick bekommen. Besonders diese Funktion sollte man behutsam nutzen und nur vertraute Benutzer zur Freundesliste hinzufügen.

Das weit verbreitete Buhlen um möglichst viele Freunde im Netzwerk, wie es auf StudiVZ oder Facebook verbreitet ist, ist bei einem ortsbasierten Netzwerk fatal.

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[Bilder: Foursquare]